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FC Basel: Präsident Bernhard Burgeners Achillesferse ist getroffen

Die Basler Fans in der Muttenzerkurve begruessen die Mannschaften vor dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC St. Gallen 1879 im Stadion St. Jakob-Park  ...
Lange waren die Fans ruhig. Doch nach den jüngsten Verfehlungen von FCB-Präsident Bernhard Burgener wenden sie sich mit einer Rücktrittsforderung endgültig von der aktuellen Führung ab.Bild: KEYSTONE
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Bernhard Burgeners Achillesferse ist getroffen – er hat seinen letzten Rückhalt verloren

Die Fans des FC Basel fordern Präsident Bernhard Burgener sowie die komplette Führung dazu auf, zurück zu treten. Sie trauen ihr nicht mehr zu, den Club aus der Krise zu führen. Damit verliert Burgener seinen letzten Rückhalt.
17.06.2020, 21:1417.06.2020, 21:14
Céline Feller / ch media

Bernhard Burgener ist ein Mensch des Entertainments und der Filme. Seine Videothek machte ihn zum Millionär, mit seiner Firma Constantin Film produziert er laufend Blockbuster, welche die Massen ins Kino locken. Und so bedient sich der cinephile Burgener oft bei Metaphern aus der Welt der Filme. «Momente des Misserfolgs schweissen zusammen. Und auch Helden müssen leiden», sagte der Präsident des FC Basel beispielsweise nach dem desaströsen 1:7 bei YB 2018. Ob Burgener sich selbst damals als Helden bezeichnete, soll sein Geheimnis bleiben. Seit der griechischen Antike aber ist bekannt, dass Helden immer eine Schwachstelle haben: die nach Achilles benannte Ferse. Es ist die einzige Stelle, an welcher ein Held verwundbar ist. Und genau eine solche Schwachstelle hat auch Burgener: Die Fans.

Während sich der Mann, der seit 2017 FCB-Mehrheitsaktionär ist, unbeeindruckt zeigt von interner sowie medialer Kritik, ist ihm die Meinung der Fans immens wichtig. Vielleicht, weil er in ihr die Basis eines Fussballvereins erkennt. Vielleicht aber auch, weil er sich immer noch selber als Fan sieht und nicht müde wird, dies zu betonen.

Der Praesident des FC Basel, Bernhard Burgener kommentiert die Beschluesse der ausserordentliche Generalversammlung der Swiss Football League, am Freitag, 29. Mai 2020 im Stade de Suisse in Bern. (KEY ...
Die Ferse des Achilles ist getroffen.Bild: keystone

So dürfte es Burgener am Mittwochmorgen wie ein Pfeil in der Achillesferse getroffen haben, als die Muttenzerkurve ihr Schreiben veröffentlichte. Unter dem Titel «Zit zum goo!» fordert die Kurve die komplette Führung dazu auf, aus allen Verantwortungspositionen zurückzutreten. Namentlich wären dies Burgener, CEO Roland Heri, die Verwaltungsräte der FC Basel Holding AG Peter von Büren und Karl Odermatt sowie den Verwaltungsrat der FC Basel 1893 AG Massimo Ceccaroni. Ausgenommen von der Rücktritts-Forderung ist einzig FCB-Mitbesitzer David Degen.

Ein Zeichen der Zerrüttung

Die Kurve pflegte lange direkten Kontakt zu den kritisierten Personen, stärkte der Führung den Rücken. Als letzte Instanz wohl. Aber jetzt ist genug. «Der Austausch führte uns zur endgültigen Einsicht, dass wir unter der aktuellen Führung keine Perspektiven mehr für den FCB sehen. Wir erachten sie nicht als fähig, durch die Krise zu führen beziehungsweise die kommenden Herausforderungen zu meistern», so die Fans in ihrem Schreiben. Noch nie positionierte sich die Kurve so deutlich. Noch nie war ihr Appell do dringend. Die Fans sprechen von mangelndem Vertrauen sowie einem Club, der «mit jedem Tiefschlag umso mehr auseinanderbricht». Es fallen Worte wie Intransparenz, Schönrederei und nicht vorhandenem Lerneffekt.

Es sind in der Summe viele Vorwürfe, in ihrer Essenz aber allesamt richtige. Dass die Fans diesen Weg wählen – den öffentlichen statt wie gewohnt den direkten – zeigt, wie zerrüttet das Verhältnis ist. Burgener hat sich seine letzte Unterstützung verspielt. Und das, obwohl er bei seinem Amtsantritt stets betonte, die Fans in den Mittelpunkt zu stellen. In seiner Präsentation «Für immer Rot-Blau» widmete er ihnen Seite 4 und damit die erste, die sich nicht um ihn dreht. Fans first, so die implizite Nachricht. Jetzt verliert er als letztes deren Zuspruch.

Bernhard Burgener, Praesident FC Basel, links, Roland Heri, rechts, CEO FC Basel, nach dem Schweizer Fussball Cupfinalspiel zwischen dem FC Basel und dem FC Thun, am Sonntag 19. Mai 2019, im Stade de  ...
Bernhard Burgener hat die Fans nicht mehr auf seiner Seite.Bild: KEYSTONE

Es ist die logische Konsequenz seiner Misskommunikation. Gerade in Zeiten von Corona, in der ein Fussballclub nur gewinnen konnte, schaffte es Burgener, noch mehr Kredit zu verspielen. Mit desaströsen Communiqués und Interviews wie jenem vom letzten Sonntag, als er offenbarte, seine Misswirtschaft zu verkennen. Die bewusste Irreführung hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

«Wenn man das Gefühl hat, der Weg ist der falsche und es gibt einen besseren, dann finden wir schon einen neuen Präsidenten.»
Bernhard Burgener an der letzten Generalversammlung

Ohne den Rückhalt der zwar stets kritischen aber genauso solidarischen Fans ist Burgener ein Held, um den es einsam geworden ist. Und einer, der endlich einsehen muss, dass seine Taten alles andere als heroisch waren. Der drastische, einmalige Schritt der Kurve zeigt, dass das Verhältnis nicht mehr zu kitten ist. Nicht, solange Burgener federführend ist. Und nicht ohne Figuren wie einen Marco Streller, dem das Treiben aber bereits letzten Sommer zu bunt geworden ist. Einen wie ihn bräuchte es. Einen, dem der Club und nicht die Finanzen am Herzen liegen. Einen, der aufmüpft und die Fans nicht als «Kunden» bezeichnet. Und einen, der trotz Fehlern Fans und Mitarbeitern nicht das Gefühl gibt, sie zu belügen und für dumm zu verkaufen.

ARCHIV --- ZUM RUECKTRITT VON MARCO STRELLER ALS VERWALTUNGSRAT VOM FC BASEL AM DONNERSTAG, 12. SEPTEMBER 2019, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES HISTORISCHES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Der Sportchef d ...
Marco Streller wurde es bereits letzten Sommer zu bunt.Bild: KEYSTONE

Was Burgener jetzt kassiert, ist die ganz teure Quittung. Vielleicht hätte sie früher kommen müssen. Aber wichtig ist vor allem, dass sie kommt. Dass der Präsident einkalkulierte, dereinst nicht mehr vollen Rückhalt zu spüren, davon zeugt diese Aussage von der letzten Generalversammlung: «Ich werde mich sicher nicht gegen eine Mehrheit stellen. Wenn man das Gefühl hat, der Weg ist der falsche und es gibt einen besseren, dann finden wir schon einen neuen Präsidenten.» Steht Burgener zu seinen Worten, muss er jetzt handeln. Den Hut nehmen, den Club verkaufen und ihm so die Chance geben, wieder das zu werden, was er vorher einmal war: Eine tief in der Bevölkerung verankerte Institution. Vielleicht würde der Held dann leiden müssen. Erneut. Aber für alle anderen wäre es eine Befreiung, die einer Heldentat gleicht.

Burgeners selbstgelegte Brandherde

  • E-Sports 
    Im Mai 2017 gründet der FC Basel ein E-Sports-Team. Mittlerweile stehen vier Fifa-Spieler beim FCB unter Vertrag. Für die Fans sind solche kommerziellen Projekte eine Abkehr vom Kerngeschäft und unerwünscht.
  • Brigger
    Burgener sieht Jean-Paul Brigger als starken Mann beim FCB. An der GV 2017 wird der Walliser aber nicht in den Vereinsvorstand gewählt. Nachdem nie klar war, was genau seine Aufgabe eigentlich ist, verlässt Brigger den FCB im April 2018 wieder.
  • Influencer 
    Im Juni 2018 werben verschiedene Influencer, unter anderem die Basler Bachelorette Adela Smajic, für ein Legendenspiel.
  • Indien 
    Im Februar 2019 beteiligt sich der FCB zu 26 Prozent am indischen Verein Chennai City. Knapp eine Million Franken soll die Investition kosten. Mittlerweile hat sich der FCB das Projekt schon deutlich mehr kosten lassen. Rendite sind bislang keine in Aussicht.
  • Koller-Chaos 
    Im Sommer 2019 wird Trainer Marcel Koller erst entlassen und dann wieder eingestellt. Daraufhin tritt Sportchef Marco Streller zurück, der die Zusammenarbeit mit Burgener grundsätzlich als schwierig bezeichnet. Ein Jahr später gibt es die nächste Trainerposse. Keiner will mit Koller besprechen, wie es nach Ablauf seines Vertrags am 30. Juni 2020 weitergeht.
  • Anwalt 
    Wer kritische Fragen über Firmen, welche der FCB zahlt, stellt oder Anträge für eine Statutenänderung nicht ordnungsgemäss einreicht, bekommt es schnell mit Burgeners Anwälten zu tun.
  • Nachwuchs
    Die Verpflichtung des Nachwuchschefs Percy van Lierop im Sommer 2019 wird erst ein halbes Jahr geheimgehalten. Dann darf der Holländer die Modernisierung des FCB-Nachwuchses ab Januar 2020 doch leiten. Als er die Kindersportschule Bebbi schliesst und sich von einigen Trainern trennt, verpassen es Burgener und Co, die eigentlich richtigen Entscheidungen zu erklären.
  • Lohnstreit 
    Mit einer abendlichen Mitteilung stellt die FCB-Führung die Spieler bloss. Diese reagieren gereizt mit einem Instagram-Post. Erst Wochen später gibt es doch noch eine Einigung.
  • Finanzen
    Der FCB schreibt im Jahr 2019 knapp 20 Millionen Verlust. Auch dieser wird nicht proaktiv kommuniziert. In ausgewählten Medien versucht sich Burgener im Anschluss zu erklären. Doch das gelingt ihm nicht. Es gibt mehr und mehr Fragen. Das Vertrauen sinkt auf einen neuen Tiefpunkt.
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