DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05575471 Switzerland's players celebrate with supporters after winning the FIFA World Cup 2018 group B qualification soccer match between Hungary and Switzerland at the Groupama Arena in Budapest, Hungary, 07 October 2016.  EPA/GEORGIOS KEFALAS

Die Schweizer Nati hat mich gestern begeistert. Bild: EPA/KEYSTONE

Kommentar

Wie das Schweizer Nati-Spektakel ein Zündholz in mir entfachte

Die Schweizer Nati und ich – es war bis jetzt keine grosse Liebe. Der spektakuläre Sieg gestern sorgt jetzt zumindest für ein kleines Feuer. Oder ist da gar noch mehr? Es könnte der Anfang einer Freundschaft werden. 



Gestern, 20.40 Uhr, ich sitze mit einem Freund in einem Pub in Alpnach. Auf der Grossleinwand läuft das Spiel der Schweizer Nati gegen Ungarn. Mit uns interessieren sich noch vier andere Personen für den Match. Vor dem Spiel sagt mein Kollege noch zu mir: «Ohne Xhaka im Mittelfeld wird es wohl schwierig. Ungarn ist eine gute Mannschaft.» Ich stimme ihm zu, dann geht's los ...  

Mein Tipp vor dem Spiel ist immerhin ein wenig optimistisch

Bild

Der Tickerer nimmt mich irgendwie nicht richtig ernst ... ;) watson.ch

... 45 Minuten später erwache ich aus meiner fast schon gewohnten Nati-Lethargie: «Wender no öbis z'trinke?» fragt der Barkeeper. Ich überlege kurz und bestelle mir ein koffeinhaltiges Getränk, damit ich die zweite Halbzeit nicht total verschlafe. 

Noch bevor die Akteure in Budapest wieder auf dem Feld stehen, frage ich: «Hast du eigentlich schon mal so ein wirklich spektakuläres Spiel der Schweizer Nati gesehen?» «Kann mich grad nicht erinnern, aber ich habe auch das Spiel gegen Portugal nicht gesehen», ist seine Antwort. Ok, gegen Portugal hat die Nati schon angedeutet, dass sie mich begeistern kann. Aber wahrscheinlich war das nur ein Strohfeuer und gegen Ungarn folgt die Ernüchterung, dachte ich.

Die watson-User waren zuversichtlicher

Bild

Ihr habt recht behalten ... watson.ch

Dann beginnt die zweite Halbzeit. Wir bekommen noch knapp zehn Minuten Vorbereitungszeit auf das, was dann passiert. Shaqiri drischt den Ball aus guter Position direkt auf den Torwart. «NEIIIII!». Aber Seferovic trifft nach dem Abpraller ins Netz. «JAAAA!». Der viel kritisierte Stürmer macht also sein Tor, er kann es noch.

Football Soccer - Hungary v Switzerland - World Cup 2018 Qualifier -  Groupama Arena, Budapest, Hungary - 07/10/16  Switzerland's Haris Seferovic celebrates scoring a goal with Xherdan Shaquiri . REUTERS/Laszlo Balogh

Die Emotionen müssen raus. Bild: LASZLO BALOGH/REUTERS

So, das war's dann. Wieder ein Nati-Spiel mehr hinter mir, aber immerhin 1:0 gewonnen. Ich drehe mich um, und schaue, ob im Raucherabteil auch jemand jubelt. Naja, nicht wirklich, doch auf dem kleinen Screen hinter der Bar sehe ich plötzlich, wie Ungarn den Ausgleich feiert. Nach dem ersten kurzen Frust sage ich: «Das kann halt mal passieren. Konzentration nach einem Torerfolg und soo ...» 

Hast du auch schon mal direkt nach einem Tor ein Gegentor bekommen?

Also ich schon mehrmals ... watson.ch

15 Minuten später wiederholt sich dieses Prozedere auf dem Rasen und es steht innert wenigen Minuten plötzlich 2:2. Der Frust ist etwas intensiver. Kurze Zeit später weicht der Ärger einer gewissen Ironie und Gleichgültigkeit: «Ein Punkt auswärts in Ungarn ist doch auch gut. Da wird mir Alain Sutter nach dem Spiel sicher zustimmen.» 

Ich so, nach dem 2:2

Bild

Ich meinte natürlich Valentin Stocker und mit «Kurz» meinte ich kurz nach seiner Einwechslung. ;) watson.ch

Die letzten Minuten des Spiels laufen, mein Getränk ist inzwischen leer. Valentin Stocker wird noch eingewechselt und es folgt der Gänsehaut-Moment: Einwurf Lichtsteiner – Derdiyok mit dem Kopf – Dzemaili mit dem Kopf – Stocker schiesst – TOR! Meine Jubelschreie hallen durch das Pub. Unfassbar! 

Ein Moment für die Ewigkeit

Es war diese zweite Halbzeit und dieser letzte Moment, der die Beziehung zwischen der Schweizer Nati und mir verändert hat. Trainer Vladimir Petkovic – dem ich bis jetzt nie wirklich viel Kredit gegeben habe – jubelt ausgelassen, zeigt seine Freude und Genugtuung. Es war längst nicht alles perfekt, aber es hat mich mitgerissen.

Die Noten der Schweizer nach dem Spiel gegen Ungarn

Ich bin von der aktuellen WM-Quali der Schweizer begeistert. Es geht nicht nur um die Stars wie Granit Xhaka oder Xherdan Shaqiri. Es geht um die Einheit, um die Schweiz. Sturmtalent Embolo trifft gegen Portugal, dass ohne ihren Starspieler Ronaldo keine Chance hat gegen die Schweiz. Gestern erhält auch der junge Verteidiger Nico Elvedi seine Chance – solide Leistung. Valon Behrami ackert mit seinen 31 Jahren gewohnt leidenschaftlich und Stephan Lichtsteiner führt das Team, trotz seiner schwierigen Situation im Verein, vorbildlich als Captain an. Zum Schluss wird noch Valentin Stocker zum goldenen Torschützen – sensationell!

Liebe Schweizer Nati, das Zündholz ist angezündet. Lieferst du die Bestätigung gegen Andorra, die Färöer Inseln und Lettland, so kann daraus sogar ein Feuer werden. 

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

Link zum Artikel

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link zum Artikel

Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Link zum Artikel

Elf kleine Schweizer liegen 0:2 zurück und sorgen dann für Begeisterung in der Heimat

Link zum Artikel

Im Heysel-Stadion werden 39 Menschen zu Tode getrampelt

Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel

Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

Link zum Artikel

Die «Nacht von Sheffield» – Köbi Kuhn sorgt für den grössten Skandal der Nati-Geschichte

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

YB-Fans zünden Feuerwerk in Bern – so schön (und coronakonform) kann Meisterfeier sein

Mit einem 3:0-Heimsieg gegen Lugano war offiziell, was längst nur noch Formsache war: Die Young Boys gewinnen zum 15. Mal den Schweizer Meistertitel – zum vierten Mal in Serie. Da coronabedingt keine grosse Feier möglich ist, haben sich die YB-Fans etwas Spezielles einfallen lassen.

Pünktlich um 22 Uhr wurde in der ganzen Stadt Bern Feuerwerk gezündet. Die koordinierte Aktion wurde von der Fangruppierung «Ostkurve Bern» in einem eindrücklichen Video festgehalten.

(zap)

Artikel lesen
Link zum Artikel