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NFL: Tua Tagovailoa will sich trotz Gehirnerschütterungen nicht schützen

Miami Dolphins quarterback Tua Tagovailoa (1) throws before an NFL football game against the Buffalo Bills, Thursday, Sept. 12, 2024, in Miami Gardens, Fla. (AP Photo/Rebecca Blackwell)
Kehrt heute aufs Football-Feld zurück: Miami-Quarterback Tua Tagovailoa.Bild: keystone

NFL-Star erlitt drei Gehirnerschütterungen – wirklich schützen will er sich trotzdem nicht

Aufgrund wiederholter Kopfverletzungen rieten Ex-Profis und Trainer in der NFL dem Dolphins-Quarterback zum Rücktritt. Tua Tagovailoa kehrt aber erneut aufs Feld zurück – die Möglichkeiten, sich vor weiteren Schäden zu schützen, nimmt der 26-Jährige nicht wahr.
23.10.2024, 12:1123.10.2024, 13:50
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Wenn ein Spieler von einer Verletzungspause zurückkehrt, ist das erst einmal eine gute Nachricht. Bei Tua Tagovailoa sind sich da viele aber nicht so sicher. Der Quarterback der Miami Dolphins erlitt im zweiten Spiel dieser Saison eine Gehirnerschütterung. Es war bereits die dritte innerhalb der letzten zwei Jahre, ausserdem verletzte er sich ein weiteres Mal am Kopf.

Nachdem er das Spiel gegen die Buffalo Bills nicht zu Ende spielen konnte, riet ihm deshalb unter anderem Antonio Pierce zum Rücktritt. «Es ist es nicht wert», sagte der Trainer der Las Vegas Raiders damals, «er lebt länger, als er Football spielt». Deshalb sollte er seine Gesundheit nicht aufs Spiel setzen. Ex-Receiver Dez Bryant forderte gar die NFL zum Handeln auf: «Tut das Richtige. Tua hatte viel zu viele Gehirnerschütterungen, er muss um seiner Gesundheit willen zurücktreten.»

Ein Rücktritt war für Tagovailoa jedoch nie ein Thema, wie er in dieser Woche erklärte. «Ich liebe dieses Spiel, ich liebe es bis zu meinem Tod», sagte der 26-Jährige, der im Sommer einen neuen Vierjahresvertrag über 212 Millionen Dollar unterschrieben hat. 167 Millionen davon erhält er in jedem Fall. Heute Mittwoch will Tagovailoa erstmals wieder trainieren, am Sonntag soll er im Spiel gegen die Arizona Cardinals nach gut sechs Wochen sein Comeback feiern.

Angst vor Langzeitschäden

Die Bilder von vor zwei Jahren sind noch jedem American-Football-Fan im Kopf. Nachdem er im Spiel gegen Buffalo mit dem Kopf auf dem Feld aufgeschlagen hatte, war Tua Tagovailoa auf Hilfe angewiesen, um sich auf seinen wackligen Beinen zu halten. Die Ärzte konnten keine Gehirnerschütterung feststellen, weshalb der Quarterback später ins Spiel zurückkehrte. Tagovailoas Probleme wurden mit einer Rückenverletzung erklärt. Vier Tage später stand er in Cincinnati dann erneut auf dem Feld – und prallte wieder hart mit dem Kopf auf.

Dieses Mal gab es keine Zweifel mehr daran, dass Tagovailoa eine Gehirnerschütterung erlitten hat. Wenige Augenblicke nach dem Aufprall hielt er sich noch am Boden liegend die Hände vors Gesicht – die Finger in alle möglichen Richtungen gestreckt. Der Samoaner pausierte in der Folge fast einen Monat. Später in der Saison zog er sich eine zweite Gehirnerschütterung zu.

Miami wurde für das Vorgehen in den Spielen gegen Buffalo und Cincinnati harsch kritisiert, wobei die Dolphins von der NFL nach einer Untersuchung entlastet wurden. Sie hätten das bei einer vermuteten Gehirnerschütterung vorgesehene Protokoll korrekt befolgt, befand die Liga. Die Regeln wurden jedoch angepasst, sodass ein Spieler mit «grobmotorischer Instabilität», wie sie bei Tagovailoa bereits im ersten Spiel festzustellen war, nicht mehr aufs Feld zurückkehren darf.

Die NFL ist in der Hinsicht in den letzten Jahren deutlich vorsichtiger geworden. 2012 wurde die Liga von über 1000 ehemaligen Profis verklagt, weil sie nicht ausreichend vor Kopfverletzungen geschützt wurden. Auch das Thema CTE erhielt zuletzt immer mehr Aufmerksamkeit. CTE ist die Abkürzung für chronisch-traumatische Enzephalopathie, die durch häufige Schläge und Stösse auf den Kopf ausgelöst werden kann. Betroffene leiden unter Gedächtnisverlust, Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen, teilweise aber auch unter Depressionen oder Angststörungen.

Lieber eine Verletzung als blöd auszusehen

Um das Risiko von Gehirnerschütterungen und auch Krankheiten wie CTE zu verringern, wurde zu dieser Saison das Tragen von sogenannten «Guardian Caps» auch in Pflichtspielen erlaubt. Dabei handelt es sich um Schutzkappen, welche die Spieler über ihrem Helm tragen können. Schon seit 2022 sind gewisse Positionsgruppen wie die Offensive und Defensive Line verpflichtet, diese «Guardian Caps» in den Trainings vor Saisonbeginn zu tragen.

Um bis zu 33 Prozent soll der Aufprall dadurch reduziert werden, gemäss der NFL zeigen Studien eine Reduktion von über 10 Prozent des Risikos von Gehirnerschütterungen. Tragen beide Spieler eine solche, würde sich das Risiko gar um über ein Fünftel verringern.

Dennoch nutzen nur sehr wenige NFL-Profis diesen Schutz. In einer anonymen Umfrage von «The Athletic» führten einige Spieler das «unnötige Zusatzgewicht» oder den Mangel an «Tragekomfort» als Grund auf. Während diese Begründungen noch plausibel erscheinen, sagte ein anderer schlicht: «Ich werde es nie tragen. Und das nur wegen des modischen Aspekts, obwohl es ein guter Schutz für den Kopf ist.» In den Augen vieler gehört das Risiko von Gehirnerschütterungen und Kopfverletzungen einfach zum American Football dazu.

October 21, 2024, Tampa, Florida, USA: Tampa Bay Buccaneers offensive tackle Luke Goedeke 67 wears a guardian cap, while he waits for the ball to be snapped and to block a Ravens defender during the f ...
Einer der wenigen «Guardian Cap»-Träger: Offensive Tackle Luke Goedeke von Tampa Bay.Bild: www.imago-images.de

So auch für Tua Tagovailoa. Es sei ein «persönlicher Entscheid», auf die «Guardian Caps» zu verzichten, sagte er am Montag zu den Medien, ohne einen spezifischen Grund anzugeben. Der Dolphins-Quarterback befand lediglich, dass überall im Leben ein gewisses Risiko dabei sei: «Wenn wir mit dem Auto zur Arbeit fahren, riskieren wir einen Unfall.» Selbst beim Aufstehen könne man sich mit einer blöden Bewegung den Knöchel verstauchen.

Obwohl er schon mehrmals Opfer solcher Verletzungen wurde, ist er «bereit, dieses Risiko einzugehen». Um dieses immerhin ein bisschen zu reduzieren, fing Tagovailoa nach seinen ersten beiden Gehirnerschütterungen mit Jiu-Jitsu an, um das Fallen zu üben und um sich besser schützen zu können.

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11 Kommentare
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Nathan der Weise
23.10.2024 13:57registriert Juli 2018
Tut mir leid für Tua. Hat schon so oft auf den Kopf bekommen, dass er nun nicht mehr klar denken kann und rationale Entscheidungen treffen kann.
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    Petteri Puhakka kommt – ein Leitwolf oder ein Schillerfalter für Kloten?
    Die Gerüchte sind Wirklichkeit geworden: Petteri Puhakka hat in Kloten als Ersatz für Niko Ojamäki unterschrieben. Die Tinte unter dem Vertrag ist trocken. Nun lautet die bange Frage: Ein Leitwolf wie einst Felix und Denis Hollenstein oder bloss ein billiger Schillerfalter?

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