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breaking 2 nike athleten

Diese drei Athleten sollen den Weltrekord im Marathon brechen. bild: news.nike.com

Leichtathletik extrem – so will Nike den Marathon unter 2 Stunden sprinten lassen

Unter laborartigen Bedingungen sollen drei Spitzenathleten die Weltrekordmarke im Marathon knacken und erstmals unter zwei Stunden ins Ziel kommen. Dass das Projekt ein PR-Stunt ist und der Rekord offiziell gar nicht anerkannt wird, löst aber Kritik aus. 

05.05.17, 09:17 05.05.17, 10:49


Der aktuelle Weltrekord im Marathon steht bei 2:02:57 Minuten, aufgestellt von Dennis Kimetto beim Berlin Marathon. Diese Marke soll nun aber bald Geschichte sein. Drei Läufer, der Kenianer Eliud Kipchoge (Olympiasieger 2016, Bestzeit 2:03:05 Stunden), der Eritreer Zersenay Tadese (Halbmarathon-Weltrekordhalter, 58:23) und der Äthiopier Lelisa Desisa (Bestzeit 2:04:45), wollen dieses Wochenende zum allerersten Mal einen Marathon unter zwei Stunden laufen.

So kannst du den Event verfolgen

Geplant ist der Start am Samstagmorgen um 5.45 Uhr. Auf Facebook soll es einen Livestream geben und auf Twitter gibt's einen «Ticker» und weitere Informationen während dem Event. Vor Ort werden keine Zuschauer zugelassen. 

Dabei profitieren die Athleten von perfekten, ja schon fast laborartigen Bedingungen. Das Projekt ist nämlich ein PR-Event des Sportartikelherstellers Nike. Unter dem Projektnamen «Breaking 2» scheut die Firma keine Aufwände, damit die Rekordzeit gelingt. Ein Team aus Trainern, Wissenschaftlern, Ingenieuren und Ärzten arbeitet seit Monaten an dem Projekt. Rund 30 Millionen Euro sollen schon investiert worden sein. Am Ende soll zumindest einer der drei Läufer unter zwei Stunden bleiben.

Das Projekt vorgestellt von CNN. Video: YouTube/CNN

Ist das noch Sport?

Fachleute haben auf der ganzen Welt nach der perfekten Strecke gesucht und sind in Italien fündig geworden. Auf der Rennstrecke in Monza wird der Versuch stattfinden. Die flache Strecke mit langgezogenen Kurven sei ideal, zudem stimmen in Italien zu dieser Jahreszeit auch die äusseren Bedingungen.

Spain's Fernando Alonso  steers his Ferrari during the quantifying session at the Monza racetrack, in Monza, Italy , Saturday, Sept. 6 , 2014. The Formula one race will be held on Sunday. (AP Photo/Alessandro Trovati)

Auf der Strecke, auf der normalerweise die Formel-1-Boliden rasen, wird bald gerannt. Bild: Alessandro Trovati/AP/KEYSTONE

Auch bei den Athleten wird nichts dem Zufall überlassen. Kipchoge, Desisa und Tadese wurden auf Herz und Nieren geprüft, ausgemessen und in Belastungstests an ihre Grenzen gebracht.

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Läufer mussten einen Thermometer schlucken

Die drei mussten sogar einen Thermometer in Tablettengrösse schlucken, um bei einem Testlauf die innere Körpertemperatur zu messen. Zudem werden die Läufer beim Rekordversuch mit speziellen Shirts und Hosen ausgerüstet: An ihre Beine werden kleine Flügel aus Kunststoff angeklebt, die die Aerodynamik verbessern sollen. Das wirft die Frage auf: Ist das noch Sport oder schon Wissenschaft?

Das Kernstück des Rekordversuchs ist aber ein Schuh. Zwei Jahre lang haben die Forscher des Sportartikelherstellers an einem Schuh gebastelt, der perfekt auf die Bedürfnisse des jeweiligen Athleten abgestimmt sein soll. Ein neu entwickeltes Schaum-Material für die voluminöse Zwischensohle ermöglicht bestmögliche Dämpfung, ohne dass der Schuh schwerer wird. Gleichzeitig verhilft ein Karbon-Element dem Schuh zu extremer Festigkeit. Natürlich wird der Schuh – welch Überraschung – bald auch für Hobbyläufer in den Läden stehen.

Der Rekord, der gar keiner ist

Ein Schuh, der für offizielle Rennen möglicherweise gar nicht zugelassen wird. Die Regel 142.2 des Internationalen Leichtathletik-Verbands (IAAF) besagt, dass ein Schuh dem Träger keinen unfairen Vorteil bringen darf. Die Technikkommission der IAAF wird sich in den nächsten Wochen genauer mit diesem Fall beschäftigen. Beim Weltrekord von 2007 trug Haile Gebrselassie ebenfalls einen Schuh mit Karboneinlage – hergestellt von Adidas. 

In der Läufer-Szene wird der Versuch kritisch diskutiert. Video: YouTube/WIRED

Sportlich gesehen bleibt der Rekord – wenn er denn gelingt – ohne Wert. Die IAAF würde die Zeit nicht anerkennen, weil sie nicht unter herkömmlichen Rennbedingungen gelaufen würde. Die Läufer können während des Laufs alle sieben Minuten Flüssigkeit zu sich nehmen – doppelt so oft wie bei einem herkömmlichen Marathon. Zudem werden die Tempomacher laufend ausgewechselt, was bei einem normalen Rennen nicht der Fall sein darf.

«Das ist Werbung. Leichtathletik aus dem Labor.»

Peter Haas, Swiss Athletics

Experten haben Zweifel

Trotz den intensiven Vorbereiten zweifeln Experten weltweit daran, dass die Zwei-Stunden-Marke tatsächlich geknackt wird. Die drei Athleten müssten nämlich 42 Mal einen Kilometer in 2:50,6 Minuten laufen – oder anders gesagt: die 100 Meter konstant in 17 Sekunden laufen, und das 422 Mal.

Der deutsche Athlet Julian Lange glaubt nicht an den Erfolg des Projekts.

Auch Peter Haas, Chef Leistungssport bei Swiss Athletics, kritisiert das Unterfangen. «Das ist Werbung, verbunden mit Sport. Leichtathletik aus dem Labor», sagt er gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. «Da werden Faktoren geschaffen, wie wir sie sonst in unserem Sport nicht antreffen.» Die äusseren Einflüsse, die Taktik, der Kampf Mann gegen Mann, die Wahl der Strecke ohne Zuschauer und enge Kurven – all dies sei in der traditionellen Leichtathletik so nicht vorhanden.

Philipp Bandi, vor knapp zehn Jahren einer der besten Schweizer Strassenläufer, tendiert in eine ähnliche Richtung. Allerdings hält er fest: «Wenn sie tatsächlich unter zwei Stunden laufen, dann ist ihre Leistung zumindest eines Weltrekords würdig.»

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24
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    Alle Leser-Kommentare
  • äti 05.05.2017 20:33
    Highlight Warum nicht in einer luftleeren Ring-Röhre?
    0 0 Melden
  • Zeit_Genosse 05.05.2017 20:06
    Highlight Dieser Sportartikelhersteller hat bereits unbezahlbare Medienpräsenz und Beachtung. So positioniert er sich als innovativ und ambitioniert. Man kann das verurteilen oder sagen, die probieren etwas aus und stellen sich Herausforderung. Auch wenn es nicht gelingt, ein gute Sportgeschichte und das rechtfertigt die (un)anständigen Preise.

    Als Läufer spielt es keine Rolle, ob 1:59 oder 2:03, die Laufgeschwindigkeit ist brutal schnell. Respekt auf jeden Fall.
    1 0 Melden
  • dave1771 05.05.2017 13:50
    Highlight Ich finds geil. Es zählt ja nicht... aber hauptsache man kritisiert!!!
    33 1 Melden
  • Unserious_CH 05.05.2017 12:18
    Highlight Gab es nicht vor paar Wochen einen Artikel über einen Athleten der die 2h bereits unterboten hat? (Wenn auch unter nicht kontrollierten Bedingungen)
    1 6 Melden
    • 's all good, man! 05.05.2017 13:34
      Highlight Also die »Runner's World« hat zum 1. April einen solchen Artikel als Scherz gemacht. Vielleicht meinst du den? 😉
      24 0 Melden
  • Asmodeus 05.05.2017 10:38
    Highlight Es ist als würde man einen neuen Schweizer Torrekord im Fussball aufstellen wollen und dafür den FCB gegen eine Juniorenmannschaft antreten lassen.

    Es mag beeindruckend sein, wenn eine Strecke unter 2 Stunden gelaufen wird, aber eben.
    Als nächstes holen sie Leute die konstant für Rückenwind sorgen bei den Läufern.
    12 40 Melden
  • John Smith (2) 05.05.2017 10:28
    Highlight Die Tempomacher werden mehrmals ausgewechselt. Warum nicht gleich für noch effizienteren Windschatten mit einem Kastenwagen vorausfahren? Und die Konkurrenz könnte das dann toppen, indem sie noch mit einem nachfliegenden Helikopter für regelmässigen Rückenwind sorgt …
    20 14 Melden
    • Paraflüger 05.05.2017 12:41
      Highlight Wird für den Versuch gemacht.
      5 2 Melden
  • Typu 05.05.2017 10:16
    Highlight Verstehe die kritik nicht. Ist doch ein spannendes projekt. Egal ob der rekord zählen würde.
    102 6 Melden
  • Älü Täme 05.05.2017 10:06
    Highlight Spannende Geschichte und völlig egal ob die Zeit von einem Verband anerkannt wird oder nicht. Oder liegts daran, dass Nike kein Sponsor dieses Verbandes ist...
    69 5 Melden
  • 's all good, man! 05.05.2017 10:03
    Highlight Schon sehr spannend. Auch wenn es vornehmlich ein PR-Gag ist, äusserst faszinierend. Ich verstehe, dass das sehr kontrovers diskutiert wird und ich bin selber auch etwas gespalten. Aber die Erkenntnisse kommen schlussendlich wohl dem ganzen Laufsport zugute.

    Schade, findet es praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, es wird keine Live-Übertragung geben meines Wissens. Kann mir nicht vorstellen, dass sie es schaffen. 2:50min/km ist einfach abartig! Wenn, dann traue ich es am ehesten Kipchoge zu. Der ist so eine Maschine!
    46 1 Melden
    • Reto Fehr 05.05.2017 10:23
      Highlight Habens grad angeschaut: Es soll einen Facebook-Livestream geben. Link ist jetzt in der Infobox oben im Text.
      25 0 Melden
    • 's all good, man! 05.05.2017 10:27
      Highlight Ah, super - vielen Dank! 05.30 Uhr... 😂
      16 0 Melden
    • goschi 05.05.2017 22:30
      Highlight Es ist aber gegenüber dem aktuellen Weltrekord eine Steigerung um knapp 3% (pi*daumen) das ist, gerade auch durch optimierte Bedingungen, durchaus im machbaren Bereich.

      Insofern verstehe ich die auch im Artikel aufgeführte Argumentation nicht ganz, denn weit davon weg ist man jetzt schon nicht.
      0 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • N. Y. P. D. 05.05.2017 09:53
    Highlight Tempomacher werden ausgewechselt. Alle 7 Minuten dürfen sie trinken. Naja, lustiges Stelldichein. Muss man als Unterhaltung qualifizieren.
    Und Nike kann seine neuen Schuhe vorstellen. Alle sind glücklich.
    Mein Tipp : 2 h 00 min 01 sec
    Nein, ich korrigiere meinen Tipp :
    2 h 00 min 00 sec
    9 32 Melden
  • zsalizäme 05.05.2017 09:49
    Highlight Wieso kritisieren die Verbände den Versuch? Nike und die Athleten wollen ja nicht mal den offiziellen Weltrekord. Ich finde das ganze sehr spannend. Zudem ist es ja nicht nur PR für Nike sondern auch für den Marathon-Sport.
    90 3 Melden
  • Toerpe Zwerg 05.05.2017 09:42
    Highlight mimimi
    44 3 Melden
  • Passierschein A38 05.05.2017 09:34
    Highlight Verstehe die Kritik nicht - ist ein Experiment, kein offizieller Weltrekord. Wo ist das Problem?
    97 4 Melden
    • Eine 05.05.2017 09:45
      Highlight Weil es nicht als Experiment verkauft wird.
      10 15 Melden
    • tb.7783 05.05.2017 09:53
      Highlight Genau. Wenn es gelingt, wird das für viele Läufer ein Ansporn sein, die 2 Stunden auch offiziell zu knacken. Was ist daran schlecht?
      43 2 Melden
    • Asmodeus 05.05.2017 10:39
      Highlight @tb.7783
      Glaub mir, die brauchen den Ansporn nicht. Die wollen das jetzt schon ;)
      13 1 Melden
  • Telomerase 05.05.2017 09:27
    Highlight Ich finds cool, es gab definitiv schon dümmere PR-Stunts.
    87 2 Melden

Wir haben in den 90ern schon E-Sports betrieben, als es den Begriff noch gar nicht gab

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