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Bildnummer: 02475808  Datum: 01.07.1981  Copyright: imago/Thomas Zimmermann
Rolf Biland und Kurt Waltisperg (beide Schweiz); Seitenwagen, Seitenwagenrennen, sidecar,  Vdia, quer, Freisteller Weltmeisterschaft 1981, Motorrad, Motorradrennen, Motorradrennsport, Motorradsport Aufnahmedatum gesch

Biland/Waltisperg 1981, dem Jahr ihres ersten gemeinsamen WM-Titels. bild: imago/thomas zimmermann

«Sportpanorama»-Held Rolf Biland feiert 70 Jahre Vollgas

Rolf Biland wird heute 70 Jahre alt. Der Pilot des legendären Seitenwagen-Duos Biland/Waltisperg wirkt so, als sei die Zeit stehen geblieben.



Eigentlich wollte Rolf Biland seinen runden Geburtstag heute mit einer Party auf dem Gelände des TCS-Fahrzentrums im neuenburgischen Lignières feiern. Mit den alten Kumpels und natürlich ein bisschen Motorenlärm. «Aber das ist halt nicht möglich. Nun hat mich meine Frau zu einem Wellness-Aufenthalt in Bad Ragaz eingeladen», sagt er. Dorthin komme zur Feier des Tages auch Louis Christen vorbei. Um in Erinnerungen zu schwelgen.

Christen aus Rheineck ist der geniale Konstrukteur der LCR-Gespanne, die 14 WM-Titel herausgefahren haben und über Jahre auch von Rolf Biland eingesetzt worden sind. Biland ist 70 und wirkt höchstens ein wenig älter als 50 Jahre. Drahtig, energiegeladen und noch immer mit dem Kampfgewicht – weniger als 65 Kilo – aus seiner Aktivzeit. Er mag nicht klagen. Bis auf eine kleine Operation, um eine Verengung in der Nase zu beheben, habe er keinerlei Beschwerden.

Das, liebe Kinder, sind Seitenwagen-Rennen. Video: SRF

Nur die Virus-Krise verhindert, dass er nicht auch dieses Jahr nach England zu Veteranen-Gespannrennen fährt. So wie zuletzt vor zwei Jahren. Er hofft, dass es bald wieder möglich sein wird. «Die alten Freunde sind bei diesen Veranstaltungen dabei. Und ja, es wird dann noch immer ganz ordentlich Gas gegeben …» Man könne halt nicht anders. Er geniesst in England nach wie vor allerhöchste Verehrung.

Beim Debüt gleich schneller als der Mentor

Rolf Biland ist nach wie vor gelegentlich in Lignières anzutreffen. Nach seinem Rücktritt vor 25 Jahren hat er dort unter anderem als Instruktor und Kursleiter im Dienst des TCS und als Event-Organisator eine neue Herausforderung gefunden. Seiner Heimat ist er stets treu geblieben, er lebt mit seiner Frau Gil nach wie vor im Berner Seeland und sagt: «Es gibt keine schönere Gegend.»

So schliesst sich der Kreis. Auf dem zu diesem Zentrum gehörenden Rundkurs hatte er 1971 als Beifahrer von Fritz Hänzi im Rennsport debütiert. Als ihn Hänzi auch ein paar Runden fahren lässt, ist er sogleich schneller und die Freunde raten, fortan Rolf Biland an den Lenker des Seitenwagens zu setzen. Was dann auch geschieht.

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Spektakulärer Crash 1994 in Hockenheim. Biland/Waltisperg gewinnen und werden Ende Saison ein letztes Mal Weltmeister. Charly und Paul Güdel fahren im GP die schnellste Runde. Video: YouTube/ARV factory

Im hohen Alter hat der beste Gespannfahrer aller Zeiten den Spass am Solotöff entdeckt. Bei einer Racing-for-Fun-Veranstaltung auf der französischen Rennstrecke von «Anneau du Rhin» stürzt er im Juli 2019 mit einer 1000er-Honda schwer und zieht sich einen Becken- und Schambeinbruch zu. Deswegen steigt er nicht aus dem Sattel: «Ich fahre seither lieber eine etwas kleiner 600er-Yamaha.»

Nur vier Piloten gewannen mehr WM-Rennen

Ist er der grösste Schweizer Rennfahrer aller Zeiten? Ja, zweifelsfrei. Seine Erfolge und die Dauer seiner Karriere (zwischen 1974 und 1997 während 22 Jahren auf höchstem Niveau) stellen jeden anderen Schweizer – sogar Luigi Taveri oder Jo Siffert – in den Schatten.

Die ewige Rangliste der GP-Sieger mag statistisch seine Grösse zeigen. Alle Piloten, die vor Biland klassiert sind, haben über mehrere Jahre in mehreren Kategorien Siege herausgefahren:

  1. Giacomo Agostini 122 GP-Siege
  2. Valentino Rossi 105 GP-Siege
  3. Angel Nieto 90 GP-Siege
  4. Marc Marquez 82 GP-Siege
  5. Rolf Biland 81 GP-Siege
  6. Mike Hailwood 76 GP-Siege
  7. Mick Doohan 54 GP-Siege
Die beiden Ex-Motorsportprofis, Rolf Biland, Seitenwagen Weltmeister, links, und Formel Eins Pilot Marc Surer, rechts, unterhalten sich am Samstag, 2. November 2002, am ersten Handicapped Day in Bonaduz, GR. Mit viel Sportprominenz und Taufgoetti Silvano Beltrametti wurde am Samstag in der Karthalle in Bonaduz, GR, der erste Handicapped Day mit zwei speziell fuer Behinderte umgebaute Karts durchgefuehrt. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Rolf Biland (links) beim Fachsimpeln mit dem ehemaligen Formel-1-Rennfahrer Marc Surer. bild: keystone

Wäre Rolf Biland Autorennfahrer geworden, hätte er wahrscheinlich ein Formel-1-Star werden können. Später ist er tatsächlich kurz auf vier Räder umgestiegen. Am 22. Mai 1983 rast er im Team von Markus Hotz in der Formel 2 (damals nach der Formel 1 die zweitwichtigste Serie) auf Platz 6. Aber das Geld für die Formel 1 war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aufzutreiben.

Sieben WM-Titel, sechs als Duo Biland/Waltisperg

Der gelernte Automechaniker Biland ist seiner Zeit voraus. Zu gut. Zu schnell. Auf gleichwertigem Material wird er gut 20 Jahre lang eigentlich nie regulär besiegt. Er will immer und in jedem Fall gewinnen. Ein Besessener. Er kommt nie zur Ruhe, gibt sich nie zufrieden und sucht immer und immer wieder den noch extremeren Kick. Deshalb gewinnt er «nur» 81 Grand Prix (116 Podestplätze) und sieben WM-Titel (1978, 79, 81, 83, 92, 93 und 94), sechs davon mit seinem «Plampi» Kurt Waltisperg.

Er hätte 14 Titel holen und 130 Rennen gewinnen können, wenn er «normal» und nicht im besten Sinne des Wortes «verrückt» gewesen wäre. Er experimentiert mit Motoren und Fahrwerken und verliert Titel gegen Rivalen, die ihn Rad an Rad nicht besiegen können, ihre Saison nur darauf ausrichten, jedes Mal in der Spitzengruppe ins Ziel zu kommen und nie auszufallen (Egbert Streuer, Werner Schwärzel, Steve Webster, George O'Dell).

Fluchthilfe aus dem Eisernen Vorhang

Aber ein Rock'n'Roller wie viele seiner Konkurrenten ist er auch in den wilden 1970er- und 1980er-Jahren nie. In einer Zeit, in der die Haare lang, die Musik laut, die Rennerei gefährlich und der Sex sicher sind. Mit dem Wert, den er stets auf genügend Schlaf und Fitness-Training legt, ist er seiner Zeit voraus. Aber ab und an schlägt er schon ein wenig über die Stränge. In den 1970er-Jahren schmuggelt er in der Toilette des Teamlasters nach dem GP der Tschechoslowakei einen Flüchtling in die westliche Freiheit.

Sein grösster Triumph ist nicht in den Rekordbüchern vermerkt. Am 30. April 1988 ist er in Jerez schneller als die Pole-Position der Königsklasse (500 ccm) von Eddie Lawson. Das hat es vorher nie gegeben und wird es nie mehr geben. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist er in den 1980er-Jahren so populär wie die Titanen der «Königsklasse».

Rolf Biland, links, besucht am 9. September 1987 im Spital in Neuenburg seinen Motorradrennfahrer-Kollegen Jacques Cornu. Cornu zog sich beim letzten WM-Lauf in Anderstorp in Schweden einen dreifachen Beckenbruch zu. (KEYSTONE/Str)

Töff-Legenden unter sich: Biland besucht 1987 Jacques Cornu im Spital, wo er nach einem dreifachen Beckenbruch gelandet ist. bild: keystone

Vielleicht wäre er nie der Grösste aller Zeiten in seiner Klasse geworden, wenn er besonnener, berechnender, kurzum «normal» gewesen wäre.

Im Herbst 1997 tritt Rolf Biland vom aktiven Rennsport zurück. Er bleibt noch zwei Jahre bis 1999 als Teamchef in der «Königsklasse» dem GP-Zirkus verbunden: Er managt das MUZ-Team, das die von Urs Wenger in Burgdorf gebauten Motoren einsetzt.

«Es war eine wunderbare Zeit»

In seinen besten Jahren hat er mehr als 200'000 Franken verdient. Aber er kann heute nicht von den Zinsen leben wie einige seiner einstigen Rivalen. Er hat in erster Linie seine vielen Berater, Manager und Material-Lieferanten reich gemacht. Er steckte seine Kohle halt lieber in technische Experimente, als das Geld auf die Bank zu tragen.

Das macht ihm wenig aus. Zum Leben reicht es trotzdem bei weitem und er hat dafür intensiver gelebt als alle anderen. Er sagt, er hätte dies und das wohl anders und besser machen können. Aber er ist mit sich, seiner Karriere und seinem Leben im Reinen. «Es war eine wunderbare Zeit und wir hatten alle unseren Spass.»

Noch so ein «Sportpanorama»-Ding in den 80er- und 90er-Jahren:

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