Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Das Leben von Johan Cruyff

Kampf gegen Krebs verloren: Fussballlegende Johan Cruyff stirbt 68-jährig

Die legendäre Nummer 14 ist tot. Johan Cruyff veränderte den Fussball erst als Spieler und prägte ihn danach als Trainer mit dem «totaalvoetbal», dem «totalen Fussball». Europas Fussballer des Jahrhunderts gewann alles – ausser dem bereitliegenden WM-Titel 1974.



Der legendäre holländische Fussballer und Trainer starb im Alter von 68 Jahren in seinem Zuhause in Barcelona an Krebs. «Johan Cruyff schlief in Barcelona im Beisein seiner Familie friedlich ein, nachdem er lange gegen den Krebs gekämpft hatte», teilt die Stiftung der Legende mit. Im Oktober des vergangenen Jahres war beim früheren Star von Ajax Amsterdam (1964 bis 1973) und des FC Barcelona (1973 bis 1978) Lungenkrebs diagnostiziert worden.

BARCELONA, SPAIN - OCTOBER 25:  FC Barcelona players wear T-shirts reading 'Anims Johan' (Cheer up Johan) giving encouragment to former FC Barcelona head coach Johan Cruyff during the La Liga match between FC Barcelona and SD Eibar at Camp Nou on October 25, 2015 in Barcelona, Spain.  (Photo by David Ramos/Getty Images)

Die Barça-Spieler unterstützten Johan Cruyff im Kampf gegen den Krebs unter anderem mit diesen Shirts im Oktober 2015.
Bild: Getty Images Europe

Cruyff führte die Holländer 1974 in den WM-Final gegen Deutschland, welchen die favorisierten und total siegessichere Oranje völlig überraschend trotz früher Führung verloren. Die legendäre Nummer 14 holte dabei mit dem ersten Angriff den Elfmeter heraus, welchen Johan Neeskens zum 1:0 verwertete:

abspielen

Johan Cruyff holt im WM-Final 1974 den Elfmeter für Holland heraus.
YouTube/bollockshr

Beim Vize-WM-Titel vier Jahre später war Cruyff nicht mehr dabei. Er führte das Team bis im Oktober 1977 erfolgreich durch die Qualifikation, trat dann aber zurück. Erst hiess es, der Star reiste aus Protest gegen das Militärregime der Junta nicht nach Argentinien.

«Fussball ist sehr einfach. Aber einfachen Fussball zu spielen, ist das schwierigste, das es gibt.»

Johan Cruyff.

2008 erzählte Cruyff einem Journalisten, dass er und seine Familie im Jahr zuvor einem Kidnapping-Versuch entkamen und er darum zurücktrat. «Für eine WM musst du 200% bereit sein. Es gibt Momente im Leben, da zählen andere Dinge mehr», diktierte er diesem.

Erfinder des totalen Fussballs

Der Spielmacher gewann als Profi unter anderem dreimal den Europapokal der Landesmeister (jeweils mit Ajax) und wurde 1971, 1973 und 1974 als Europas Fussballer des Jahres ausgezeichnet. Als Trainer holte Cruyff, Europas Fussballer des Jahrhunderts, drei Europapokalsiege sowie vier spanische Meisterschaften.

Kaum ein Spieler hat den Fussball so geprägt wie «König Johan». Legendär ist dabei auch sein indirekter Penalty, welcher heute als Cruyff-Elfmeter bekannt ist (obwohl Cruyff nicht wirklich der Erfinder war).

Der unvergessene Elfmeter von Johan Cruyff bei Ajax.

Als Trainer gilt er als Begründer des «totalen Fussballs» bei Ajax und später bei Barcelona. Bei den Katalanen war er acht Jahre im Amt. Unter totalem Fussball versteht sich das Spielsystem, bei welchem die Position eines Spielers sofort durch einen anderen ersetzt wird, wenn einer seine angestammte Position verlässt.

«Johan Cruyff baute die Kapelle. Alle Trainer seither renovieren sie praktisch nur noch.»

Pep Guardiola über Johan Cruyff.

So greifen alle Feldspieler gemeinsam an und verteidigen im Verbund. Jeder Spieler ist Verteidiger, Mittelfeldspieler und Stürmer. Diese Variante erfordert ein hohes taktisches Verständnis, sowie hervorragende Technik – also eigentlich der Vorreiter des Tiki-Takas.

Noch im Februar gab sich der 48-fache niederländische Nationalspieler siegessicher im Kampf gegen seine Krebserkrankung. Er verglich den Fortschritt seiner Behandlung mit einem Fussballspiel. «Ich habe das Gefühl, mit 2:0 in der ersten Halbzeit eines Spiels vorne zu liegen, das noch nicht zu Ende ist. Aber ich bin mir sicher, dass ich es gewinnen werde», schrieb Cruyff auf seiner Internetseite.

Bis Anfang der Neunzigerjahre war Cruyff Kettenraucher. Er stoppte jedoch nach einer Herzoperation. Seine grössten sportlichen Erfolge als Spieler und Trainer feierte Cruyff mit Hollands Rekordmeister Ajax Amsterdam und dem FC Barcelona. Mit der holländischen Nationalmannschaft unterlag er als Spieler im WM-Final 1974 Gastgeber Deutschland 1:2. (fox/spiegel/sda)

Reaktionen zum Tod von Cruyff

Wie der Vater, so der Sohn: Cruyffs Sohn Jordi konnte nie die grosse Karriere erleben.

Der Fussball schreibt oft die schönsten Geschichten

«Oh Zinédine, pas ça!» Zidanes Kopfstoss im WM-Final gegen Materazzi erschüttert die Welt

Link zum Artikel

Marco van Basten schiesst den «ewigen Zweiten» mit seinem Traumtor zum EM-Titel

Link zum Artikel

Das schlimmste Foul im Schweizer Fussball: Gabet Chapuisat zertrümmert Lucien Favres Knie

Link zum Artikel

Andrés Escobar wird nach einem Eigentor an der WM mit 12 Schüssen hingerichtet

Link zum Artikel

Maradona schiesst das Tor des Jahrhunderts – aber in Erinnerung bleibt die «Hand Gottes»

Link zum Artikel

Ailton wettert: «For mi das nicht Profi-Mannschaft, das nicht Profi-Fussball. Unglaublig»

Link zum Artikel

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

Link zum Artikel

Jay-Jay Okocha demütigt Oliver Kahn und drei Verteidiger mit einem Wahnsinnstanz

Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

Link zum Artikel

«Decken, decken, nicht Tischdecken» – als man(n) im TV noch über Frauenfussball lästerte

Link zum Artikel

Nati-Goalie Zuberbühler schiebt die Schuld für ein Riesen-Ei dem «Blick» zu

Link zum Artikel

Der Goalie mit Pudelmütze sorgt für eine der grössten Sensationen der Fussball-Geschichte

Link zum Artikel

«Hoch werd mas nimma gwinnen» – der legendäre Ösi-Galgenhumor beim 0:9 gegen Spanien

Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link zum Artikel

Roberto Baggios Penalty in die Erdumlaufbahn lässt ganz Italien weinen

Link zum Artikel

Ronaldo kämpft vor dem WM-Final mit dem Tod – warum er trotzdem spielt, bleibt ein Rätsel

Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel

Mit dem letzten Spiel im Hardturm gehen 78 Jahre Schweizer Fussball-Geschichte zu Ende

Link zum Artikel

Martin Palermo schafft's ins Guinness-Buch – weil er 3 Penaltys in einem Spiel verschiesst

Link zum Artikel

Die Schweizerin Nicole Petignat pfeift als erste Frau ein Europacup-Spiel der Männer

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Zum Tod von Diego Maradona: Wie die «Hand Gottes» zur Legende wurde

Diego Armando Maradona stirbt im Alter von 60 Jahren. Kein anderer Spieler hat je eine WM so dominiert wie Diego Maradona 1986. Die beiden Treffer gegen England haben ihn nicht nur in Argentinien zum Fussballgott gemacht.

Diego Maradonas Augen waren noch glasig, sagen diejenigen, die ihn an diesem 22. Juni 1986 in der Kabine haben sitzen sehen. Sein Lächeln sei steinern gewesen. Er war sich bewusst, dass er mit seinem Tor zum 2:0 gegen England einen Akt sublimer Kunst vollbracht hatte. Sublime Kunst bedeutet, etwas Grosses, Überwältigendes, das nur mit dem Gespür für das Aussergewöhnliche überhaupt verstanden und nicht wiederholt werden kann.

Das war sein sublimes Kunststück: Er startete in der eigenen …

Artikel lesen
Link zum Artikel