Der VAR soll mehr Macht bekommen – was die Fussball-Regelhüter planen
Das könnte bereits Folgen für die WM in diesem Sommer haben. Am Samstag stehen in Wales bei der Sitzung des International Football Association Board (IFAB) Regel-Änderungen zur Diskussion, die das Spiel massgeblich beeinflussen würden. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen vor dem Treffen der Regelhüter in der Nähe von Cardiff.
Welche Regel-Neuerungen sind beim VAR geplant?
Die wichtigste Neuerung: Jeder Eckball wird künftig auf seine Richtigkeit überprüft. So steht es in dem Regel-Entwurf auf der IFAB-Agenda. Dadurch soll verhindert werden, dass ein falsch zugesprochener Corner zu einem Torerfolg führt. Wichtig ist, dass der Entscheid in Echtzeit erfolgt, also keine langen Prüfzeiten wie bei anderen Video-Checks entstehen.
Gecheckt und möglicherweise korrigiert werden künftig auch Gelbe Karten, die als zweite Verwarnung zu einer Gelb-Roten Karte und damit einem Ausschluss führen. Keine Überprüfung gibt es für erste Gelbe Karten oder ausgebliebene Gelbe Karten, die zu einer Gelb-Roten Karte geführt hätten, es sei denn, es wurde nachweislich ein falscher Spieler oder das falsche Team bestraft.
Was steht noch auf der Agenda?
Das Spiel soll schneller und attraktiver werden, das hatte Gianni Infantino, der als FIFA-Präsident dem IFAB angehört, so gefordert. Zeitspiel ist der Feind des modernen Fussballs. Die sogenannte Acht-Sekunden-Regel für Goalies, die den Ball in den Händen halten, soll künftig auch bei Abstössen und Einwürfen gelten. Der Schiedsrichter zeigt den Countdown mit den Fingern an. Bei Verstössen gibt es einen Eckball oder Einwurf für das andere Team.
Nur noch zehn Sekunden bleiben künftig bei Auswechslungen. Auf dem Spielfeld behandelte Akteure müssen dann eine noch festzulegende Zeitspanne auf ihre Rückkehr aufs Feld warten. Noch zu klären ist, ob das auch Goalies betrifft oder ob ein Teamkollege die neue Strafe absitzen kann.
Kommen die Regeln auf jeden Fall?
Eine Ablehnung wäre eine Überraschung. In der Regel folgen die IFAB-Mitglieder den Vorschlägen auf der Agenda. Sie wurden schliesslich bei den eigenen Meetings entwickelt. 2024 gab es eine unerwartete Wendung durch die Ablehnung der Blauen Karte, die für 10-Minuten-Zeitstrafen eingeführt werden sollte. Damals legte Infantino kurzfristig noch ein Veto ein.
Frühestens ab 1. Juni treten neue Regeln in Kraft, so sieht es der traditionelle Zeitplan des IFAB vor. Die WM beginnt zehn Tage später. Die FIFA wird kaum zögern, die IFAB-Vorgaben umzusetzen.
Warum darf das IFAB über Regeln entscheiden?
Seit jeher haben die Verbände aus England, Wales, Schottland und Nordirland eine Sonderstellung, da der moderne Fussball in Britannien 1863 erstmals ein Regelwerk bekam. Vier Stimmen haben die Verbände noch heute im IFAB, die FIFA als Weltverband hat das gleiche Stimmrecht. Die Institution wird als Regel-Instanz akzeptiert, zumal nach einer Reform auch externe, beratende Meinungen wie von Arsène Wenger oder Luis Figo gehört werden. (nih/sda/dpa)
