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Die leidenschaftliche Freude beim FC Winterthur nach dem Sieg im Penaltyschiessen.
Die leidenschaftliche Freude beim FC Winterthur nach dem Sieg im Penaltyschiessen.Bild: KEYSTONE

«Irgendeinisch fingt ds Glück eim» – aber bei YB haben wir da unsere Zweifel

Die Young Boys verspielen den Einzug in die Cup-Halbfinals trotz 2:0-Vorsprung gegen Winterthur leichtfertig – weil sie ihr Glück nicht erzwingen können. 
02.03.2017, 09:5902.03.2017, 14:33

Die Young Boys haben es wieder einmal geschafft. Sie haben ihre letzte Chance auf einen Titel verspielt. Damit feiern die Hauptstädter ein trauriges Jubiläum: 30 Jahre ohne Titel. Besonders bitter ist die Tatsache, dass YB das Spiel locker im Griff hatte und mit einem 2:0-Vorsprung in die Pause ging. 

Selbst nach der Aufholjagd des FCW waren die Berner hochüberlegen und hätten das Spiel mehrere Male entscheiden können, ja müssen. Sie haben es bekanntlich verpasst und die Partie anschliessend in der Penalty-Lotterie verloren.

Yoric Ravet flattern im Penaltyschiessen die Nerven.Video: streamable

Das ist bitter und passt natürlich perfekt in das vorgefertigte YB-Versagens-Muster. Es regnet Häme, der Begriff «veryoungboysen» erlebt seit gestern Abend wieder eine inflationäre Verwendung. Doch das ist nach solch einer Partie zu billig. «Irgendeinisch fingt ds Glück eim», so sagen sich die YB-Fans schon lange. Das Glück hat gestern nur den FC Winterthur gefunden. 

Das Glück fand gestern Zürich Ost, nicht Zürich West.Video: YouTube/lomotionag
Warum sind die Young Boys erneut gescheitert?

Der Stein in der Schleuder

Die Analogie zum biblischen «David gegen Goliath» liegt bei überraschenden Siegen von unterklassigen Mannschaften jeweils nahe. Die gestrige Affiche war mehr als nur das Spiel eines Challenge-Ligisten gegen ein Team aus der Super League.

Der FC Winterthur (links im Bild) besiegt die mächtigen Young Boys (hier mit Bart dargestellt) überraschend.
Der FC Winterthur (links im Bild) besiegt die mächtigen Young Boys (hier mit Bart dargestellt) überraschend.

Die Young Boys sind souveräner Zweiter hinter dem unantastbaren Ligakrösus FC Basel. Sie haben nur eines ihrer letzten 16 Super-League-Spielen verloren. YB ist ohne Diskussion das zweitbeste Team der Schweiz

Die letzten 16 Super-League-Spiele der Young Boys.
Die letzten 16 Super-League-Spiele der Young Boys.screenshot: transfermark.ch

Eben weil Basel vorne weg ist, hat es für YB in der Rückrunde eigentlich nur ein grosses Ziel gegeben: den Cupsieg. Das wussten natürlich auch die Verantwortlichen um Trainer Adi Hütter. Dem Spiel gegen Winterthur musste alles untergeordnet werden.

Ebendieser FC Winterthur steckt in einer tiefen sportlichen Krise. Einzig weil es beim FC Wil gerade drunter und drüber geht, bleibt «Winti» etwas vom medialen Fokus verschont.

Der FCW hat in der Challenge League in den letzten 13 Spielen nur einen einzigen Sieg geholt. Nun sollte diese Mannschaft YB schlagen. Erschwerend kam gegen die technisch überlegenen Berner dazu, dass die Partie nicht auf der kultigen Winterthurer Schützenwiese, sondern auf dem Kunstrasen im Stade de Suisse stattfand.

Die Schützenwiese, das einzige echte Fussballstadion im Kanton Zürich

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Die Schützenwiese, das einzige echte Fussballstadion im Kanton Zürich
quelle: watson / ralf meile
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Winterthurs Co-Trainer Dario Zuffi sagte noch vor der Partie, dass Winterthur, wenn überhaupt, eine minimale Chance hat, in Bern zu bestehen.

Das erzwungene Glück

Spätestens das herrliche 2:0 durch Leonardo Bertone nach 39 Minuten hätte die Winterthurer Hoffnungen auf den Coup begraben müssen. Es war eine moralische Glanzleistung von «Winti», mit den beschränkten vorhandenen Mitteln wieder in dieses Spiel zurückzufinden und es innert fünf Minuten auszugleichen. 

Nach dem 2:2 war YB zwar wieder drückend überlegen und hat mit Latten- und Pfostenschüssen viel Pech bekundet, doch die Underdogs haben es geschafft, eine Stunde ohne Gegentor durchzuhalten. Ob mit Glück und Kampfgeist oder mit Stilsicherheit ist nach der Partie sowieso nicht mehr wichtig.

Den entscheidenden Penalty von Silvio kann man auch mal halten.Video: streamable

Dass YB danach im Penaltyschiessen die Nerven flattern, war zu erwarten. Beeindruckend ist jedoch, dass die Winterthurer Di Gregorio, Cani, Schuler, Sutter und Silvio allesamt verwandelten – auch weil Yvon Mvogo kein Penaltykiller ist.

Ersatzgoalie Mathias Minder hält den Penalty von Yoric Ravet.
Ersatzgoalie Mathias Minder hält den Penalty von Yoric Ravet.Bild: KEYSTONE

Und so ist es dann doch das erzwungene Glück für den FC Winterthur, der eines der grössten Spiele der jüngeren Vereinsgeschichte erlebte. Deshalb darf man nicht (nur) von den versagenden Young Boys sprechen. Und wenn, dann immer mit dem Hintergedanken: «Irgendeinisch fingt ds Glück eim.»

David gegen Goliath: Das sind die grössten Sensationen im Schweizer Cup

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Das sind die grössten Sensationen im Schweizer Cup
quelle: keystone / salvatore di nolfi
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