Es war der 24. Penalty, der nach 120 eher faden, torlosen Minuten die Entscheidung im Berner Wankdorf vor 27'710 Zuschauern brachte. Joël Mall, der in der 118. Minute eben für dieses Elfmeterschiessen ins Spiel gekommen war, parierte den Versuch von Lukas Mai. Dieser war zum zweiten Mal angetreten, nachdem alle noch im Einsatz stehen Spieler inklusive der beiden Goalies angetreten waren. Für Lugano gibt es allen Grund enttäuscht zu sein. Gleich dreimal hatten die Tessiner den Matchball im Penaltyschiessen auf dem Fuss: Jonathan Sabbatini, Renato Steffen und Albian Hajdari verschossen dabei.
Für Servette geht auf spektakuläre Weise eine 23 Jahre lange Durststrecke ohne Trophäe zu Ende. Viele Misserfolge und finanzielle Rückschläge lagen zwischen den beiden Cupsiegen. Zwischenzeitlich war der Genfer Klub nur noch in der drittklassigen Promotion League vertreten. Erst 2019 kehrte er in neuer Stärke und dauerhaft in die Super League zurück.
Nun folgte im Berner Wankdorf der vorläufige Höhepunkt des vor knapp zehn Jahren initiierten Neuaufbaus unter der leisen Führung des Uhrenherstellers Rolex. Die aktuelle Servette-Mannschaft trat unter Trainer René Weiler in die Fussstapfen von Servettes Ausgabe 2001. Damals führte Lucien Favre die Servettien mit Alex Frei als Torschützen zum 3:0-Finalsieg gegen Yverdon.
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— Servette FC (@ServetteFC) June 2, 2024
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Für Lugano war nicht nur das Penaltyschiessen enttäuschend, sondern auch die 120 Minuten zuvor. Luganos Trainer Mattia Croci-Torti hatte von seiner Mannschaft gefordert, sie solle von Anfang an bereit sein. Als der junge Coach erstmals vor dem Match aufs Feld kam, jubelte er der Kurve mit den Lugano-Fans euphorisch zu und wäre dabei beinahe auf dem Rasen ausgerutscht. Croci-Torti war geladen. Umso erstaunlicher war das enttäuschende Auftreten seiner Spieler, die nervös agierten und selten einige saubere Pässe aneinanderreihen konnten.
Dass Lugano zum dritten Mal in Folge im Cupfinal stand, war nicht zu erkennen. Keiner brachte Ruhe ins Tessiner Spiel oder eine Spur Überraschungseffekt. Goalie Amir Saipi und seiner Vorderleute leisteten sich zahlreiche Fehlpässe und Fehlgriffe, die aber unbestraft blieben. Und als dann Servette doch mal mit einem gefährlichen Abschluss glänzte, machte Saipi alle Unsicherheit vergessen: Der Keeper parierte den Schuss von Dereck Kutesa in der 64. Minute brillant.
Servette tat mehr für ein Tor, aber es griff auch nicht überzeugend an. Die Flanken war oft ungenau und in der Sturmspitze war Jérémy Guillemenot zu wenig durchschlagskräftig. Bis zur Chance von Kutesa gab es nur im Ansatz gefährliche Genfer Aktionen. Gemessen am betriebenen Aufwand sprang für die Grenat enttäuschend wenig heraus – an Toren sowieso, aber auch an Torchancen.
Lugano hingegen konnte sich mit zunehmender Spieldauer einige Konterchancen erarbeiten. In der 89. Minute und 120. Minute fehlte nur wenig und der eingewechselte Ignacio Aliseda hätte Lugano für die Leistungssteigerung nach einer Stunde reich belohnt. Zudem kamen die Tessiner einem Penalty nahe, als Keigo Tsunemoto in der 89. Minute den Ball im Strafraum mit der Hand berührte. Der Pfiff von Schiedsrichter Dudic blieb aber genauso aus wie eine Intervention des VAR. Eine strittige Entscheidung. Servette hätte sich über einen Penalty nicht beklagen können.
Der 99. Cupfinal bot bis zur finalen Entscheidung selten Aufreger, auch wenn er ab Mitte der zweiten Halbzeit intensiver geführt wurde. Es konnte keinen überraschen, dass zum ersten Mal seit 2014 und zum insgesamt siebten Mal ein Cupfinal im Penaltyschiessen entscheiden wurde. Dieses hatte es dann aber in sich und entschädigte für die 120 vorangegangenen Minuten.
Kurz nach dem im Penaltyschiessen auf dramatische Art und Weise gewonnenen Cupfinal gegen Lugano äusserte sich Servettes Trainer René Weiler über seine Zukunft. Der Zürcher bestätigte im SRF-Interview, dass er nächste Saison nicht mehr Trainer von Servette sein wird. «Ich bleibe aber in Genf», versicherte Weiler.
In welcher Rolle er dem Klub erhalten bleibt, liess er offen. Unklar ist auch, wer sein Nachfolger beim nunmehr achtfachen Cupsieger wird. «Wir suchen ihn», fasst sich Weiler kurz.
Servette - Lugano 0:0 n.V.; Servette 9:8-Sieger im Penaltyschiessen
Wankdorf, Bern.
27'710 Zuschauer.
SR Dudic.
Penaltyschiessen: Stevanovic 1:0, Mai 1:1; Severin 2:1, Grgic 2:2; Nishimura 3:2, Aliseda 3:3; Rouiller 4:3, Mahou 4:4; Bolla (Saipi hält), Sabbatini (übers Tor); Tsunemoto (an die Latte), Steffen (Mall hält); Douline 5:4, Valenzuela 5:5; Mazikou 6:5, Doumbia 6:6; Ondoua 7:6, Cimignani 7:7; Magnin (Saipi hält), Hajdari (Mall hält); Mall 8:7, Saipi 8:8; Severin 9:8, Mai (Mall hält).
Servette: Frick (118. Mall); Tsunemoto, Rouiller, Severin, Mazikou; Ondoua; Cognat (118. Douline), Antunes (78. Magnin); Stevanovic, Guillemenot (86. Bolla), Kutesa (113. Nishimura).
Lugano: Saipi; Doumbia, Mai, Hajdari, Valenzuela; Grgic; Steffen, Mahmoud (68. Sabbatini), Bislimi (85. Mahou), Bottani (68. Aliseda); Celar (55. Vladi/91. Cimignani).
Bemerkungen: Verwarnungen: 21. Hajdari. 38. Valenzuela. 45. Severin. 57. Antunes. 57. Saipi. 59. Cognat. 106. Sabbatini.
(kat/sda)
Daran erinnern wird sich eh niemand