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FCB – FCZ: Was Schiri Dudic bei Basel–Zürich hätte besser machen können

Schiedsrichter Alessandro Dudic laesst sich von Basels Spielern Michael Lang, Wouter Burger und Darian Males, von rechts, nicht von seinem Penalty-Entscheid abbringen im Fussball Meisterschaftsspiel d ...
Vergeblich protestieren Basler Spieler bei Schiedsrichter Alessandro Dudic – es gibt Penalty für den FCZ.Bild: keystone
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Wie der Schiri bei Basel – FCZ für eine Entspannung hätte sorgen können

Bei der 0:2-Niederlage gegen den FC Zürich drehen zahlreiche Exponenten des FC Basel im roten Bereich. In den letzten Minuten wurde es am Sonntagabend chaotisch – was der Schiedsrichter vielleicht hätte verhindern können.
08.05.2023, 11:1208.05.2023, 17:39
Ralf Meile
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Taulant Xhaka flog vom Platz, auch Wouter Burger kassierte Rot. Zuvor war auf Seiten der Basler schon Kasim Adams wegen eines Ellbogenschlags vom Platz geflogen, beim FC Zürich bekam Ersatzspieler Mirlind Kryeziu die Rote Karte gezeigt. Als die Partie im St.Jakob-Park schon beinahe vorbei war, ging es plötzlich hitzig und ruppig zu und her.

Am Ursprung der chaotischen Schlussphase stand die 89. Minute. In dieser zeigte Schiedsrichter Alessandro Dudic auf den Penaltypunkt vor dem Basler Tor, nachdem Bledian Krasniqi nach einem Zweikampf mit Michael Lang hingefallen war. Für den Schiri war der Fall sofort klar. Der FCZ schoss in der 91. Minute das 1:0, wenig später das 2:0, dann war das Spiel aus.

Krasniqi stand nach dem Spiel hin und betonte, er habe eine Berührung gespürt. «Für mich war es ein klarer Penalty», sagte der FCZ-Spieler. «Für den Schiedsrichter auch und für den VAR offenbar auch.»

Kleiner psychologischer Trick

Das kann man so sehen. Und doch hätte Schiedsrichter Dudic dafür sorgen können, dass es anschliessend vielleicht etwas weniger eskaliert wäre. Selbst wenn er sich sicher ist und selbst wenn ihm das auch der VAR bestätigt – wieso geht er nicht trotzdem kurz an die Seitenlinie, um sich die Szene am Bildschirm anzuschauen? Ein kleiner psychologischer Trick und die Möglichkeit, etwas Zeit verstreichen zu lassen. Ein Versuch, dadurch die Lage etwas zu beruhigen. Den Entscheid muss der Schiedsrichter ja trotzdem nicht umstossen.

Für die sich betrogen fühlenden Basler wäre das ein Zeichen des Refs gewesen, dass er sich beim Entscheid wirklich sicher ist. Rot-Blau hätte immer noch damit gehadert, aber ihn wohl eher akzeptieren können. So bleibt beim FCB der grosse Frust darüber, dass der Schiedsrichter mit dem VAR zwar die Möglichkeit einer nochmaligen Beurteilung besitzt, er diese aber in einer umstrittenen – und einer zu diesem Zeitpunkt und bei diesem Spielstand – matchentscheidenden Szene nicht angewendet hat.

Der Zweikampf zwischen Zuerichs Bledian Krasniqi, hinten, und Basels Michael Lang, vorne, fuehrt zum Elmeter fuer Zuerich im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 un ...
Ein anderer Blick auf die Penalty-Szene mit Lang und Krasniqi.Bild: keystone

Dass Dudic auf das Betrachten der Fernsehbilder verzichtet hat, entschuldigt indes die Rotsünder keinesfalls. Ja, damit hätte der Schiedsrichter die Situation möglicherweise beruhigen können. Die Tatsache, dass sich einige Spieler nicht mehr im Griff hatten, damit zu begründen, dass der Unparteiische seiner Aufgabe nicht gewachsen war, ist allerdings daneben.

Xhaka macht den Zidane

Der so erfahrene Taulant Xhaka liess sich zunächst zu einem Schlag ins Gesicht von Antonio Marchesano hinreissen. Dafür war er mit Gelb noch gut bedient, da es aber seine zweite Verwarnung im Spiel war, musste er gleichwohl vom Platz.

Und das führte zur kuriosen Situation, dass ihn der Schiedsrichter aus dem Spielertunnel zurück aufs Feld holte – nur um Xhaka auszurichten, diese zweite Gelbe Karte sei sistiert und er sehe stattdessen direkt Rot.

Denn was sich auch ereignete und vom Schiri zunächst unentdeckt blieb, war ein Kopfstoss der Marke Zinédine Zidane gegen die Brust des Zürchers Nikola Katic. Für die Tätlichkeit droht dem 32-jährigen Xhaka nun eine Sperre von mehreren Partien. Am Montagmorgen entschuldigte er sich für seine Entgleisung, die er mit Beleidigungen gegen sich und seine Familie begründete.

Fussballprofis an der Pfeife

Vor einigen Wochen leiteten die Bundesliga-Spieler Anton Stach und Nils Petersen ein Spiel im Amateurbereich, um den 23. Mann auf dem Platz besser verstehen zu können. Stach sprach von einer «coolen Erfahrung», die aber «auch eine Herausforderung» gewesen sei. Man habe viele Eindrücke und müsse in Bruchteilen von Sekunden entscheiden, betonte er.

Vielleicht täte es einigen Hitzköpfen ganz gut, den Fussball ebenfalls einmal aus dieser anderen Perspektive kennenzulernen.

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64 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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P. Meier
08.05.2023 11:46registriert März 2017
Krasniqi: "ich spürte eine Berührung und sank daher schwerstverletzt zu Boden". Marchesano: "Xhaka berührte mich mit der Hand im Gesicht. Nach kurzem Überlegen entschied ich mich, mich halb ko geschlagen auf dem Boden zu wälzen." Solche Schauspielleistungen sollten umgehend mit gelb bedacht werden. Ebenfalls gelb gehört allen FCB-Spielern, welche auf den Schiedsrichter zugestürmt sind. Muss ein Schiedsrichter zukünftig die Pädagogische Hochschule absolvieren um Profifussballer richtig betreuen zu können?
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BaslOr
08.05.2023 11:40registriert August 2020
Er hätte die Gemüter gar nicht erst erhitzt, wenn er denn einfach eine Linie gehabt hätte und auch konsequent nach dieser gepfiffen hätte.

Du kannst als Schiri nicht im selben Spiel einmal so und einmal anders entscheiden. Insbesondere nicht bei strittigen Szenen wie die beiden Elfmeter-Diskussionen.

BTW: Bei dem Gerangel hätten auch noch einige andere rot sehen dürfen. Nicht nur die 3 Basler und der eine Zürcher. Ich wäre auch dafür, dass verbale Entgleisungen à la Katic aufgearbeitet würden. Nichts desto trotz: Es entschuldigt die Handlungen von TX definitiv nicht!
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Hans -würkli- Nötig
08.05.2023 12:23registriert Juli 2015
Er hätte es wohl anders machen können, die Frage ist ob das nötig sein sollte:
Ist es Aufgabe des Schiedsrichters die Spieler wie verhaltensgestörte Sonderschüler zu behandeln? Ihnen nicht zuviel Realität zuzumuten weil sie sonst austicken könnten?

Es wäre Aufgabe der Spieler, vor allem des Captains, mit solchen (möglicherweise) Ungerechtigkeiten umgehen zu können auch wenn sie sauer auf sich selbst sind weil es 90 Minuten lang nicht gelang ein Tor zu erzielen.
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