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Granit Xhaka und Manuel Akanji – zwei Blondschöpfe sorgen für rote Köpfe. bild: screenshot instagram

Kommentar

Sind blondierte Nati-Haare wirklich so schlimm?



Die Schweizer Fussball-Welt ist in Aufregung: Zwei Tage nach dem mageren 1:1 gegen Wales im ersten EM-Spiel haben sich Captain Granit Xhaka und Manuel Akanji die Haare blondieren lassen. «Sie wollten damit ein Zeichen setzen», erklärte Adrian Arnold, Kommunikationschef des Schweizerischen Fussballverbandes.

Doch das ging offenbar nach hinten los. Die Nati-Fans bekunden in den Kommentarspalten der grossen Schweizer Online-Plattformen mehrheitlich ihren Unmut. Auch der «Tages-Anzeiger», der «Blick» sowie die «Aargauer Zeitung» gehen mit der Mannschaft nach der Coiffeur-Aktion hart ins Gericht. «So blond kann man gar nicht sein», «Das ist an Abgehobenheit schwer zu übertreffen» und «Beziehungsstatus: Es bleibt kompliziert» heisst es dort.

Aber haben die Schweizer mit ihrem Frisurenwechsel wirklich dermassen über die Stränge gehauen oder ist es nicht einfach ihr gutes Recht, sich im Nati-Camp die Haare färben zu lassen? Unsere zwei Autoren im Pro und Contra:

Sandro Zappella:
Das 1:1 gegen Wales war enttäuschend. Dafür und vor allem für die Passivität nach der 1:0-Führung darf man die Nati kritisieren. Aber für einen Coiffeur-Termin zwischen den Spielen? Das ist bloss gesuchte Empörung.

War es aus ökologischer Sicht clever, einen Coiffeur nach Rom fliegen zu lassen? Nein. Wobei die genauen Umstände ja gar nicht bekannt sind, deshalb wäre ich mit Kritik vorsichtig. Die entscheidende Frage ist aber sowieso: Ändert der Coiffeur-Besuch etwas an der Leistung im bevorstehenden Spiel gegen Italien? Die simple Antwort darauf lautet natürlich «Nein». Ich sehe die Relation zwischen dem Haareschneiden und sich nicht mehr auf den Match konzentrieren zu könnten einfach nicht.

Oder hat Granit Xhaka nach einem Spiel, indem er nicht so brillieren konnte wie gewünscht, das Recht verloren, sich seine Haare schneiden und färben zu lassen? Hätte die Schweiz das Spiel gegen Wales gewonnen, hätte es wohl keine Aufregung gegeben. Durch das enttäuschende Resultat schauen Fans und Medien aber bereits wieder mit Argusaugen auf die Nati und warten nur darauf, auch neben dem Platz eine Angriffsfläche zu finden.

Man kann den Spiess auch umdrehen. Der Nati täte es bestimmt gut, wenn die Öffentlichkeit, zumindest während des Turniers, bedingungslos hinter ihr steht. Auch, wenn es morgen gegen Italien eine Niederlage geben sollte. Egal ob mit blonden, braunen oder blauen Haaren.

Philipp Reich:
Natürlich sind zwei neue Frisuren im Grunde genommen eine Lappalie. In diesem Fall sogar eine Lappalie mit gutem Vorsatz: Nati-Captain Granit Xhaka und Manuel Akanji wollten mit ihren blondierten Haaren nach dem wenig berauschenden 1:1 gegen Wales im EM-Auftaktspiel ein Zeichen setzen.

Doch dieses hat seine Wirkung bei weitem verfehlt. Das Problem ist nicht nur, dass mitten in der Corona-Pandemie ein Figaro extra nach Rom eingeflogen werden musste. An solche Geschichten haben wir uns in der heutigen Fussball-Welt längst gewöhnt.

Die blondierten Haare sorgen vielmehr für einen unnötigen Nebenschauplatz. Schon wieder muss man sagen – als hätte man aus der Doppeladler-Affäre an der WM 2018 nichts gelernt. Statt sich auf das Wesentliche, den Fussball und das schwierige Duell gegen den vierfachen Weltmeister Italien, konzentrieren zu können, herrscht plötzlich wieder eine unnötige Hektik ums Schweizer Team und dessen Aussenwirkung.

Dass während eines grossen Turniers aus jeder Mücke ein Elefant gemacht wird, hätten Xhaka, Akanji und die Nati-Verantwortlichen wissen müssen. Nach den selbstbewussten Ankündigungen im Vorfeld, die zwangsläufig zu übersteigerten Erwartungen geführt haben, war der öffentliche Druck auf die Mannschaft schon gross genug. Mit den blondierten Haaren ist er definitiv nicht kleiner geworden.

Zappella oder Reich – wer hat Recht?

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Die Noten der Schweizer Nati-Spieler gegen Wales

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Die Noten der Schweizer Nati-Spieler gegen Wales
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