Nach einer sehr schwachen Rookie-Saison mit nur 2 Siegen aus 17 Spielen war die Hoffnung bei vielen gross, dass sich Quarterback Bryce Young unter dem neuen Trainer Dave Canales steigern wird. Schliesslich machte sich dieser als Offensiv-Koordinator bei Tampa Bay verdient und sollte nun den ersten Pick des NFL Draft 2023 aufpäppeln. Nach zwei Wochen stellt sich bei den Fans der Carolina Panthers jedoch Ernüchterung ein.
Nach der 10:47-Klatsche in New Orleans verlor Carolina nun 3:26 gegen die Los Angeles Chargers, die damit auch ihr zweites Spiel unter dem neuen Trainer Jim Harbaugh gewannen. Erneut wirkte Bryce Young verunsichert, ängstlich und schlicht überfordert. Zwar brachte der 23-Jährige 18 seiner 26 Pässe an den Mitspieler, doch resultierten daraus lediglich 84 Yards Raumgewinn und kein Touchdown. Young wirft kaum lange Bälle – und wenn er dies doch tut, dann ist das Resultat meist kein gutes. Wie bei seiner Interception gegen die Chargers.
we'll take that
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Das Publikum reagierte auf den Fehler des Quarterbacks mit lauten Buhrufen. Auch später wurde Young, der nach zwei Spieltagen mit Abstand das schlechteste Quarterback-Rating aufweist, immer wieder ausgebuht. Einige Fans der Panthers trugen Papiertüten auf dem Kopf. Einerseits, um nicht weiter dabei zuzusehen, was ihr Lieblingsteam auf dem Platz veranstaltet. Andererseits, damit sie sich nicht öffentlich als Carolina-Fans outen müssen.
Doch auch bei den Spielern stieg der Frust weiter. Als Adam Thielen bei einem Spielzug völlig frei war, von Young aber nicht angespielt wurde, ärgerte sich der 34-jährige Wide Receiver sichtlich. Später entschuldigte sich Thielen bei Young und erklärte, dass er nicht spezifisch wegen seines Mitspielers wütend war. Ausserdem stellte er klar: «Ich liebe Bryce. Er arbeitet hart und ist ein grossartiger Spieler. Das ist kein Bryce-Young-Problem, es ist ein Team-Problem.»
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Auch Trainer Canales stellte sich hinter Young, als er danach gefragt wurde, ob dieser Carolinas Stamm-Quarterback bleiben werde. Je länger der kleingewachsene Young – mit 1,78 m ist er zusammen mit Kyler Murray der kleinste Quarterback der NFL – und mit ihm die Panthers jedoch Probleme haben, desto schwieriger wird es für Canales und Co., an ihm festzuhalten und Young gegenüber seinem erfahrenen Backup Andy Dalton den Vorzug zu geben.
Zumal neben den Fans und den Mitspielern auch Team-Besitzer David Tepper zunehmend unzufrieden sein dürfte. Der Multimilliardär mischt sich immer wieder in sportliche Entscheidungen ein und war wohl massgeblich daran beteiligt, dass Young im Draft vor dem in Houston brillanten C. J. Stroud ausgewählt wurde. Auch deshalb äusserten die Fans am Sonntag erneut ihren Unmut über Tepper und forderten ihn auf, die Panthers zu verkaufen. Die Hoffnung auf Besserung Youngs und des Teams ist bereits nach zwei Spielen der neuen Saison verflogen.
Auch für die Baltimore Ravens begann die Saison sehr enttäuschend. Nach der Niederlage gegen Titelverteidiger Kansas City zum Auftakt musste sich der Mitfavorit nämlich auch den Las Vegas Raiders geschlagen geben. Die 23:26-Niederlage für Baltimore war eine faustdicke Überraschung. Den Ravens um Quarterback Lamar Jackson gelang es nie so recht, sich abzusetzen, doch führten sie knapp zehn Minuten vor Schluss immerhin mit zehn Zählern.
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Dann blieb Baltimore aber in drei Drives in Serie ohne Punkt, während den Raiders erst ein Field Goal, dann durch einen Pass von Gardner Minshew auf Davante Adams der Ausgleich und 27 Sekunden vor Schluss durch ein weiteres Field Goal von Kicker Daniel Carlson die Wende gelang. Damit feierte Las Vegas, angeführt von einem überragenden Davante Adams, mit 110 Yards Raumgewinn den ersten Sieg in der neuen Saison.
MINSHEW TO DAVANTE FOR SIX! All tied up in Baltimore.
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Ebenfalls eine überraschende Niederlage erlitt Super-Bowl-Verlierer San Francisco in Minnesota. Dabei taten sich die 49ers ungewohnt schwer, zu skoren – auch weil Quarterback Brock Purdy sechsmal gesackt wurde. Bis zum vierten Viertel hatte San Francisco nur sieben Punkte auf dem Konto. Ernsthaft gefährden konnten die Gäste die Minnesota Vikings auch mit einem weiteren Touchdown im Schlussabschnitt nicht.
Dies lag vor allem am einmal mehr grandiosen Wide Receiver Justin Jefferson und dem starken Quarterback Sam Darnold – die beiden sorgten mit einem 97-Yard-Touchdown auch gleich für das Highlight des Tages. So fuhren die Vikings einen 23:17-Erfolg ein und stehen nach zwei Partien überraschend bei zwei Siegen.
JUSTIN JEFFERSON 97 YARD TUDDY!!!!!!!!! pic.twitter.com/0PJs9mheCK
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Mit den Detroit Lions musste ein weiterer Titelkandidat eine Niederlage einstecken. Gegen die Tampa Bay Buccaneers unterlag Detroit 16:20, wodurch sich die Floridianer für die Viertelfinal-Niederlage vom Januar revanchieren konnten. Die Touchdowns für die Bucs erzielten Wide Receiver Chris Godwin, der mit zusätzlich 117 Yards Raumgewinn eine überragende Partie machte, sowie Quarterback Baker Mayfield mit einem Lauf. Sein Gegenüber Jared Goff erlebte mit zwei Interceptions einen schwachen Tag. Wie die Vikings steht auch Tampa Bay etwas überraschend bei zwei Siegen ohne Niederlage.
Die Kansas City Chiefs haben bei vielen NFL-Fans den Ruf, oft von Schiedsrichter-Entscheiden zu profitieren. Für diese Fans war der 26:25-Sieg der Chiefs über die Cincinnati Bengals natürlich Wasser auf die Mühlen. Beim Stand von 25:23 für die Gäste aus Ohio kurz vor Schluss wurden die Chiefs von den Schiedsrichtern nämlich im Spiel gehalten.
Bei einem vierten Down von Kansas City und noch 48 Sekunden zu spielen entschieden diese nämlich auf Pass Interference von Cincinnati-Rookie Daijahn Anthony. Damit kam das Team um Patrick Mahomes, der für seine Verhältnisse ein eher schwaches Spiel machte, direkt in Reichweite für ein Field Goal. Wenig später verwandelte Kicker Harrison Butker ein solches bei Ablauf der Spielzeit, wodurch die Bengals keine Zeit mehr hatten, um zu reagieren. Ohne die Strafe der Schiedsrichter hätten die Bengals um Quarterback Joe Burrow, der zwei Touchdown-Pässe warf, gewonnen.
"It's the right call, he got there early." - Tony Romo pic.twitter.com/MFVXuzWJmd
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Nach der Partie enervierten sich viele Fans über den Schiedsrichter-Entscheid, doch äusserten auch einige Experten öffentlich, dass es in ihren Augen ein Fehler war. Unter ihnen die ehemaligen NFL-Profis Darius Butler und T. J. Houshmandzadeh. Butler schrieb auf X: «Dieser Entscheid war Müll.» Ex-Cincinnati-Receiver Houshmandzadeh polterte gar: «Gebt alle Spiele der restlichen Saison den Chiefs. Die Schiedsrichter sind in jeder Partie für sie.» Anders sahen dies unter anderem die früheren Quarterbacks Robert Griffin III und Tony Romo, die den Entscheid beide als korrekt bezeichneten.
Ob der Entscheid nun richtig oder falsch war – enttäuschend ist die Niederlage für die eigentlich stark aufspielenden Bengals allemal. Einmal mehr bereiteten Burrow und Co. dem Meister der letzten beiden Jahre Probleme, wurden dieses Mal aber nicht belohnt. Gerade nach der überraschenden Niederlage gegen New England in der Vorwoche wäre ein Sieg jedoch enorm wichtig gewesen.
Das war eine Machtdemonstration. Nachdem die New Orleans Saints in der Vorwoche die Panthers überrollt hatten, wurde es vor allem mit der Schwäche Carolinas begründet. Doch nun bezwangen die Saints um den brillanten Runningback Alvin Kamara, der vier Touchdowns und insgesamt 180 Yards Raumgewinn erzielte, auch die Dallas Cowboys – und zwar gleich mit 44:19.
«America's Team» wurde vor der Saison zumindest zum erweiterten Favoritenkreis gezählt, erlebte jetzt aber eine echte Demütigung. Besonders die Defensive zog einen rabenschwarzen Tag ein, doch auch die Offensive um Quarterback Dak Prescott, der bei zwei Interceptions nur einen Touchdown warf, konnte nicht überzeugen. Cornerback Trevon Diggs sagte nach dem Spiel: «Es war inakzeptabel. Wir haben am Spiel nicht einmal teilgenommen.»
In der Vorwoche enttäuschte Marvin Harrison Jr. mit nur einem gefangenen Pass für vier Yards. Von dem als bestes Wide-Receiver-Talent seit Jahren angekündigten Rookie hatte sich Arizona, das Harrison an vierter Stelle im Draft gewählt hatte, von Beginn an mehr erwartet. Danach erklärte Quarterback Kyler Murray, dass es nicht an ihm liege, zu entscheiden, wann Harrison den Ball bekomme.
Wer nun Probleme zwischen den beiden Jungstars vermutete, kann sich aber gleich wieder beruhigen. Denn beim 41:10-Erfolg der Arizona Cardinals über die Los Angeles Rams erzielte der 22-jährige Harrison nicht nur 130 Yards Raumgewinn, sondern auch die ersten beiden Touchdowns der Gastgeber. Murray lieferte mit drei Touchdown-Pässen und keiner Interception eine ebenso starke Leistung wie Runningback James Conner (122 Yards, 1 Touchdown).
Die Rams mussten neben der Niederlage hingegen einen weiteren Rückschlag einstecken. Nach Puka Nacua verletzte sich mit Cooper Kupp auch der zweite wichtige Passempfänger. Wie lange der 31-Jährige ausfällt, ist noch unklar.
Mit Malik Nabers zeigte auch der zweite Rookie-Receiver, der im April in den Top 10 gedraftet wurde, eine starke Leistung. Weil Washingtons Kicker Austin Seibert aber alle sieben Field-Goal-Versuche verwandelte, konnte Nabers die 18:21-Niederlage der New York Giants trotz seiner 127 Yards Raumgewinn sowie eines Touchdowns aber nicht verhindern.
Malik Nabers scores his first NFL TD!
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Nachdem er eigentlich die gesamte Vorsaison verpasst hatte, unterlag Aaron Rodgers in seinem ersten ganzen Spiel für die New York Jets in der Vorwoche den San Francisco 49ers. Und auch die zweite Partie begann nicht gerade vielversprechend. Die ersten drei Drives der Partie gegen Tennessee endeten mit einem Punt. Nur weil den Titans zwei Turnover unterliefen, blieb es bei sieben Punkten Rückstand aus Sicht der Jets.
Doch dann konnten Aaron Rodgers und seine Offensive einen Schalter umlegen. Mit zwei Touchdown-Pässen drehte der 40-Jährige das Spiel. Auch als es in der Schlussphase 17:17 stand, bewahrte der erfahrene Quarterback die Ruhe und strahlte damit auch auf seine deutlich jüngeren Mitspieler aus. Zum 32. Mal in seiner Karriere führte er sein Team im letzten Viertel zum Sieg, den entscheidenden Touchdown erzielte Rookie-Runningback Braelon Allen. Dank des 24:17-Erfolgs entgehen die Jets einem Start mit zwei Niederlagen und potenzieller Unruhe im und um das Team.
TD for rookie @BraelonAllen!! 💨💨💨
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Der im Draft vom April an erster Stelle ausgewählte Caleb Williams wartet auch nach zwei Partien auf seinen ersten NFL-Touchdown. Der 22-jährige Quarterback tat sich erneut schwer und warf gegen die starke Defense der Houston Texans zwei Interceptions. Dass ein Rookie auf der wichtigsten Position im American Football in seinen ersten Spielen in der NFL Probleme hat, ist aber noch kein Grund zur Sorge. Zumal die Offensive Line der Bears Williams mehr schlecht als recht vor den gegnerischen Verteidigern schützen konnte und sieben Sacks zuliess.
Ein positives Signal für die Chicago Bears ist hingegen die Leistung der Defensive, die bei der 13:19-Niederlage in Houston besonders in der zweiten Halbzeit überzeugte und nur drei Zähler zuliess. Während die Bears also ihre erste Niederlage in dieser Saison erlitten, bleibt Houston nach zwei Spielen als eines von bisher neun Teams ungeschlagen.