Mit Absicht Gelb geholt? Bayerns Kimmich gibt das Unschuldslamm – aus gutem Grund
Mit 6:1 gewann Bayern München sein Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Atalanta Bergamo. Nach drei Toren in der ersten und drei Toren in der zweiten Halbzeit herrschten früh klare Verhältnisse. Im Rückspiel vor heimischer Kulisse am kommenden Mittwoch hat der deutsche Rekordmeister kaum noch etwas zu befürchten, steht mit einem Bein bereits im Viertelfinal.
Diese komfortable Ausgangsposition nutzten mit Joshua Kimmich und Michael Olise gleich zwei Leistungsträger der Münchner für einen cleveren Schachzug. Beide hatten in der bisherigen Champions-League-Saison bereits zwei Gelbe Karten gesehen. Bei einem dritten Gelben Karton sind die Spieler in der «Königsklasse» für eine Partie gesperrt.
Zweimal Gelb für Zeitspiel
Das wussten Kimmich und Olise – und schienen sich gegen Atalanta deshalb absichtlich ihre dritte Gelbe Karte abzuholen. Der Gedanke dahinter: Lieber das sportlich wohl unbedeutende Rückspiel verpassen und das Karten-Konto wieder auf null setzen, als eine Sperre im weiteren Verlauf der Champions League zu riskieren.
Olise liess sich bei der Ausführung eines Corners in der 77. Minute aufreizend viel Zeit, bis Schiedsrichter Espen Eskas ihm die Gelbe Karte für Spielverzögerung zeigte. Kimmich verfolgte nur sechs Minuten später eine ähnliche Strategie, als er die Ausführung eines Freistosses so lange verzögerte, bis Gegenspieler Yunus Musah aufgebracht in ihn hineinlief. Schiedsrichter Eskas zeigte beiden Spielern Gelb.
«An sich war es unnötig»
Nach dem Spiel wollte Kimmich von einer angeblichen Taktik aber nichts wissen, präsentierte sich ganz unschuldig. «An sich war es unnötig», sagte der Mittelfeldakteur über seine Verwarnung bei Amazon Prime. Er habe bei der Ausführung des Freistosses lediglich lange nach einer Anspielstation suchen müssen, um nicht ins Pressing des Gegners zu spielen. «Ich glaube, wenn der gegnerische Spieler nicht auf mich zustürmt, gibt er vielleicht auch nicht die Gelbe Karte. Ich wollte da gerade den Ball herausspielen. An sich war es dann zu spät, ärgerlich», so Kimmich weiter.
Amazon-Prime-Experte Mats Hummels glaubte ihm jedoch kein Wort. «Ich bin beeindruckt», sagte er. «Sportlich fantastisch von ihm, aber jetzt die Erklärung für das lange Brauchen beim Freistoss gefällt mir noch besser», so Hummels mit einem Lachen. «Ich glaube, wir wissen alle, was passiert ist.»
Hummels kannte aber auch den Grund für den vermeintlichen Schwindel Kimmichs: «Ich verstehe auch, warum er jetzt dieses Statement bringt», so der Ex-BVB-Verteidiger. Kimmich habe lediglich eine Bestrafung vermeiden wollen. In der Tat kann die UEFA einen Spieler dafür sperren, wenn er sich mit Absicht eine Gelbe Karte einhandelt. Im Jahr 2019 wurde etwa der damalige Real-Madrid-Verteidiger Sergio Ramos für genau diese Taktik zwei Spiele gesperrt.
Hummels lobte Kimmich deshalb für sein Flunkern: «Alles richtig gemacht, Josh.» (ram/t-online)

