Warum Kritik an Cadieux oder Panik vor der Heim-WM nicht angebracht ist
Die letzte Woche war für das Schweizer Eishockey-Nationalteam keine einfache. Eine 1:8-Klatsche gegen Schweden sorgte für schlechte Stimmung. Zwei Tage später lag man auch gegen Finnland mit 0:5 zurück, konnte aber mit drei Toren in Serie noch eine Reaktion zeigen. Der Abschluss am Sonntag war mit dem 1:0-Sieg nach Penaltyschiessen wenigstens einigermassen versöhnlich.
Die Nati hat überhaupt schwierige Wochen hinter sich. Am Anfang steht der Skandal um Patrick Fischer. Dem langjährigen Nationaltrainer flog eine Verurteilung wegen Urkundenfälschung um die Ohren, weil er 2022 mit einem gefälschten Covid-Zertifikat an die Olympischen Spiele in Peking gereist war. Falschaussagen Fischers, schlechte Kommunikation des Schweizer Eishockeyverbands und drohende Konsequenzen von internationalen Gremien (IIHF und IOC) hatten zur Folge, dass man sich vom 50-jährigen Zuger trennte.
Jan Cadieux, für die in zwei Wochen beginnende Heim-WM als Fischers Assistent und danach als sein designierter Nachfolger vorgesehen, wurde ins kalte Wasser geworfen. Unerwartet musste er die Nati Knall auf Fall übernehmen. Und insbesondere nach der Pleite gegen Schweden prasselte – unfaire – Kritik auf den 46-Jährigen ein.
Fischer-Verteidiger witterten natürlich sofort die Chance, Panik zu schüren. Man müsse den geschassten Coach sofort zurückholen, ansonsten werde die Heim-WM in einem Debakel enden. Diese Stimmen entlarven sich als Polemiker ohne grosses Hockey-Wissen. An der 1:8-Klatsche gegen Schweden lässt sich nichts schönreden – es war von A bis Z ein schwacher Auftritt. Das hat aber wenig mit Jan Cadieux zu tun. Solche Spiele zeigte die Hockey-Nati auch unter Patrick Fischer: zuletzt im letzten November, als die Schweiz ebenfalls gegen Schweden mit 3:8 unterging und dann auch noch Tschechien mit 0:4 unterlag.
2024 verlor die Nati unter Fischer elf von zwölf Spielen auf der Euro Hockey Tour. Dass die Schweiz gegen die Top-Nationen Schweden, Finnland und Tschechien ohne NHL-Verstärkung ihre liebe Mühe hat, ist nicht neu. Panik ist darum auch so kurz vor der Heim-WM nicht angebracht.
Einerseits hat sich die Mannschaft mit jedem Spiel der vergangenen Woche gesteigert. Und andererseits gibt es ja gute Nachrichten: Ab nächster Woche sollte weitere NHL-Verstärkung zum Team stossen. Neben Pius Suter, der diese Woche bereits mittrainierte und spielte, sollten auch Roman Josi, Nico Hischier, Timo Meier und Nino Niederreiter im Aufgebot vom Montag dabei sein. Janis Moser ist in der Nacht auf Montag aus den Playoffs ausgeschieden und sollte ebenfalls rechtzeitig zur WM zur Nati stossen. Fragezeichen gibt es noch um Jonas Siegenthaler, der sich noch mit einer Blessur herumschlägt.
Unter Patrick Fischer fuhr die Nati an der Euro Hockey Tour sehr oft ebenfalls schlechte Resultate ein, überzeugte dann in Vollbesetzung an der WM trotzdem. Jan Cadieux hat vor seiner ersten Weltmeisterschaft die gleiche Geduld verdient.
