DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Seit 2014 sind Fussballer Dennis Aogo und Ina ein Paar.
Seit 2014 sind Fussballer Dennis Aogo und Ina ein Paar.
Bild: instagram.com/inaaogo
Interview

«Als Spielerfrau kann ich gar nichts richtig machen» – Ina Aogo über Rollenklischees

Ein Gespräch über das erfolgreiche Erfüllen von Klischees, das Instagram-Profil ihrer dreijährigen Tochter und veraltete Rollenbilder.
30.11.2019, 10:14
Katharina Reckers / watson.de

Ina Aogo ist Spielerfrau. Eine abwertende Bezeichnung, die die meisten Partnerinnen an der Seite von Profifussballern nicht mehr hören können. Ina hat allerdings kein Problem damit: «Ich bin gerne Spielerfrau, mir macht es nichts aus, die Klischees zu erfüllen.»

Ob der knallrosa Kindergeburtstag ihrer Tochter Payten Rose, das tägliche Fitnessprogramm oder intensive Shoppingtouren – Ina lädt ihr Leben an der Seite des ehemaligen Nationalspielers Dennis Aogo bei Instagram hoch, präsentiert sich in ihrer eigenen Doku bei der «Bild»-Zeitung und erzählt private Geschichten in dem Podcast «Spielerfrauen on air».

Und das kommt gut an: Mit mehr als 100'000 Followern ist sie eine handfeste Grösse unter den deutschen Influencern und mittlerweile mehr als nur die schöne Frau an der Seite eines Fussballprofis. Obwohl ihr das eigentlich schon reichen würde, wie sie watson in einem Berliner Luxushotel erzählt.

Dein Mann spielte bis zum Ende der Saison 2018/19 noch beim VfB Stuttgart. Nach dem Abstieg wurde sein Vertrag nicht verlängert, er stand plötzlich ohne Verein da. War das auch für dich eine schwere Zeit?
Ina Aogo: Ehrlich gesagt ist mir der Abschied aus Stuttgart überhaupt nicht schwer gefallen. Die Fans werden das nicht gerne hören, aber jetzt darf ich es ja sagen: Ich mag Stuttgart nicht. Ich habe mich in der Stadt nie wohlgefühlt, es war nichts los und es gab keine tollen Events.

«Die meisten sehen mich als Spielerfrau, die im Luxus lebt. Aber das ist ehrlich gesagt vollkommen okay für mich.»

Trotzdem war auch deine Zukunft von heute auf morgen vollkommen ungewiss.
Ja, die Phase ohne Verein ist immer hart. Vor allem mein Mann hat darunter gelitten – bevor das Angebot von Hannover 96 kam, ist er jeden Morgen um 7 Uhr aufgestanden, um zu kicken, weil er es so vermisst hat. Nachdem er dann den Vertrag in Hannover unterschrieben hatte, sind wir nach Berlin in unser gemeinsames Haus gezogen, und Dennis pendelt nun zwischen Berlin und Hannover. Dass er wieder spielen kann, ist unglaublich wichtig. Man muss sich einfach gebraucht fühlen, um glücklich zu sein. Da hilft sonst auch das Geld auf dem Konto nicht.

Bist du glücklich?
Ja, denn ich werde gebraucht. Ich stütze die Familie, bin Mutter und mache das gerne und gut. Natürlich sehen mich die meisten in erster Linie als Spielerfrau, die im Luxus lebt. Aber das ist ehrlich gesagt vollkommen okay für mich. Durch meine Reichweite auf Instagram verdiene mittlerweile sogar ich Geld – die Geschenke unterm Weihnachtsbaum für Dennis habe ich selber bezahlt.

Ist ihm das wichtig?
Nein, im Gegenteil, wenn es nach ihm gehen würde, dann sollte ich überhaupt kein eigenes Geld verdienen, sondern nur für unsere Tochter und für ihn da sein. Für mich ist es aber einfach ein schönes Gefühl, auch eigene Finanzen zu stemmen. Im Grunde favorisieren wir trotzdem beide das Leben in den klischeehaften Rollenbildern – der Mann bringt das Geld nach Hause und ich schmeisse den Haushalt und die Erziehung. Das ist unser Ideal.

«Ich habe nie leidenschaftlich gerne gearbeitet.»

Kannst du es nachvollziehen, wenn ihr für dieses Leben kritisiert werdet?
Ganz ehrlich: In meiner öffentlichen Position als Spielerfrau kann ich doch gar nichts richtig machen. Wenn ich sage, dass ich komplett eigenständig bin, wird mir ein Strick daraus gedreht, und wenn ich sage, dass ich auf die Kosten meines Mannes lebe, meldet sich mit Sicherheit auch irgendjemand zu Wort. Wir haben uns beide dafür entschieden, dass ich zuhause bleibe, um mich um Payten und unser Leben zu kümmern. Ich habe nie leidenschaftlich gerne gearbeitet, für mich ist das also eine tolle Position und für Dennis auch. Ich finde es schade, dass genau das von der Gesellschaft immer so negativ gesehen wird und die Politik das klassische Familienbild kaputtmacht.

Die beiden harmonieren – nicht nur beim Thema Rollenverteilung.
bild: instagram/inaaogo

Wie meinst du das?
Es ist vollkommen normal geworden, dass man sein Kind nach zehn Monaten in die Kita gibt und als Frau wieder arbeiten geht. Das kann doch nicht gut für die Entwicklung des Kindes sein. Kinder brauchen Liebe und Aufmerksamkeit. Payten ist gerade drei Jahre alt geworden und geht jetzt erst in den Kindergarten.

Allerdings kann es sich nicht jede Familie leisten, dass ein Elternteil so lange zuhause bleibt.
Nein, natürlich nicht! Das ist Luxus, den wir uns glücklicherweise erlauben können. Aber jeder sollte sich, nach seinen eigenen finanziellen Möglichkeiten, so viel Zeit für das eigene Kind nehmen wie möglich und alles andere in den Hintergrund rücken lassen.

«Heutzutage gibt es nicht mehr viele Familien, die so zusammenhalten wie unsere.»

Du hast über 100'000 Instagram-Follower, darunter viele junge Mädchen. Hast du auch eine Vorbildfunktion?
Na klar, ich bin für viele Menschen ein Vorbild, das kommt ganz automatisch mit der Reichweite. Das ist auch einer der Gründe, warum ich meine Tochter Payten öffentlich zeige und sie schon einen eigenen Instagram-Account hat.

Den Zusammenhang verstehe ich nicht.
Heutzutage gibt es nicht mehr viele Familien, die so zusammenhalten und so funktionieren, wie unsere es tut. Deswegen zeige ich unser Leben so ausführlich wie möglich und rücke auch Payten in den Vordergrund – es ist etwas Wertvolles, Mutter zu sein, es ist wundervoll, ein Kind zu haben, der Grund warum wir überhaupt auf der Welt sind, sind Kinder. Warum sollte ich meine Tochter dann verstecken?

Um sie und ihre Privatsphäre zu schützen, zum Beispiel.
Die Frage ist, wovor sie geschützt werden soll – ihr kann genau wie jedem anderen Kind auch auf der Strasse oder im Freibad etwas Böses passieren. Wenn ich Payten zeige, dann entscheide ich selber, was ich zeige, wie ich sie inszeniere und wie viel ich preisgebe. Und genau da sehe ich auch meine Vorbildfunktion: Ich will jungen Menschen verbildlichen, dass es schön ist, eine Familie zu haben und Mama zu sein und dass nicht jeder zwingend Karriere machen muss, um glücklich zu werden.

Mitspracherecht hat sie mit drei Jahren aber trotzdem noch nicht. Machst du dir Gedanken darüber, was das öffentliche Aufwachsen eurer Tochter Konsequenzen für sie haben könnte?
Payten liebt die Kamera, es ist fast ein bisschen so, als wäre sie dafür gemacht. Natürlich sieht sie das Posieren auch bei mir und guckt sich das ab, sie ist da einfach irgendwie reingewachsen. Würde sie allerdings auf einmal nicht mehr fotografiert werden wollen, würde ich damit sofort aufhören.

Und auch die vorhandenen Fotos löschen?
Ja. Aber ich weiss nicht, was an den Fotos, die ich hochgeladen habe, schlimm sein soll. Nackt oder auf dem Töpfchen würde ich Payten zum Beispiel niemals veröffentlichen. Natürlich kenne ich die Argumentationen gegen das öffentliche Darstellen von Kindern im Internet und auch die Kampagne namens «#DeinKindAuchNicht» ist mir geläufig. Witzig finde ich allerdings, dass Wilson Gonzalez Ochsenknecht bei dieser Kampagne mitwirkt.

Warum?
Er ist doch nur berühmt, weil er bereits als Kind von seinen ebenfalls berühmten Eltern vor die Kamera gezogen wurde. Genau davon profitiert und lebt er heute. Bei der Kampagne mitzuwirken, ist doch in seinem Fall ein seltsamer Widerspruch. Ich sehe das folgendermassen: Kinder, die zum Beispiel in einer Ärzte-Familie geboren werden, entwickeln sich oftmals ebenfalls in die medizinische Richtung, müssen sich ständig in den Mund gucken lassen oder werden anderweitig untersucht. Jeder wird in ein Leben hineingeboren und dementsprechend auch geprägt. Ich bin wahnsinnig stolz auf unsere Tochter, sie gehört zu uns und ich bin nicht bereit, sie zu verstecken.

«Spontan fallen mir nur Cathy Hummels und Ann-Kathrin Götze ein. So interessant sind wir Spielerfrauen eben auch nicht.»

2014 hast du Dennis kennengelernt, damals hast du noch als Visagistin gearbeitet. Seitdem hat sich dein Leben vollkommen verändert: Du hast deinen Job aufgegeben, bist Mutter geworden und stehst heute in der Öffentlichkeit. Hat es dich Überwindung gekostet, diesen Schritt zu gehen?
Nein, kein bisschen. Wenn man wirklich verliebt ist, dann ist alles andere egal. Ausserdem bringt das Leben an Dennis' Seite nun wirklich auch viele Vorteile mit sich, da muss ich nicht lügen. Allerdings erreichen mich sehr oft anonyme Nachrichten auf Instagram von Mädels, die einen Fussballer daten und nicht wissen, wie sie mit dem Druck umgehen sollen.

Mit welchem Druck?
Weiss ich auch nicht so genau. Dem vermeintlichen Druck, dem man als Spielerfrau ausgesetzt ist, kann man ehrlich gesagt ganz gut ausweichen – überleg doch mal, wie viele Tausende Spielerfrauen es da draussen gibt und wie wenige von ihnen bekannt sind. Spontan fallen mir auch nur Cathy Hummels und Ann-Kathrin Götze ein. So interessant sind wir eben auch nicht.

Und was rätst du den Mädchen, die dich anschreiben?
Ich habe da keinen allgemeingültigen Rat. Entweder man mag den Mann und lässt sich auf ein gemeinsames Leben ein oder eben nicht. Dann soll man es doch lassen.

Gerade in den vergangenen Monaten ist deine Bekanntheit immens gestiegen – du bist Teil des recht erfolgreichen Podcast «Spielerfrauen on air» und es gibt sogar eine Doku über dich. Wie viel Kunstfigur steckt denn in deinem öffentlichen Auftreten?
Bis vor Kurzem habe ich mir darüber noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Allerdings fühle ich mich manchmal, als würde ich eine Rolle spielen. Andererseits fällt es mir generell schwer, mich zu verstellen oder zu lügen – im Endeffekt bin ich immer mehr ich selbst als eine aufgedrückte Rolle.

Erfährst du viel Hass auf deinen öffentlichen Profilen?
Allerdings. Diejenigen, die mir unreflektierte Hassnachrichten schreiben, blocke ich allerdings meistens sofort. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie lang diese Liste mittlerweile ist.

Treffen dich solche Kommentare und Nachrichten trotzdem manchmal?
Nein, sowas lasse ich gar nicht mehr an mich heran, ich bin mittlerweile 30 Jahre alt und merke, dass mich sowas immer weniger berührt. Menschen, die es nötig haben, auf Instagram solche Nachrichten zu verfassen, können einem doch einfach nur leid tun. Normale Kritik, wie «Das gefällt mir nicht» oder «Früher sahst du besser aus» lasse ich jedoch stehen – das gehört dazu, wenn man Teil der Öffentlichkeit ist.

Ist es dir egal, was andere Menschen über dich denken?
Nein, natürlich nicht. Das ist doch niemandem egal. Wir Menschen sind so, dass wir immer jedem gefallen wollen. Ich bekomme vielleicht tausend tolle Kommentare an einem Tag und einen schlechten. Abends liege ich dann im Bett und denke an den schlechten Kommentar. Ich glaube, dieses Zweifeln ist sehr menschlich, darf allerdings niemals überhand nehmen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die Stadien der besten Fussball-Klubs Europas

1 / 18
Die Stadien der besten Fussball-Klubs Europas
quelle: ap / emilio morenatti
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Vor dem Insta-Fame kam die «Nahtod-Erfahrung»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Viel zu lange mussten Sie um Anerkennung kämpfen – ein offener Brief an Vladimir Petkovic

Der Trainer der Schweizer Nati steht vor einem Wechsel in die Ligue 1 in Frankreich. Nach sieben Jahren geht er beim SFV von Bord. Zeit für einen offenen Brief an den Mann, der die Schweiz sieben Jahre lang betreut und in den EM-Viertelfinal geführt hat.

Sehr geehrter Vladimir Petkovic,

Als Sie vor gut zwei Wochen aus St.Petersburg zurück nach Zürich reisten, sind die Schweizer Nati-Fans am Flughafen Kloten gestanden, haben gejubelt, um Autogramme und Selfies gebeten. Menschen haben sich umarmt, gelacht, waren euphorisch, so wie in den Tagen zuvor schon. Alles dank den Auftritten Ihrer Fussballer an dieser EM. Als Chef der Nati haben Sie die Schweiz mitgenommen auf eine besondere Reise. Die Bilder dieser Gesichter voller Emotionen sind …

Artikel lesen
Link zum Artikel