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LONDON, ENGLAND - DECEMBER 29:   In this composite 50 images of darts fans wear fancy dress while attending Day Eleven of the 2016 William Hill PDC World Darts Championships at Alexandra Palace on December 29, 2015 in London, England. (Photo by Jordan Mansfield/Getty Images)

Fans im Ally Pally am elften Tag der WM (29. Dezember). Bild: Getty Images Europe

Kommentar

Darum hält mich Darts stundenlang vor dem TV – im Gegensatz zu Ski, Fussball, Eishockey oder Skispringen

Ich weiss noch, wie meine Freundin mich vor wenigen Jahren anschaute, als ich ihr um die Weihnachtszeit eröffnete, ich könne jetzt leider nicht auf den romantischen Winterspaziergang mitkommen. Ich müsse die Darts-WM schauen. Ich musste damals fast annehmen: Sie wird mich wohl nie heiraten.



Es gibt immer weniger Sportevents, die mich in meiner Freizeit fesseln und für Stunden vor dem TV halten – ohne, dass ich nebenbei nicht noch irgendwas auf meinem Smartphone rumdrücke oder zwischendurch mal kurz die Tageseinkäufe erledige.

Die Viertelfinals von heute

Alan Norris vs. Jelle Klaasen 4:5
Gary Anderson vs. James Wade 5:1
Raymond van Barneveld vs. Michael Smith 5:4
Adrian Lewis vs. Peter Wright 5:2

Die Gruppenspiele der Champions League haben es schon schwer, am Wochenende hält mich höchstens noch die Bundesliga-Konferenz für zwei Stunden gebannt vor dem TV. Spielt Roger Federer beim Australian Open den Viertelfinal in der Nacht, klingelt mein Wecker nicht mehr um 1 Uhr, damit ich selbst den Münzwurf zu Beginn noch sehe, sondern vielleicht um 3 Uhr. Dann schalte ich mal kurz ein und hoffe, dass der Schweizer in den Sätzen schon mindestens 2:1 führt. Je nachdem stelle ich den Wecker dann nochmals eine halbe Stunde nach hinten oder schaue im Idealfall die letzten drei Games bis zur Entscheidung und döse wieder weg.

Fans bei der Darts-WM

Über die Festtage zappe ich beim Spengler Cup höchstens durch und schaue vielleicht die Schlussphase des Finals. Bei den Skirennen reicht meist ein Liveticker – im TV erfahre ich ja eh gar nicht mehr, wie die Schweizer sich schlugen, weil die Übertragung kaum bis zu den Startnummern 46, 52 und 68 läuft. Und bei der Vierschanzentournee reicht ohne Simon Ammann mit Siegchancen eigentlich auch eine kurze Meldung.

Zum Sofasportler verkomme ich trotzdem noch: beim Darts. Ich kann stundenlang zuschauen, wie die meist gut genährten Herren in weiten Hemden mit den Pfeilen auf die kleinen Felder zielen. Die Stimmung und Verkleidungen der Fans im Ally Pally sorgen für Abwechslung und die beiden Sport1-Kommentatoren Elmar Paulke und Tomas «Shorty» Seyler tun ihr Übriges für Kurzweil und gute Unterhaltung. Auch wenn ich keinen Spieler so richtig unterstütze: Mitfiebern ist immer angesagt.

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Dramatisch: Raymond van Barneveld wirft Titelverteidiger Michael van Gerwen im Achtelfinale raus. Video: streamable

Warum ist das so? Jeder versteht Darts. Jeder hat schon mal selbst in einem Pub auf eine Scheibe geworfen und weiss, wie schwierig es nur schon ist, das Feld für die einfache 20 regelmässig zu treffen. Ich bin gefühlt kaum einem Sportler so nah wie den Darts-Profis und habe stets ein bisschen das Gefühl: Ein Jahr lang richtig trainieren und ich könnte da selbst auf der Bühne stehen – obwohl ich genau weiss, dass mir vor lauter Aufregung dann wohl die Pfeile aus der Hand zittern würden.

Auf jeden Fall kann man schon nach wenigen Minuten mitreden. Entweder ist der Pfeil im gewünschten Feld oder er ist es eben nicht. Jedem Zuschauer ist sofort klar: Das war gut, das nicht. Bei anderen (TV-)Wintersportarten ist dies leider immer weniger möglich. Beim Bobfahren sehe ich als Laie nicht, ob jetzt in der Ausfahrt der Kurve 5 entscheidende Tausendstelsekunden verloren gehen. Beim Langlauf habe ich den direkten Vergleich nur bei Massenstartrennen.

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Jelle Klaasen schafft den Coup: Der Holländer schaltet Rekordweltmeister Phil Taylor aus. Video: streamable

Beim Skifahren staunte ich vor einigen Jahren, als der ehemalige Spitzenskifahrer Silvano Beltrametti bei uns auf der Redaktion nach einem Interview ein Skirennen mit uns schaute und bei jedem Tor kommentieren konnte «gut», «schlecht», «gut», «gut», «schlecht».

Vor drei Tagen war ich beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf. 25'500 Fans verwandelten die Arena bei der Schattenbergschanze in ein Tollhaus. Es war super. Ein Besuch ist jedem Sportfan zu empfehlen. Die Zuschauer jubeln jedem Springer wie verrückt zu. Aber trotz grüner Laser-Linie im Landebereich, welcher die zu schlagende Marke anzeigt, weiss niemand so richtig, ob der Sprung am Ende besser war als derjenige des Leaders oder nicht. Die unterschiedliche Anlauflänge, der Wind, die Stilnoten – das Resultat ist nur für Experten wirklich nachvollziehbar.

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Super Stimmung in Oberstdorf, aber erst einige Augenblicke nach dem Wettkampf ist klar, wer denn jetzt wirklich gewonnen hat. Video: YouTube/Reto Fehr

Als ich nach Mitternacht aus Oberstdorf zurückkehrte, war meine Frau noch knapp wach. Ich staunte, insbesondere wegen ihrer Erklärung: «Ich habe noch bis grad vorhin van Gerwen gegen van Barneveld geschaut – das war so unfassbar spannend, ich konnte nicht abschalten!» Ich glaube, Diskussionen über romantische Winterspaziergänge oder Darts-WM schauen haben sich bei uns erledigt.

Die 8 Viertelfinalisten der Darts-WM 2016

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