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Der definitive Abgang von Roger Federer wird immer häufiger gefordert.
Der definitive Abgang von Roger Federer wird immer häufiger gefordert.
Bild: keystone
Kommentar

Wie kann man die Frechheit haben, von Roger Federer den Rücktritt zu fordern?

Roger Federer muss sich erneut am Knie operieren lassen. Die Weltnummer 9 wird damit mehrere Monate ausfallen und in der Weltrangliste weiter abrutschen. Warum man ihm trotz seines Alters nicht zum Rücktritt raten sollte.
17.08.2021, 11:1317.08.2021, 12:36

Er ist gerade 40 Jahre alt geworden, eine erneute, dritte Operation am rechten Knie wird notwendig. Eine mehrmonatige Pause steht an. Die Rückkehr an die Weltspitze traut Roger Federer kaum jemand mehr zu.

Im Gegenteil. Journalisten, Experten und Fans raten ihm praktisch unisono – einmal mehr – zu seinem Rücktritt.

Die Stimmen zu Roger Federers Rücktritt werden immer wieder laut. Zum ersten Mal bereits 2011 nach seinem Wimbledon-Aus gegen Jo-Wilfried Tsonga, doch so richtig erst viereinhalb Jahre später: 2016 musste sich der Schweizer einer Meniskusoperation unterziehen und die Saison abbrechen. Damals war er bereits 34 und hatte seit vier Jahren kein Grand-Slam-Turnier mehr gewonnen. Die «Experten» waren sich einig: Er hat den richtigen Moment für den Rücktritt bereits verpasst.

Doch Roger Federer kehrte 2017 auf die Tour zurück, bestritt den Hopman Cup und gewann anschliessend, als Nummer 17 gesetzt, das Australian Open nach einem epischen Fünfsatzsieg im Final gegen Rafael Nadal. Es folgten der Titel in Wimbledon im gleichen Jahr und 2018 die erfolgreiche Titelverteidigung in Melbourne.

Unvergessen: Der fünfte Satz gegen Nadal am Australian Open 2017.

Nun ist Federer nicht nur älter, sondern auch weiter von der Weltspitze entfernt als damals. Dass er nochmals ein ganz grosses Turnier gewinnen wird, scheint utopisch.

Dies veranlasst viele, einmal mehr den Rücktritt von Federer zu fordern – ein Abgang in Würde sei wünschenswert oder sowieso schon zu spät. Nun, all jene mögen recht haben, Roger Federer wird im Spätherbst seiner Karriere unüblich viele Niederlagen und Rückschläge einstecken müssen.

Aber verliert er deshalb seine Würde? Weil er weiterhin seinem Beruf, welcher zugleich sein grösstes Hobby ist, nachgeht? Seit er sich erinnern kann, geht er seiner grossen Leidenschaft nach – er wird sich gut überlegen, wann er seinen Schlussstrich zieht. Es wird ihm definitiv nicht leicht fallen.

Ob er den richtigen Zeitpunkt verpasst hat? Das muss er selbst wissen. Wie lange er weitermachen möchte? Das muss er selbst wissen. Niemand sollte die Frechheit besitzen, einem Sportler zu raten, zurückzutreten, weil man selbst dessen Niederlagen nicht verkraften kann. Das ist übergriffig.

In Wimbledon unterlag Federer im Viertelfinal Hubert Hurkacz in drei Sätzen.
In Wimbledon unterlag Federer im Viertelfinal Hubert Hurkacz in drei Sätzen.
Bild: keystone

Solange er Freude daran hat, soll Roger Federer noch Tennis spielen bis er 45 ist. Oder 50. Und nicht, wenn es für irgendwelche Fans oder Journalisten der «richtige Zeitpunkt» wäre. Ja, auch mir blutet das Herz, wenn ich sehe, dass Roger Federer in Wimbledon einen Satz 0:6 verliert und in drei Sätzen ausscheidet. Aber es ist nicht meine Aufgabe, mich darum zu kümmern, was Federer selbst mit dieser Erkenntnis anfängt.

Vielleicht gewinnt Roger Federer 2022 nochmals ein für ihn emotionales Turnier. Vielleicht auch nicht. Er wird wissen, wann für ihn der richtige Moment ist, um einen Schlussstrich zu ziehen. Die einzigen, die das Recht haben, in diese Entscheidung einbezogen zu werden, sind die Mitglieder seiner Familie, die ihn jahrelang bedingungslos unterstützt haben.

Roger Federers Knie schmerzt immer wieder. Aber was ihn möglicherweise noch mehr schmerzt, wäre, während der Corona-Pandemie durch die Hintertür abzutreten. Lassen wir ihn doch einfach selbst entscheiden, wann es so weit sein soll.

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Die vielen Gesichter des «Maestros»

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Die vielen Gesichter des «Maestros»
quelle: x90003 / issei kato
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«Chum jetz, Roger, tritt ändlich zrugg!»

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