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«Ran» brachte die Bundesliga in den 90er-Jahren mit einer neuen Art der Berichterstattung deutlich näher zum Zuschauer.
«Ran» brachte die Bundesliga in den 90er-Jahren mit einer neuen Art der Berichterstattung deutlich näher zum Zuschauer.
Bild: imago sportfotodienst

Die Bundesliga ist zurück bei Sat.1 – wie «Ran» einst den TV-Fussball revolutionierte

24.06.2020, 16:5525.06.2020, 09:27

Bald 30 Jahre ist es her, dass sich im deutschen Fernseh-Fussball eine kleine Revolution ereignete. Im August 1992 strahlte Sat.1 zum ersten Mal die Bundesliga-Sendung «Ran» aus. Nun ist Sat.1 zurück im Fussball-Geschäft. Bei der jüngsten Rechteauktion für die Bundesliga sicherte sich der Sender ein Paket für die Ausstrahlung von neun Live-Spielen pro Saison im Free-TV.

Für uns Grund genug, etwas in Nostalgie zu schwelgen und uns an die guten, alten «Ran»-Zeiten zu erinnnern – als der Fussball auf einen Schlag etwas bunter, schriller und frecher wurde.

14. August 1992: «Ran» geht zum ersten Mal auf Sendung. Chef-Moderator ist Reinhold Beckmann, der mit einer roten Jeansjacke vor die Kamera tritt. Für die Zuschauer, die damals nur die ziemlich altbackene «Sportschau» der ARD kannten, ein ziemlich gewöhnungsbedürftiges Bild.
14. August 1992: «Ran» geht zum ersten Mal auf Sendung. Chef-Moderator ist Reinhold Beckmann, der mit einer roten Jeansjacke vor die Kamera tritt. Für die Zuschauer, die damals nur die ziemlich altbackene «Sportschau» der ARD kannten, ein ziemlich gewöhnungsbedürftiges Bild.
bild: imago sportfotodienst

Beckmann über die rote Jacke:

«Mit ihr kam ich in die Sendung, um zu proben. Als ich überlegte, welches Jackett ich anziehen sollte, riet mir die Art-Directorin: ‹Behalt die Jeansjacke an.›»
Beckmann trug aber auch grüne Jacken. Die Kritiken der ersten Sendungen waren vernichtend, doch den Zuschauern vor den Bildschirmen gefiel's. Die Quoten waren grossartig, bis zu acht Millionen Zuschauer schalteten am Samstagabend jeweils ein.
Beckmann trug aber auch grüne Jacken. Die Kritiken der ersten Sendungen waren vernichtend, doch den Zuschauern vor den Bildschirmen gefiel's. Die Quoten waren grossartig, bis zu acht Millionen Zuschauer schalteten am Samstagabend jeweils ein.
Bild: imago sportfotodienst
Das zweite «Ran»-Gesicht war Johannes B. Kerner, der sich mit Beckmann in der Moderation abwechselte. Er wirkte etwas braver, dafür auch seriöser.
Das zweite «Ran»-Gesicht war Johannes B. Kerner, der sich mit Beckmann in der Moderation abwechselte. Er wirkte etwas braver, dafür auch seriöser.
bild: imago sportfotodienst
700 Millionen Mark zahlte Sat.1 für die TV-Rechte für fünf Jahre und rüstete auch sonst gross auf. Erstmals waren bei Spielen 18 Kameras im Einsatz, die Zuschauer hatten plötzlich das Gefühl, viel näher am Geschehen dran zu sein.
700 Millionen Mark zahlte Sat.1 für die TV-Rechte für fünf Jahre und rüstete auch sonst gross auf. Erstmals waren bei Spielen 18 Kameras im Einsatz, die Zuschauer hatten plötzlich das Gefühl, viel näher am Geschehen dran zu sein.
Bild: imago sportfotodienst
Mit «Ranissimo» wurde schnell ein zweites Format ins Leben gerufen, das jeweils am Sonntag ausgestrahlt wurde. Jörg Wontorra gesellte sich zum Moderatoren-Duo Beckmann/Kerner.
Mit «Ranissimo» wurde schnell ein zweites Format ins Leben gerufen, das jeweils am Sonntag ausgestrahlt wurde. Jörg Wontorra gesellte sich zum Moderatoren-Duo Beckmann/Kerner.
Bild: imago sportfotodienst
Ursprünglich wollte Sat.1 bei «Ranissimo» nur italienischen Fussball zeigen, weil damals viele deutsche Nationalspieler wie Völler, Klinsmann oder Matthäus in Italien spielten. Dann kam das Sonntagsspiel der Bundesliga dazu und «Ranissimo» wurde immer mehr zu einer Talk-Sendung. Sogar Bundeskanzler Helmut Kohl war zu Gast in der Sport-Show, was damals einer Sensation gleichkam.
Ursprünglich wollte Sat.1 bei «Ranissimo» nur italienischen Fussball zeigen, weil damals viele deutsche Nationalspieler wie Völler, Klinsmann oder Matthäus in Italien spielten. Dann kam das Sonntagsspiel der Bundesliga dazu und «Ranissimo» wurde immer mehr zu einer Talk-Sendung. Sogar Bundeskanzler Helmut Kohl war zu Gast in der Sport-Show, was damals einer Sensation gleichkam.
Bild: imago sportfotodienst
Auch bei «Ranissimo» ging es eher unkonventionell zu und her. Moderator Beckmann und seine beiden Gäste Uli und Dieter Hoeness sassen in der Diskussionsrunde nicht auf Stühlen, sondern auf TV-Bildschirmen.
Auch bei «Ranissimo» ging es eher unkonventionell zu und her. Moderator Beckmann und seine beiden Gäste Uli und Dieter Hoeness sassen in der Diskussionsrunde nicht auf Stühlen, sondern auf TV-Bildschirmen.
bild: screenshot yotube
Das Sat.1-Logo mit dem bunten Ball war in den 1990er-Jahren nicht aus den Bundesliga-Stadien wegzudenken.
Das Sat.1-Logo mit dem bunten Ball war in den 1990er-Jahren nicht aus den Bundesliga-Stadien wegzudenken.
Bild: imago sportfotodienst
Im Sommer 1993 gab es gar eine tägliche Ausgabe von «Ran», welche die Zuschauer auch unter der Woche up-to-date hielt. Mit Johannes B. Kerner moderierten Thomas Klementz und Gaby Papenburg.
Im Sommer 1993 gab es gar eine tägliche Ausgabe von «Ran», welche die Zuschauer auch unter der Woche up-to-date hielt. Mit Johannes B. Kerner moderierten Thomas Klementz und Gaby Papenburg.
bild: imago sportfotodienst
Ein Erfolgsrezept von «Ran» war auch, dass immer die gleichen Kommentatoren über die gleichen Teams berichteten. Werner Hansch beispielsweise war vor allem in Dortmund und auf Schalke tätig.
Ein Erfolgsrezept von «Ran» war auch, dass immer die gleichen Kommentatoren über die gleichen Teams berichteten. Werner Hansch beispielsweise war vor allem in Dortmund und auf Schalke tätig.
bild: imago sportfotodienst
Jörg Dahlmann – hier 1997 mit Joachim Löw und Christoph Daum – kümmerte sich vor allem um die Südklubs Stuttgart und Karlsruhe. Unvergessen seine Schilderung des Jahrhundert-Tors von Jay-Jay Okocha gegen den KSC.
Jörg Dahlmann – hier 1997 mit Joachim Löw und Christoph Daum – kümmerte sich vor allem um die Südklubs Stuttgart und Karlsruhe. Unvergessen seine Schilderung des Jahrhundert-Tors von Jay-Jay Okocha gegen den KSC.
Bild: imago sportfotodienst

Dahlmanns Kommentar im Wortlaut

«So liebe Zuschauer, und jetzt, damit sie keinen Herzkasper bekommen: Stehen sie in Ruhe auf, drehen Sie den Ton des Fernsehers lauter. Kommen Sie nah an den Monitor heran. Und geniessen Sie.

Bein. Okocha. Geht er? Okocha. Jay-Jay Okocha. Immer noch Jay-Jay Okocha. Noch ein Dreher, noch einer und drin. Da reisst er sein Trikot vom Leib, tanzt noch einen Samba für das ausflippende Publikum. Ekstase im Waldstadion. Das haben wir seit Libuda nicht mehr erlebt. Das ist das Beste, was der Fussball bieten kann. ‹Oh wie ist das schön, oh wie ist das schön›.

Liebe Zuschauer, die Zeit für meinen Bericht ist zwar abgelaufen, aber egal. Sollen sie mich rausschmeissen. Ich zeige Ihnen die Szene bis zum Umfallen. Toll dieser Jay-Jay Okocha, wie er hier Kahn aussteigen lässt. Dann ist es Reich und auch noch Bilic. Dann versucht sich auch noch Lars Schmidt. Was soll's? Drin ist der Ball. Klasse, Mannomann ist das eine tolle Szene gewesen.

Komljenovic. Uwe Bein. Hätte schon alleine schiessen können. Schön gesehen und da ist er, Jay-Jay Okocha. Beckenbauer, Baresi, Kohler, alle Liberi und Manndecker der Welt hätten hier stehen können und sie wären allesamt von ihm ausgetanzt worden.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen ergeht, liebe Zuschauer. Mir zittern die Knie hier noch vor Begeisterung. Ich sehe jetzt das Tor zum sechsten, zum siebten, zum achten Mal und dann dieser Samba. Das war's liebe Zuschauer, tolle Szenen hier im Waldstadion. 3:1 für Frankfurt. Eine geniale Schlussphase und anschliessend geniessen wir den Umreisser noch von Maurizio Gaudino mit Jay-Jay Okocha.»
Das Jahrhundert-Tor von Okocha – aus Copyright-Gründen leider ohne Original-Kommentar von Dahlmann.
Neu war bei «Ran» auch, dass Ex-Profis am Spielfeldrand Interviews führten. Hier nahm Michael Schulz seinen ehemaligen BVB-Kollegen Andy Möller ins Kreuzverhör.
Neu war bei «Ran» auch, dass Ex-Profis am Spielfeldrand Interviews führten. Hier nahm Michael Schulz seinen ehemaligen BVB-Kollegen Andy Möller ins Kreuzverhör.
Bild: imago sportfotodienst
Der damalige Leverkusen-Trainer Erich Ribbeck im Interview bei Beckmann. Die schlagfertigen «Ran»-Moderatoren blieben stets hartnäckig und kitzelten immer noch die eine oder andere Antwort aus ihrem Gegenüber hinaus.
Der damalige Leverkusen-Trainer Erich Ribbeck im Interview bei Beckmann. Die schlagfertigen «Ran»-Moderatoren blieben stets hartnäckig und kitzelten immer noch die eine oder andere Antwort aus ihrem Gegenüber hinaus.
Bild: imago sportfotodienst
Technisch steckte der Fernseh-Fussball damals noch in den Kinderschuhen. Kein Internet, nur ein Röhren-Fernseher und ein Mikrofon – mehr hatte Kommentator Markus Jestädt nicht zur Verfügung.
Technisch steckte der Fernseh-Fussball damals noch in den Kinderschuhen. Kein Internet, nur ein Röhren-Fernseher und ein Mikrofon – mehr hatte Kommentator Markus Jestädt nicht zur Verfügung.
Bild: imago sportfotodienst
Umso wichtiger waren andere Utensilien: Die Sat. 1 Scouter Axel Spieler (l.) und Felix Meffert hatten immer eigene Notizen und einen Feldstecher mit dabei.
Umso wichtiger waren andere Utensilien: Die Sat. 1 Scouter Axel Spieler (l.) und Felix Meffert hatten immer eigene Notizen und einen Feldstecher mit dabei.
bild: imago sportfotodienst
Beckmann und Kerner stiegen Ende der 1990er-Jahre aus und bekamen dank «Ran» ihre eigenen TV-Formate. Die Sendung brauchte deshalb neue Gesichter. Jörg Wontorra holte deshalb Monica Lierhaus und Oliver Welke mit ins Boot.
Beckmann und Kerner stiegen Ende der 1990er-Jahre aus und bekamen dank «Ran» ihre eigenen TV-Formate. Die Sendung brauchte deshalb neue Gesichter. Jörg Wontorra holte deshalb Monica Lierhaus und Oliver Welke mit ins Boot.
bild: imago sportfotodienst
Auch Lou Richter wechselte zum Fussball. Ihn kannten die Zuschauer zuvor vor allem aus der Sendung «Jump Ran», die von 1993 bis 1995 jeweils am Sonntagmorgen über die NBA berichtete.
Auch Lou Richter wechselte zum Fussball. Ihn kannten die Zuschauer zuvor vor allem aus der Sendung «Jump Ran», die von 1993 bis 1995 jeweils am Sonntagmorgen über die NBA berichtete.
Bild: imago sportfotodienst
Im «Ran»-Studio hielt zwar etwas mehr Technik Einzug, dennoch blieb alles bunt und schrill.
Im «Ran»-Studio hielt zwar etwas mehr Technik Einzug, dennoch blieb alles bunt und schrill.
bild: sat. 1
Im Jahr 2003 lief «Ran» schliesslich zum letzten Mal. Mit immer mehr Werbung und Show-Elementen vergraulte man zusehends die Zuschauer.
Im Jahr 2003 lief «Ran» schliesslich zum letzten Mal. Mit immer mehr Werbung und Show-Elementen vergraulte man zusehends die Zuschauer.
bild: imago sportfotodienst
Ausserdem konnte man die teuren Kosten (mittlerweile 80 Millionen Euro pro Jahr) nur zur Hälfte refinanzieren. Ein Jahr nach der Insolvenz der Kirch-Gruppe, zu der auch Sat.1 gehörte, zog sich der Sender 2003 aus der Bundesliga-Berichterstattung zurück und überliess das Feld wieder der ARD mit ihrer «Sportschau».
Ausserdem konnte man die teuren Kosten (mittlerweile 80 Millionen Euro pro Jahr) nur zur Hälfte refinanzieren. Ein Jahr nach der Insolvenz der Kirch-Gruppe, zu der auch Sat.1 gehörte, zog sich der Sender 2003 aus der Bundesliga-Berichterstattung zurück und überliess das Feld wieder der ARD mit ihrer «Sportschau».
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