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Philipp Kurashev trainiert derzeit im Prospect Camp der Nationalmannschaft.
Philipp Kurashev trainiert derzeit im Prospect Camp der Nationalmannschaft.Bild: watson
Interview

Blackhawks von Nati-Star Kurashev im Umbau: «Ich war von den Trades ziemlich überrascht»

Philipp Kurashev trainiert derzeit im Prospect Camp der Schweizer Nationalmannschaft. Im Gespräch mit watson erzählt der NHL-Stürmer von seinem Werdegang, seinem Sprachtalent und seinen Zielen bei den Chicago Blackhawks.
27.07.2022, 16:1128.07.2022, 06:47

Zum Abschluss des Nati-Trainings gibt es ein Penaltyschiessen – Team Rot gegen Team Weiss. Philipp Kurashev übernimmt für Weiss als Erstes die Verantwortung und verwertet zweimal herrlich. Am Ende gehört der Berner mit seinem Team trotzdem zu den Verlierern und muss zur Strafe Liegestützen auf dem Eis machen. Wenig später sitzt er vor dem watson-Mikrofon.

Philipp Kurashev, Sie sind derzeit noch ohne Vertrag für die kommende NHL-Saison. Die naheliegende Frage lautet also: Wie laufen die Verhandlungen?
Philipp Kurashev: Da kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht viel dazu sagen. Die Verhandlungen laufen, mein Agent kümmert sich darum. Ich schaue einfach, dass ich bereit bin für das Trainingscamp in Chicago, und hoffe, dass ich demnächst unterschreiben darf.

Die Chicago Blackhawks haben sich von Alex DeBrincat und Kirby Dach getrennt. Wie haben Sie das aufgenommen?
Ich muss sagen, ich war davon ziemlich überrascht. Die beiden sind auch gute Kollegen von mir. Das ist nun mal auch Teil der NHL, es ist ein Business. Wir haben neue Trainer für diese Saison und seit vorletzter Saison ein neues Management und starten einen «Rebuild». Sie machen das so gut, wie sie es können.

Steckbrief Philipp Kurashev
Geburtsdatum: 12. Oktober 1999
Geburtsort: Davos
Grösse: 183 cm
Gewicht: 86 kg
Position: Center/Flügel
Karriere:
2012–2015: Nachwuchs SC Bern
2015–2016: Nachwuchs GCK Lions
2016–2019: Québec Remparts (QMJHL)
2019–2020: Rockford IceHogs (AHL)
2020–2021: HC Lugano (Leihe)
Seit 2020: Chicago Blackhawks (NHL)
Erfolge:
U20-WM bester Torschütze (2019), U20-WM All-Star-Team (2019), Schweizer Meister U17 (2015).

Der «Rebuild» führt zu einer komischen Situation. Das Management will, dass man möglichst nicht erfolgreich ist und dafür weit vorn draften kann. Als Spieler will man aber das absolute Gegenteil.
Ich glaube nicht, dass das Management will, dass wir möglichst keinen Erfolg haben. Es wollen alle immer in jedem Spiel gewinnen. Dafür spielst du Eishockey. Du willst Spiele gewinnen, Titel gewinnen. Ich hoffe, wir können viele Leute überraschen in dieser Saison.

Suchen wir die positiven Aspekte. Ihnen könnte nächste Saison mehr Spielzeit winken.
Möglicherweise. Ich muss einfach gut trainieren, damit ich bereit bin, sobald das Trainingscamp losgeht. So kann ich die Chancen nutzen, die sich mir bieten.

Hatten Sie schon Kontakt zum neuen Trainer?
Nein, bis jetzt nicht. Das ist aber wenig überraschend, ich habe ja auch noch keinen Vertrag.

Welche Ziele haben Sie sich persönlich für nächste Saison gesteckt?
Grundsätzlich muss es mein Ziel für die nächste Saison sein, eine grössere Rolle zu finden und ein konstanterer Spieler zu werden, damit ich nicht mehr rauf und runter geschoben werde in der Aufstellung. Das ist mein Ziel.

«Zuhause spielte ich immer nur mit Bällen und Stöcken, eigentlich nie mit anderem Spielzeug.»

Welcher Spieler hat Sie in Chicago am meisten beeindruckt?
Patrick Kane. Wir haben viele Topspieler, aber Kane und auch Jonathan Toews haben mich sehr beeindruckt. Wie sie jeden Tag vorangehen, im Training Gas geben und wie sie mit den Spielern in der Mannschaft umgehen, da konnte ich viel lernen.

Im Herbst 2021 standen die Chicago Blackhawks wegen eines Missbrauchsskandals wochenlang in den Schlagzeilen. Wie hat sich das damals auf die Mannschaft ausgewirkt?
Wir haben die Situation mit allen angesprochen. Man versucht aber einfach, sich so gut wie möglich auf das Eishockey zu konzentrieren. Logisch kriegten wir mit, was über die Organisation geschrieben und gesagt wurde. Am Ende geht es für uns Spieler um die Leistung auf dem Eis. Und da hilft es nicht, wenn wir uns auf die Dinge ausserhalb konzentrieren.

Sie stammen aus einer hockeyverrückten Familie. Gab es jemals eine andere Option als eine Karriere im Eishockey?
Nein, wirklich nicht. Ich stand mit zweieinhalb oder drei Jahren zum ersten Mal auf dem Eis. Zuhause spielte ich immer nur mit Bällen und Stöcken, eigentlich nie mit anderem Spielzeug. Ich war ständig mit meinen Eltern und meiner Schwester in den Stadien. Auch mein Onkel hat gespielt. Wir sind wirklich eine Eishockey- und Eiskunstlauf-Familie. Ich bin froh, dass ich es auch zum Hockey-Profi geschafft habe.

2014/15 haben Sie gemeinsam mit Nico Hischier in der Berner U17 dominiert.
Das war ein extrem cooles Jahr. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, wir haben in der ganzen Saison vielleicht zwei oder drei Spiele verloren. Mit Nico zu spielen macht immer extrem viel Spass. Wir haben eine gute Chemie – auf und neben dem Eis. Es war extrem lustig und der Meistertitel war dann noch die Krönung.

Ein phänomenales Duo: Philipp Kurashev und Nico Hischier in der U17 des SC Bern.
Ein phänomenales Duo: Philipp Kurashev und Nico Hischier in der U17 des SC Bern.Bild: screenshot eliteprospects.com

Ein Jahr später wurden Sie nach Zürich ausgeliehen – was war der Grund?
Mein Vater wechselte von Langnau nach Rapperswil. Von Rappi nach Bern zu pendeln wäre recht schwierig gewesen. Deshalb habe ich es in der GCK-Organisation versucht. Ich konnte viel lernen in diesem Jahr, durfte als junger Spieler bereits bei den Elite-Junioren ran. Auch dort hatten wir ein sehr gutes Team, leider verloren wir im Playoff-Final.

«Am liebsten wären damals alle in meiner Familie mit mir nach Québec gereist.»

Danach folgte der Wechsel nach Nordamerika. Sie wechselten in die kanadische Juniorenliga zu den Québec Remparts – was war dort die grösste Umstellung für Sie?
Was das Hockey angeht, war die Umstellung nicht riesig. Eine Herausforderung war die Sprache und die etwas andere Kultur. Ich hatte etwas Mühe mit dem Englischen und auch das Französisch war in Québec anders, als ich es mir gewohnt war. Nach ein paar Wochen habe ich mich aber eingewöhnt. Es war eine schöne Stadt und eine tolle Organisation. Am Ende spielst du dort einfach Eishockey und konzentrierst dich darauf.

«Entweder Oder» mit Philipp Kurashev:
Stadt Bern oder Davos?
Bern
Fondue oder Raclette?
Raclette
Ein Bier oder zwei Bier?
Ein Bier
Frühaufsteher oder Nachteule?
Nachteule
Stanley-Cup-Sieg oder WM-Titel?
Beides
Poker oder Jassen?
Jassen
Intelligenz oder Schönheit?
Beides

Ihre Mutter ist mit Ihnen nach Québec gereist.
Ja, sie hat drei Jahre mit mir dort gewohnt. Das hat mir definitiv geholfen, insbesondere am Anfang. Ich bin ein eher scheuer Mensch – wenigstens am Anfang. In einer Gastfamilie hätte die Umstellung vielleicht nicht so gut funktioniert, weil es für mich ein etwas zu grosser Schritt gewesen wäre.

Das bislang schönste Tor von Philipp Kurashev in der NHL.Video: YouTube/SPORTSNET

Würden Sie sich als Familienmenschen bezeichnen?
Auf jeden Fall. Am liebsten wären damals alle mit mir nach Québec gereist (lacht).

Sie sprechen Deutsch, Russisch, Englisch und Französisch. Wie oft mussten Sie in Ihrer Karriere schon Übersetzer spielen?
Sehr oft. Bei den Remparts hatten wir einen Russen in der Mannschaft, da habe ich jeweils für ihn übersetzt. Es kam in den letzten Jahren immer wieder vor.

Was würden Sie anderen jungen Schweizern raten, die mit 17 den Sprung nach Nordamerika wagen?
Jeder geht seinen eigenen Weg. Ich glaube, es ist wichtig, eine Entscheidung zu treffen und dann nicht zurückzuschauen.

«Das gehört als jüngerer Spieler in der NHL etwas dazu, da musst du für jede Minute Eiszeit kämpfen.»

2020 kamen Sie bei Lugano zu Ihrem Profi-Debüt in der Schweiz. Wie war es für Sie, in der National League zu spielen?
Ich kam wieder in eine grossartige Organisation. Sie haben mich super aufgenommen, obwohl ich erst kurz vor dem Saisonstart zur Mannschaft stiess. Es war cool, National League zu spielen, auch wenn es nur 13 Spiele waren. Schade, dass wir nur ein paar wenige Spiele mit Fans hatten. Die Zeit in Lugano hat mir geholfen, dass ich danach auch für das Trainingscamp und die Saison in Chicago bereit war.

2020 startete Philipp Kurashev die Saison beim HC Lugano.
2020 startete Philipp Kurashev die Saison beim HC Lugano.Bild: keystone

Nach dem Saisonstart in Lugano schafften Sie relativ überraschend den direkten Sprung in die Mannschaft der Blackhawks – waren Sie selbst auch überrascht?
Man weiss natürlich nie, wie es am Ende aufgeht. Im Jahr zuvor war ich noch zwei Monate verletzt. Ich habe einfach alles dafür gegeben, um diesen Schritt zu machen. Am Ende war es nicht überraschend, weil ich an meine eigenen Fähigkeiten glaube.

Wenn Sie Ihre ersten zwei NHL-Saisons betrachten, was fällt Ihnen auf?
Die zwei Jahre waren etwas Neues für mich. Ich hatte weniger Eiszeit und eine kleinere Rolle, als ich mir das bislang gewohnt war. Aber das gehört als jüngerer Spieler in der NHL etwas dazu, da musst du für jede Minute Eiszeit kämpfen. Daraus habe ich viel gelernt.

Gerade letzte Saison mussten Sie auch immer wieder auf der Tribüne Platz nehmen.
Sicher ist das frustrierend. Als Sportler willst du jedes Spiel spielen und dem Team helfen zu gewinnen. Aber wie gesagt gehört das etwas dazu. Du musst einfach aufpassen, dass du nicht zu negativ wirst. Die Körpersprache muss gut bleiben. Du musst in jedem Training Vollgas geben und wenn du eine Chance erhältst, dich zu beweisen, musst du zupacken.

Wir sind hier in Cham beim Prospect Camp der Nationalmannschaft. Was machen Sie als dreifacher WM-Teilnehmer hier?
Für mich ist das eine gute Trainingsmöglichkeit auf dem Eis. Wenn wir sonst auf dem Eis trainieren, sind es meist kleinere Gruppen, fünf bis sechs Spieler. Hier haben wir fast zwei Teams, man kann Matches spielen. Und es macht einfach auch Spass, hier zu sein, mit den Jungs.

Kurashev (vorne) im Prospect Camp mit Gian-Marco Wetter, Sven Leuenberger und Yannick Zehnder (hinten, von links).
Kurashev (vorne) im Prospect Camp mit Gian-Marco Wetter, Sven Leuenberger und Yannick Zehnder (hinten, von links).Bild: keystone

Was können Sie den jüngeren Kollegen hier in Cham mitgeben/beibringen?
Ich gebe einfach mein Bestes – egal ob das hier im Training oder später während der Saison ist. Wenn sich dann jemand etwas von mir abschauen will, darf er das. Ich schaue mir auch bei anderen gewisse Dinge ab.

Sie spielen seit mehr als sieben Jahren auf diversen Stufen praktisch jedes Jahr für die Schweiz. Was bedeutet es Ihnen, in der Nati aufzulaufen?
Es macht mich unglaublich stolz. Ich bin zwar Doppelbürger, aber hier in der Schweiz aufgewachsen. Es ist jedes Mal cool, das Schweizer Dress zu tragen, und macht mir auch sehr viel Spass. Schade, haben wir die Ziele noch nicht erreicht, die wir uns stecken. Trotzdem geht es in die richtige Richtung.

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