Wird in den USA ein neues Sport-Stadion eröffnet, setzt dies meist neue Massstäbe. Es sind hochmoderne Arenen, in denen alles immer etwas grösser sein, bahnbrechende Technik enthalten und besser als alles andere bestehende sein muss. Natürlich ist dies auch bei den Los Angeles Clippers so.
So ist der Bildschirm wie im Football-Stadion in der Stadt oval und geht rund um das Feld. Rund 4000 Quadratmeter ist dieser gross und kann neben Statistiken und Informationen einzelner Spieler auch tolle Spezialeffekte zeigen, um beispielsweise den Beginn des Spiels oder der zweiten Halbzeit anzukünden. Auch für Unterhaltung in den Pausen wird mithilfe des Bildschirms gesorgt.
This is how the LA Clippers transitioned out of halftime to the third quarter at the Intuit Dome. Sounded very intense in person, but what do you think? pic.twitter.com/FVOAuFvJLo
— Farbod Esnaashari (@Farbod_E) October 15, 2024
Dennoch ist die neue Clippers-Arena anders als viele andere US-Stadien. Hier geht es nämlich vor allem um den Sport. Darauf legte Team-Besitzer Steve Ballmer viel Wert, wie er vor dem ersten Spiel im Intuit Dome – in der Nacht auf Dienstag gewannen die Clippers ein Vorbereitungsspiel gegen Dallas 110:96 – in der CBS-Sendung 60 Minutes erklärte.
«Ich hasse anstehen», sagte Ballmer und berichtete stolz, dass es für die 18'000 Zuschauerinnen und Zuschauer 1400 Toiletten gibt. Ausserdem sind die Getränke- und Essensstände kontaktlos, sodass sich die Fans ihre Verpflegung gleich selbst nehmen und dann bezahlen können. Das Ziel ist, dass die Leute an ihren Plätzen sind, anstelle irgendwo anstehen zu müssen, während das Spiel läuft. Dies ist nämlich schade für die Fans und sieht auch im Fernsehen blöd aus, wenn es viele leere Plätze gibt.
Zudem gibt es keine Sportbar und die Logen sind auch sehr spärlich ausgestattet. Vor dem Stadion gibt es ein frei zugängliches Basketball-Feld, wo sich auch die Fans auf das Spiel einstimmen können. Alles zeigt: Hier geht es um Basketball. In Europa würde man sagen, dass es ein Stadion für Liebhaber des Sports und nicht für Eventfans ist.
Der europäische Einfluss im neuen Clippers-Stadion ist auch in «The Wall» spürbar. Hier sollen die Fans ähnlich wie beispielsweise in Liverpool oder Dortmund auf einer steilen Tribüne aus 51 ununterbrochenen Reihen für eine besondere Atmosphäre sorgen. Einmalig im US-Profisport ist auch, dass auf «The Wall» nur Heimfans erlaubt sind. Wer den Gegner anfeuert oder Fanartikel dieses trägt, fliegt raus.
Was überrascht, sind die Preise. Eine Saisonkarte für «The Wall» kostet 1300 Dollar. Auf 41 Heimspiele gerechnet, sind dies gut 30 Dollar oder 27 Franken. Gerade für Los Angeles sind diese Preise ziemlich tief, zumal ab der 3. Reihe freie Platzwahl herrscht. Wer früh kommt, darf also fast an der Seitenlinie sitzen – normalerweise kosten diese Plätze mehrere tausend Dollar.
Ballmer hofft darauf, dass die dadurch bessere Stimmung auch dabei hilft, Spiele zu gewinnen. Um den Heimvorteil zu verbessern, gibt es auch Anreize für die Fans. So kann im Intuit Dome gemessen werden, wer am lautesten ist. Der Clippers-Besitzer deutete an, dass der lauteste Fan beim nächsten Spiel beispielsweise einen Gratis-Hamburger oder Rabatte im Fanshop erhält.
Dass sich der bei den Fans beliebte Ballmer dies alles leisten kann, liegt an seinem Vermögen von geschätzt rund 126 Milliarden Dollar. Von 2000 bis 2014 war er CEO von Microsoft, dann übernahm er das NBA-Team aus Los Angeles für zwei Milliarden Dollar von Donald Sterling, der aufgrund öffentlich gewordener rassistischer Äusserungen zum Verkauf gezwungen wurde.
Seither war es sein Traum, den Clippers ein eigenes Zuhause zu bauen. Zuvor spielte das als «kleiner Bruder» belächelte Team im gleichen Stadion wie die grossen Los Angeles Lakers. Bei Heimspielen mussten die titellosen Clippers jeweils die Meisterschaftsbanner der Lakers abdecken, damit es nicht so sehr wirkte, als ob sie in einem fremden Stadion spielen würden. Damit ist nun Schluss.
In der nächsten Woche beginnt die neue NBA-Saison, in der Nacht auf Donnerstag stehen die Los Angeles Clippers gegen die Phoenix Suns im Einsatz. Und zwar gleich in ihrer neuen Arena. Dann wird natürlich auch Sport-Enthusiast Steve Ballmer an der Seitenlinie sitzen und mit seinem Team aufgeregt mitfiebern – gemeinsam mit bis zu 18'000 Fans.