Sport
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epa07401034 (FILE) - Skiers in action during the Women's Sprint quarter finals of the 2019 Nordic Skiing World Championships at the Cross-Country Arena Seefeld in Seefeld, Austria, 21 February 2019. According to meddia reports police raids against organised doping took place in Seefeld and at least one German city on 27 February 2019.  EPA/SRDJAN SUKI

Die nordische Ski-WM in Seefeld wird von einem Doping-Skandal überschattet. Bild: EPA

«Wir werden für blöd verkauft» – Doping-Experten glauben nicht an Einzeltäter-Theorie

Langläufer sollen ohne das Wissen ihrer Trainer gedopt haben? Anti-Doping-Experten halten dies für unglaubwürdig. Den erwischten Athleten drohen wegen Sportbetrug Haftstrafen von bis zu drei Jahren – den Drahtziehern noch längere Strafen.



«Lächerlich, die Leute werden für blöd verkauft.» Das sagte der österreichische Dopingbekämpfer Wilhelm Lilge zur Nachrichtenagentur APA zur Behauptung, dass angeblich niemand aus dem Betreuerteam der österreichischen Langläufer Dominik Baldauf und Max Hauke etwas bemerkt haben will, dass die beiden betrogen.

«Es ist undenkbar, dass Trainer, die immer dabei waren, nichts mitbekommen haben. Das betreuende Umfeld muss hier etwas mitbekommen haben», so Lilge. Gemäss dem Leichtathletik-Trainer und Buch-Autor findet durch Eigenblut-Doping eine gewaltige Verbesserung eines Sportlers statt. «Man hat innerhalb von Stunden einen Leistungssprung, der weit über dem liegt, was man mit Training in kurzer Zeit erreichen kann. Das muss auffallen.»

«Letzte paar Prozent bedeuten einen Riesenunterschied»

Auch ARD-Dopingredaktor Hajo Seppelt hält «die klassische Einzeltäter-Theorie» für falsch. «Es ist doch reichlich merkwürdig, dass niemand im ÖSV etwas vom Doping mitbekommen hat», sagte er. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hatte das Handeln der Athleten mit dem Leben von Eltern mit Kindern verglichen. «Wie verhindern sie es, wenn ein Kind Drogen nimmt?», fragte Schröcksnadel und antwortete gleich selber: «Das wächst im Geheimen. Die Eltern erfahren es als Letzte.»

Auf höchstem Niveau sind die Leistungen der Sportler oft sehr ähnlich, wenig macht die Differenz zwischen Sieg und Niederlage aus. «Die letzten paar Prozent bedeuten in der Weltspitze einen Riesenunterschied», betont daher Experte Lilge. Bei diesen paar Prozent handle es sich um den Unterschied zwischen Mitläufern und Medaillengewinnern. Allerdings: Die zwei nun mit Doping erwischten Österreicher waren trotzdem weit von den Medaillen entfernt, sie waren im wahrsten Sinne des Wortes Mitläufer.

Haukes Aussagen vor Jahresfrist

Max Hauke, einer der beiden, hatte sich vor einem Jahr bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang noch dezidiert gegen Doping ausgesprochen. «Ich mache Langlauf, weil es das Schönste auf der Welt ist», sagte Hauke damals zur APA. Mit dem Dopingthema wolle er sich gar nicht zu sehr auseinandersetzen, «weil sonst ist man im Endeffekt irgendwie immer bedrückt.»

Das dauernde Hinterfragen, ob es sich um natürliche Leistungen handle oder nachgeholfen werde, zermürbe auf Dauer. «Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, ich bin sauber, ich mache das sauber und ich möchte meine Leistungen einfach bringen, aber mich nicht zu viel mit dem Thema auseinandersetzen.» Entweder log Hauke damals oder er hat seine Meinung in der Zwischenzeit geändert.

Ins Gefängnis wegen Sportbetrug

Nun drohen den fünf in Seefeld erwischten Sportlern bis zu drei Jahre Haft. Sie könnten wegen Sportbetrugs angeklagt werden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck. Noch sei keiner der Inhaftierten auf freiem Fuss. Bis spätestens Freitagmittag müsse entschieden werden, ob sie in Untersuchungshaft kommen.

Den Drahtziehern – dem deutschen Sportarzt Mark Schmidt und seinen Komplizen – drohen Haftstrafen von bis zu zehn Jahren. Sie könnten in Deutschland nach dem Arzneimittel- oder nach dem Dopinggesetz angeklagt werden. Andere Sportler, die mit dem Netzwerk möglicherweise in Verbindung stehen, wurden nach Behördenangaben noch nicht ausgeforscht.

Der 40-jährige Schmidt, einst schon als Teamarzt der Rad-Equipe Gerolsteiner in Dopinggeschichten verwickelt, betreute nach vor einigen Jahren getätigter eigener Aussage zwischen 50 und 60 Sportler regelmässig: in erster Linie Schwimmer, Radsportler, Fussballer, Handballer und Leichtathleten. Das österreichische Bundeskriminalamt hatte von einer weltweit und seit Jahren tätigen kriminellen Organisation gesprochen, welche man zerschlagen habe.

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Resistance 01.03.2019 13:47
    Highlight Highlight Man kan bei so einer übermenschlichen leistung davon ausgehen das die meisten gedopt sind!
    Nur diese „Trottel“ haben sich erwischen lassen...
  • Der Rückbauer 01.03.2019 08:02
    Highlight Highlight Einzeltäter? Hihi. Fuentes lässt grüssen! Alles schon wieder vergessen?
  • Lucas29 28.02.2019 21:06
    Highlight Highlight Beim Material, Ernährung etc. wird alles optimiert, wieso dann nicht auch beim Körper? Schliesslich bezahlen die Sportler aus eigener Tasche (oder der des Teams). Wenn man Höchstleistung will, muss man auch etwas dafür tun...
  • kaderschaufel 28.02.2019 18:37
    Highlight Highlight Wow, ins Gefängnis wegen Doping? Also ich finde das ja schon angebracht, aber ich habe noch nie von einem Radfahrer gehört, der wegen Doping ins Gefängnis musste.
    • Lucas29 28.02.2019 21:08
      Highlight Highlight Doch gabs auch schon und wenn sie nicht ins Gefängnis gehen, dann zahlen sie eine schöne Summe in die Staatskasse ein!
  • Kommentareschreiber 28.02.2019 17:11
    Highlight Highlight Lasst das Doping doch zu. Dann wird's wieder Spannend, statt nur ewiges Gekeiffe und Verdächtigungen.
    • victoriaaaaa 28.02.2019 18:54
      Highlight Highlight Interessanter Gedanke, einerseits bestimmt nicht schlecht, weil dann alle mit offenen karten spielen würden, und es könnte eine diskussion geben welche methode wie effektiv ist, etc. ist beim wettrüsten der skier/velos/etc. nicht viel anderst, aber es gibt da schon ein grosses ABER: Doping ist nicht ungefährlich, es schadet dem Körper, und weil bei einer Erlaubnis jeder gedopt sein müsste um mithalten zu können, wären „unschuldige“ betroffen, die ohne such ohne jegliches einnehmen von gefährlichen substanzen erfolgreich sein wollen. Zudem würde so enorm viel Geld an die pharmafirmen etc kommen
    • Der Rückbauer 01.03.2019 08:51
      Highlight Highlight Kommentareschreiber: Findest Du Beerdigungen spannend? Ich nicht, höchstens die Frage, wenn dann als nächster umfällt. Für Go/eld würden viele (noch mehr) sterben.
  • Staedy 28.02.2019 16:11
    Highlight Highlight Nun so sind die Österreicher einfach. Sauber wegschauen, immer und überall und wenn was passiert, jo mei i hob des ned gwusst. Des hob i nid gshen. Des is a riesen sauerei, des mues bestraft werden. Am nächsten Tag ist alles vergessen und man geht wieder zur Tagesordnung. Schaut in der Geschichte zurück, es war schon immer so.
  • salamandre 28.02.2019 16:06
    Highlight Highlight Gedopt wird sogar beim Volkslauf, um besser als der Nachbar zu sein und auch der allerletzte Doper hat gelogen bis ihm alles um die Ohren flog.
    • Biotop 28.02.2019 18:30
      Highlight Highlight @salamandre: Bewerben Sie sich als Dopingfahnder für Volksläufe. Der Hobbysportler entscheidet autonom was er konsumiert und ist diesbezüglich niemandem Rechenschaft schuldig.
    • ReziprokparasitischerSymbiont 28.02.2019 19:37
      Highlight Highlight Viele Volksläufer dopen sogar unwissentlich, da sie sich nicht bewusst sind das z.B. viele (teilweise rezeptfrei erhältliche) Medikamente auf der Dopingliste stehen.
  • N. Y. P. 28.02.2019 14:33
    Highlight Highlight «Man hat innerhalb von Stunden einen Leistungssprung, der ... ...Das muss auffallen.»

    Genau !

    Die Trainer müssen Bescheid gewusst haben. AUCH ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel weiss Bescheid. Sonst würde er nicht urkomische Sätze rauslassen wie :

    "Die Athleten sind Trottel."

    Was für ein dämlicher Satz.

    Besser wäre : Wir tolerieren kein Doping.

    Item.

    Letzthin ein hochpopulärer Radprofi (jetzt ex-) der CH nach zwei erwischten Radprofis :

    "Diese Idioten !"

    Genau der gleiche Sprech wie Schröcksnadel.

    NIE kommen Sätze wie " Wir sind sauber. Wir wollen kein Doping."
    • saukaibli 28.02.2019 15:31
      Highlight Highlight Die Aussage mit den Trotteln hat er schon richtig gesagt aus seiner Sicht. Diese Trottel haben sich erwischen lassen ist das, was er vermutlich damit gemeint hat.
    • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 28.02.2019 17:26
      Highlight Highlight Eigentlich sagen die ja damit: "Wir wollen nichts mehr mit Dir zu tun haben wenn Du Dich erwischen lässt"

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