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Darum ist diese WM in Katar ein willkommener Unterbruch vom Bullshit

Poland's Karol Swiderski, right, challenges Argentina's Rodrigo De Paul during the World Cup group C soccer match between Poland and Argentina at the Stadium 974 in Doha, Qatar, Wednesday, N ...
De Paul gegen Swiderski: einfach nur Fussball.Bild: keystone
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Diese Vorrunde war genau, was ich jetzt brauchte

02.12.2022, 11:2302.12.2022, 13:05

De Paul reisst am rechten Flügel den Arm hoch. Der Argentinier von Atlético verlangt nach einer Spielverlagerung. Stattdessen erhält Messi im zentralen Mittelfeld das Zuspiel. Demütig nimmt De Paul seine Hand runter. Er weiss, dass er den Fussballgott nicht zu lehren braucht. Er weiss, dass er den Ball erhält, sollte er die beste aller Anspieloptionen sein. Die Szene ist von entblössender Ehrlichkeit.

In diesem Moment spielt keine Rolle, wo dieses Spiel gerade stattfindet, unter welchen Umständen die Weltmeisterschaften vergeben wurden. Es spielen einfach nur 22 Menschen Fussball. Sämtliche Nebengeräusche, die dieses wunderbare Spiel immer penetranter begleiten, sind verblasst. Endlich. Und nicht nur die.

Wir erleben aktuell eine fast unerträgliche Bullshit-Phase. Jeder noch so hanebüchene Schwachsinn, jede Spinnerei, jede Furzidee wird unreflektiert per Megafon ins Weltpublikum geblasen. Sei es von morbiden russischen Propagandaclowns, von amerikanischen Big-Lie-Verschwörern, von Möchtegern-Unternehmer-Wunderkindern, von Klimawandelleugnern, notorischen Opportunisten, Empörungsjunkies, gelangweilten Milliardären oder vom Fifa-Präsidenten himself. Im Kampf um Aufmerksamkeit hat Lautstärke Inhalt, Qualität und Glaubwürdigkeit längst in den Senkel gestellt. Die Luft ist geschwängert vom Mief der Manipulation.

Als Durchschnittshobel schaut man dieser Tollwut mit einer Mischung aus Erstaunen und Orientierungslosigkeit zu. Angesprochen fühlt man sich nicht. Zielgruppe der Hysterie scheinen immer die anderen zu sein. Doch unter welchen Lärmdecken verstecken sich denn die Stimmen der Vernunft? Die Angebote für Normalos? Wo sind die No-Bullshit-Zonen, um sich vom Trommelfeuer des täglichen Wahnsinns zu erholen?

Rechtsaussen erhält De Paul tatsächlich den Ball und verrennt sich prompt in den polnischen Abwehrreihen. Mac Allister massregelt ihn mit rotem Kopf. Die Zeit drängt. Echte Emotionen, echte Verzweiflung. Mit dem Anpfiff fällt die Fassade, jetzt gilt es ernst, kein PR-Geschwafel, keine grossmundigen Ankündigungen können die Realität auf dem Platz noch verzerren. Die Wahrheit steht unwiderruflich an der Anzeigetafel und unten auf dem Platz zählt nur noch Cleverness, Technik, Kampfgeist und Qualität, 90 Minuten lang, jeden Tag viermal. Es ist so schön. Es ist so rein.

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