«Franatiker» feiern ihren Helden: Riesiger Empfang für Franjo von Allmen in seiner Heimat
Im Festzelt hiess Sportreporter Rainer Maria Salzgeber das Publikum willkommen und leitete durch die Feier. Vor dem Festzelt verfolgten Hunderte das Geschehen auf Grossleinwand.
Von Allmen zeigte sich überwältigt vom Empfang in seiner Heimat. «Etwas Schöneres und Grösseres können wir uns hier nicht wünschen», pflichtete ihm der Boltiger Gemeindepräsident Albert Wampfler bei.
Mit ihrem Vorbild auf der Bühne standen Kinder und Jugendliche der Jugendabteilung des lokalen Skiclubs. Von Allmen hatte es sich nach seiner Rückkehr von den Olympischen Spielen in Italien nicht nehmen lassen, an einem Clubrennen teilzunehmen und mit den Simmentaler Ski-Dreikäsehochs um die Wette zufahren.
In seiner bodenständigen und verschmitzten Art beantwortete der 24-Jährige die Fragen des Sportreporters. Ein Schülerchor trug ein eigens getextetes Lied für den Skicrack vor, der sichtlich gerührt war. Zur Frage, ob er denn ein guter Schüler gewesen sei, geriet er etwas in Verlegenheit. Er sei okay gewesen, «aber viel zu viel habe ich wohl nicht gemacht», räumte er ein.
In der Region Boltigen waren zahlreiche Häuser und Scheunen mit Gratulations-Transparenten geschmückt. «Bravo Franjo» war etwa zu lesen, und eiligst auf Leintücher gepinselte olympische Ringe waren zu sehen.
Der 24-Jährige hat im Skirennsport eine Traumkarriere hingelegt. Erste Skierfahrungen sammelte der Simmentaler Bub auf dem Jaunpass, einem kleinen Skigebiet in den Voralpen an der Grenze der Kantone Bern und Freiburg.
Erst allmählich konkretisierte sich eine Laufbahn als Skirennsportler. Der jähe Tod seines Vaters stellte den 17-Jährigen auf eine harte Probe. Die Skikarriere hing nicht zuletzt auch aus finanziellen Gründen an einem seidenen Faden. Doch ein Crowdfunding hielt den jungen Skirennsportler und gelernten Zimmermann auf Kurs.
Er dankte die Unterstützung mit Erfolgen. Nach FIS- und Europacuprennen erhielt von Allmen im März 2023 erstmals eine Gelegenheit für einen Weltcup-Start im US-amerikanischen Aspen. Er belegte den 46. Rang.
Drei Jahre später ist der Boltiger Doppelweltmeister und dreifacher Olympiasieger und gehört zu den erfolgreichsten Skirennsportlern der Welt.
Sein für Simmentaler Verhältnisse eher exotischer Vorname Franjo soll er dem Vernehmen nach einem Nachbarn der Familie von Allmen verdanken. Der klangvolle Name gefiel Vater von Allmen. Weil der Vorname in Kroatien sehr beliebt ist, hat der Simmentaler dort eine grosse Fangemeinde. Franjo ist die slawische Koseform von Franz.
In der Schweiz hat von Allmen längst auch einen Fanclub. «Franatiker» nennen sich seine Fans. Bei seiner Gründung im Jahr 2022 zählte der Club 13 Mitglieder, heute rund 1600. (riz/sda)
