3x FCB mit Lichtsteiner, 3 Pleiten – «Hypothetisch, ob wir mit Magnin gewonnen hätten»
Der FC Basel verliert auch das dritte wichtige Spiel unter Stephan Lichtsteiner. Hat sich der Trainerwechsel gelohnt?
Daniel Stucki: Ich bin kein Fan von kurzfristigen Analysen. Deshalb kann man es noch nicht beurteilen, ob sich der Trainerwechsel gelohnt hat oder nicht. Es waren drei Endspiele mit jeweils zwei Tagen Vorbereitungszeit. Wir dachten, dass der Trainerwechsel positive Auswirkungen haben würde, obwohl man taktisch in so kurzer Zeit nicht viel machen kann. Das ist nicht eingetroffen. Wir haben aber viel mehr vor mit Stephan Lichtsteiner als nur diese drei Spiele.
Mit Ludovic Magnin hätten die drei Spiele aber nicht schlechter herauskommen können, oder?
Das ist richtig. Es ist aber hypothetisch, ob wir mit Magnin gewonnen oder verloren hätten. Hätten wir die Entscheidung nicht gemacht und dann ebenfalls dreimal verloren, hätte man uns gefragt, weshalb wir den Trainer nicht vorher gewechselt haben. Wir haben es gut analysiert, stehen hinter dem Entscheid und schauen vorwärts.
Der FC Basel hat nun innert weniger Tage alle Saisonziele verspielt.
Das sehe ich nicht so. Es sind in der Liga 13 Punkte Rückstand, natürlich ist das eine riesige Hypothek. Wir müssen aber Spiel für Spiel nehmen und aus der negativen Spirale herausfinden. Daran arbeiten wir täglich. In der vergangenen Saison haben wir Unglaubliches geschafft, jetzt erleben wir eine schwierige Phase. Da müssen wir alle zusammen hart weiterarbeiten.
Mit Leistungen wie gegen St.Gallen in der ersten Halbzeit scheint eine Aufholjagd in der Liga wenig wahrscheinlich. Sind das nicht einfach Durchhalteparolen?
Es ist eine Momentaufnahme. Es sind in der Meisterschaft noch viele Punkte zu holen. Wenn wir so spielen wie momentan, wird es schwierig. Aber wir versuchen, so schnell wie möglich den negativen Trend zu durchbrechen und positive Resultate zu erzielen.
Wie gross ist die Enttäuschung bei Ihnen?
Sie ist sehr gross. Es ist extrem bitter, die Saisonziele nicht zu erreichen. Vor allem, weil wir alle das Beste geben. Aber ich bin ein positiver Mensch und gebe alles für den FC Basel. Wir machen das auch in schwierigen Zeiten, nicht nur, wenn es gut läuft. Im Moment sind wir in einer schwierigen Zeit.
Hat der FC Basel nicht schlicht ein Qualitätsproblem?
Wir konnten im Sommer praktisch das ganze Kader zusammenhalten und hatten mit Kevin Carlos, Anton Kade und Leon Avdullahu nur wenige Abgänge. Mit Bénie Traoré, Philip Otele und Albian Ajeti konnten wir wichtige Spiele halten. Die Mannschaft haben wir eher verstärkt, zum Beispiel mit Keigo Tsunemoto. Jetzt haben wir mit Otele und Jonas Adjetey Transfers zu einem unglücklichen Zeitpunkt gemacht. Otele hatten wir aber schon zuvor mit Julien Duranville ersetzt, da machen wir uns schon entsprechende Gedanken. Das Kader hat kein Qualitätsproblem. Aber wir performen einfach nicht auf dem gleichen Niveau wie in der vergangenen Saison.
Wo sehen Sie sportlich die grössten Probleme aktuell?
Da gibt es einige.
Können Sie einen Hauptpunkt hervorheben?
Wir haben eigentlich ein gutes Kader, aber sehr viele Spieler agieren aktuell nicht auf ihrem Niveau. Die Resultatkrise führt dazu, dass wir wenig Selbstvertrauen haben. Wir wollen die Bälle im Zentrum nicht mehr so, wie noch im August gegen Kopenhagen, als wir durchs Zentrum und am Ball sehr stabil waren. Da müssen wir wieder hin. Aber vor allem muss jeder Spieler an sich arbeiten, damit wir wieder auf das Niveau der vergangenen Rückrunde kommen.
Der Transfer von Adjetey war ein Entscheid des Verwaltungsrats. Wie sehen Sie das?
Wir verstehen den strategischen Entscheid, aber sportlich war es schwierig. Aber das gibt es. Das gehört zu unserer Strategie dazu und dementsprechend müssen wir vorbereitet sein und das Kader dann nachbereiten. Das ist unser Job.
Gibt es einen Ersatz in der Innenverteidigung?
Ja, da sind wir dran.
Was macht Sie zuversichtlich, dass der FCB in der Liga noch 13 Punkte aufholt?
Im Moment ist es etwas schwierig, zuversichtlich zu sein. Ich bin schon positiv, aber es wäre vermessen, weiter vom Meistertitel zu reden. Ich möchte von Spiel zu Spiel schauen und eine Entwicklung sehen. Wir wollen wieder punkten und dann schauen wir am Schluss, wo wir landen.
Der FCB plant langfristig mit Stephan Lichtsteiner. Ist das jetzt auch eine Option, bereits etwas langfristiger zu planen, was Transfers betrifft?
Das ist klar. Dass wir aus zwei Wettbewerben ausgeschieden sind, beeinflusst das Transfergeschäft. Da macht es vielleicht mehr Sinn, Transfers zu tätigen, die längerfristig etwas bringen und uns auch in der nächsten Saison helfen.
