Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this Feb. 19, 2017, file photo, Gian Franco Kasper, president of the International Ski Federation, speaks during a press conference in St. Moritz, Switzerland. A group of winter sports athletes and the world’s biggest snowboard maker want the president of the International Ski Federation to resign after he spoke of

Gian Franco Kasper versucht immer noch, sich für seine fragwürdigen Aussagen zu rechtfertigen. Bild: AP/Keystone

Interview

Kasper: «Wir haben klimatische Veränderungen. Ob die anhalten, das wäre zu beweisen»

Gian Franco Kasper (75), seit 1998 FIS-Präsident, gibt am Rande der WM in Are der Nachrichtenagentur Keystone-SDA ein Interview. Aufs Gegenlesen hat der Bündner, der zuletzt mit kontroversen Aussagen für Aufsehen gesorgt hat, wie immer verzichtet.

Valentin Oetterli / keystone-sda



Gian Franco Kasper, am Mittwoch hat der FIS-Vorstand unter anderem entschieden, dass die alpine Kombination nun doch nicht abgeschafft wird. Was sind die Gründe dafür?
Es gab sehr viele Leute bei uns im Vorstand wie auch in der ganzen FIS, die der Überzeugung sind, dass wir unsere älteste Disziplin nicht einfach so aufgeben sollen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch einige Leute, die die Parallel-Events befürworten. Es war praktisch ausgeschlossen, eine Mehrheit für das eine oder das andere zu finden. Deshalb sind wir typisch schweizerisch einen Kompromiss eingegangen.

An der WM 2021 in Cortina d'Ampezzo wird es 13 statt 11 Rennen geben. Wie wird das gehen?
«Das ist vorläufig noch offen. Aber diese zwei zusätzlichen Rennen bekommen wir sicher ins Programm. Parallel-Rennen kann man problemlos auch am Abend fahren.

Wenn man die Kombination für Cortina behält, dann sollten aber auch im Weltcup in den kommenden Saisons Rennen in dieser Disziplin durchgeführt werden.
Das haben wir gleichzeitig beschlossen. Wir haben aus dem Vorstand eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die den Weltcup-Kalender überarbeiten muss - und zwar bereits den nächstjährigen. Das wird sehr schwer sein, aber es soll wieder mehr Kombinationen geben.

epa07354916 General view of the slope prior to the Men's Downhill race at the FIS Alpine Skiing World Championships in Are, Sweden, 09 February 2019. The start of the race is postponed due to fog.  EPA/VALDRIN XHEMAJ

Temperaturunterschiede von bis zu 30 Grad in einer Woche – in Are spielt das Wetter verrückt. Bild: EPA/EPA

An wie viele Kombinationen pro Winter und Geschlecht denken Sie?
Als persönlich erstrebenswert sehe ich drei oder vier. Das wäre ein gutes Ding. Aber es gibt doch einige Orte, die mehr als froh wären, wenn sie auch noch eine Kombination hätten. Die Frage ist dann, wie man das im Gesamtweltcup einbaut. Aber das ist für mich ganz klar: Wenn wir die Kombination bei Weltmeisterschaften und eventuell später auch bei Olympischen Spielen behalten, dann müssen wir auch im Weltcup einige Kombinationen durchführen.»

Was bedeutet der Entscheid des FIS-Vorstands für Olympia 2022?
Das ist noch offen und auch nicht unser Entscheid.

Künftig soll es unter dem Namen «Parallel» eine weitere alpine Disziplin geben. Was wurde in diesem Bereich entschieden?
Das ist nicht eine Angelegenheit des FIS-Vorstands, sondern des Alpin-Komitees. Bis im Frühjahr muss eine Einigung über das Format erzielt sein. Wir können nicht mit diesem Durcheinander weiterfahren. Das Alpin-Komitee hat den festen Auftrag, im Frühjahr mit einer Lösung zu kommen, die dann in der nächsten Saison zur Anwendung kommt.

epa07121307 Gian Franco Kasper, president of the International Ski Federation (FIS), attends the FIS Forum Alpinum in Soelden, Austria, 26 October 2018. The Alpine Skiing World Cup season 2018/2019 will be traditionally opened with Giant Slalom races on 27 and 28 October 2018 in Soelden.  EPA/DANIEL KOPATSCH

Seit mehr als 20 Jahren präsidiert Kasper die FIS – «etwa 2020» will er aufhören. Bild: EPA/EPA

Sie sagten, Olympia ist zu gross und zu teuer. Welche Disziplinen würden Sie denn gerne streichen?
Es geht mir nicht darum zu streichen. Es geht darum, nicht noch mehr dem Gigantismus zu verfallen und mehr und mehr Disziplinen respektive Wettkämpfe rein zu holen.

Wie gross ist die Gefahr, dass am Ende weder Stockholm noch Mailand Olympia 2026 ausrichten?
Ich würde die Frage gerne beantworten. Wenn ich es denn wüsste. Die Gefahr besteht natürlich, ist aber nicht mehr ganz so gross. Was ich gehört habe vom Premierminister und all den Politikern, die hier in Are waren, ist die Stimmung eigentlich sehr positiv. In Italien muss man die Regierung ja nicht mehr befragen. Die zwei betroffenen Provinzen haben Ja gesagt, auch zur Finanzierung. Das sollte an und für sich funktionieren. Ich bin froh, haben wir wenigstens zwei von den sieben ursprünglichen Kandidaten übrig für 2026.

Welcher der beiden Kandidaten überzeugt Sie mehr?
Schauen Sie, für uns ist es eine Luxusausgabe. Beide Orte haben sehr, sehr viel Erfahrung mit Weltcups in allen unseren Disziplinen. Was immer herauskommt, für uns ist es kein Problem.

Was hielten Sie also von einer Doppelvergabe auch im Winter?
Das wäre theoretisch sicher möglich. Doch das steht nicht zur Diskussion.

Zuletzt wurde Ihnen wieder Behäbigkeit vorgeworfen. Und dass die FIS einen Reformstau habe. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?
Das ist Ansichtssache. Wir bei der FIS waren immer so weit wie möglich reformbereit. Doch wir sind natürlich auch ein schwerfälliges Konstrukt.

epa07343588 Gian Franco Kasper, president of the International Ski Federation (FIS), waves a FIS flag on stage during the opening ceremony of the FIS Alpine Skiing World Championships in Are, Sweden, 04 February 2019.  EPA/CHRISTIAN BRUNA

Kasper schwenkt die FIS-Fahne. Bild: EPA/EPA

Sie sind gewählt bis 2022 und haben vor der Wahl gesagt, dass auch ein frühzeitiges Ende infrage kommt. Ist das zuletzt wieder aktueller geworden durch den Sturm, dem sie ausgesetzt waren?
Das hat mich nicht wirklich irritiert. Aber ich habe mir vorbehalten, dass ich etwa 2020 aufhöre. Das wäre eine Möglichkeit. Aber beschlossen habe ich noch nichts. Sonst wäre ich auch eine lahme Ente.

Werden Sie versuchen einen Wunschnachfolger zu installieren?
Jein. Es wird einige Kandidaten geben, und ich nehme an, dass unter diesen jemand ist, hinter dem ich voll und ganz stehen kann. Im Moment werde ich sicher nicht mit einem Vorschlag kommen.

Ihr Interview mit dem «Tages-Anzeiger» hat zuletzt für Wirbel gesorgt. Sie haben sich erst für das Missverständnis entschuldigt, dann der Zeitung unterstellt, dass Sie falsch zitiert wurden ...
... falsch zitiert ist falsch gesagt. Man hat meine Aussagen verändert oder herausgenommen. Ich kann immer nur wiederholen: Selbstverständlich glaube ich an die Klimaveränderung. Das sind Fakten, die müssen wir gar nicht diskutieren. Aber ich glaube nicht daran, und da wehre ich mich dagegen, dass das heisst, dass der Schneesport vorbei ist und wir in zehn oder zwanzig Jahren keinen Schnee mehr haben. Im Moment haben wir sicher klimatische Veränderungen, aber ob die anhalten oder nicht, das wäre zu beweisen.

» Hier geht's zum Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

Auch Ihre Aussage über Olympia in Diktaturen hat für Aufregung gesorgt. Was gilt da jetzt?
Wenn Sie mich fragen, wo ist es leichter, ein neues Skigebiet zu bauen: In der Diktatur oder einer normalen Demokratie, dann muss ich sagen: In einer Diktatur. Aber wir haben mit den Diktaturen praktisch nichts zu tun. Wir sind in demokratischen Ländern und müssen uns mit den Gegebenheiten auseinandersetzen. Was heisst schon Diktatur? Ein Dorfkönig kann das auch sein, der das alles erleichtert. Das kann viel einfacher sein, als über hundert Gremien zu gehen. Aber das hat nichts mit Diktaturen im eigentlichen Sinn zu tun.

Zum Schluss: Wie zufrieden sind sie mit der WM hier in Are?
Bis jetzt haben wir Glück gehabt, wir haben keine Aussenseitersiege gehabt ...

... wäre das denn Pech, wenn es Aussenseitersiege gibt?
Jein. Aussenseitersiege, wenn es mehrere sind, sind schlechte Beispiele für die Fairness des Rennens. Es kommen viele Leute infrage, aber wenn ein Mexikaner die Abfahrt gewänne, würde ich sagen, das ist nicht die beste Werbung für den Skisport. Aber wir sind draussen und müssen mit dem Wetter zurecht kommen. Eine zu hundert Prozent faire Weltmeisterschaft gibt es ganz einfach nicht. Das ist nicht möglich. Sonst wären wir in der Halle oder im Labor.

Diese 29 Plakate zu bedrohten Tierarten zwingen dich hinzuschauen

Unvergessene Ski-Geschichten

Der Ski-Salto wird zu Didier Cuches Markenzeichen: «Die Fans glaubten, das war geplant …»

Link zum Artikel

Eine TV-Drohne kracht um ein Haar auf Marcel Hirscher

Link zum Artikel

Verrückteste Abfahrt aller Zeiten: Markus Foser macht sich mit der Nummer 66 unsterblich

Link zum Artikel

Weil Hermann Maier falsch jubelt, erbt Mike von Grünigen den Sieg

Link zum Artikel

06.03.1994: Heidi Zeller-Bähler stürzt sich aus dem Starthaus, wie vor und nach ihr nie mehr eine Skifahrerin

Link zum Artikel

06.02.1989: Eine deutsche Eintagsfliege vereitelt in Vail einen Schweizer Vierfach-Triumph und wird Abfahrts-Weltmeister

Link zum Artikel

Heinzers Bindung bricht – was für eine Blamage für den Olympia-Favoriten

Link zum Artikel

31.01.1987: So wie in Crans-Montana haben wir die Österreicher nie mehr paniert

Link zum Artikel

23.01.1994: Vreni Schneider steht noch nicht für den Kafi am Pistenrand, sondern ist der Evergreen im Stangenwald

Link zum Artikel

19.01.2013: Nie rast einer schneller über eine Weltcup-Piste als Johan Clarey am Lauberhorn

Link zum Artikel

18.01.1987: Pirmin Zurbriggen kommt zum billigsten Weltcupsieg – er ist der einzige Starter

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

«Die Wirtschaft geht am Virus kaputt und nicht an den Schliessungen»

Grünen-Präsident Balthasar Glättli fordert einen kurzen Lockdown, verbunden mit Investitionen in einen grünen Umbau der Wirtschaft. Im Interview spricht er über die Folgen des «Grünrutschs» vor einem Jahr und die Kritik des Klimastreiks an seiner Partei.

Die Grünen waren die grossen Sieger der Wahlen 2019. Wie sieht es ein Jahr danach aus, hat dieser «Grünrutsch» konkrete Veränderungen ausgelöst?Balthasar Glättli: Wir haben stark zugelegt, aber immer noch keine Mehrheit. Das hat man schon gespürt. Auf der anderen Seite haben wir in verschiedenen Bereichen eine neue Dynamik, nicht nur beim Umweltschutz. Wer hätte sich vorstellen können, dass Sibel Arslan mit dem Stimmrechtsalter 16 im Nationalrat durchkommt? Wir sind mit diesem Anliegen …

Artikel lesen
Link zum Artikel