Darum hält die NFL trotz Trump an Bad Bunny fest
Seit die American-Football-Liga NFL im September verkündete, dass Bad Bunny in der Halbzeit des Super Bowl auftreten wird, sind Donald Trump und seine Anhängerschaft in Aufruhr. Der Superstar aus Puerto Rico, das ein Aussengebiet der USA ist, äusserte immer wieder klare Kritik am US-Präsidenten und den Republikanern. Zuletzt sprach er sich bei der Grammy-Verleihung in der Nacht auf Montag deutlich gegen die Einwanderungsbehörde der USA aus: «ICE out», sagte Bad Bunny, der den Award für das beste Album erhielt.
Wenn der 31-jährige Latin-Rap- und Reggaeton-Künstler am nächsten Sonntag in San Francisco die Zuschauerinnen und Zuschauer des Finals zwischen Seattle und New England unterhält, wird «Turning Point USA» deshalb eine Gegenveranstaltung durchführen. Die vom ermordeten Charlie Kirk gegründete und mittlerweile von dessen Witwe geleitete Organisation verpflichtete Kid Rock für die «All-American-Halftime-Show».
Anders als im Vorjahr wird Donald Trump den Super Bowl nicht besuchen, wie er der «New York Post» verriet. Ausserdem erklärte er in Bezug auf Bad Bunny und die ebenfalls Trump-kritische Band Green Day, die vor dem Super Bowl auftritt: «Ich bin gegen sie. Ich halte das für eine schreckliche Wahl. Das Einzige, was sie bewirkt, ist Hass zu säen.»
Die NFL will die Latino-Community für sich gewinnen
Für die eher konservative NFL kam es trotz der grossen Aufregung aus Trump-Kreisen nie infrage, Bad Bunny zu ersetzen. Es habe zu Beginn zwar Zweifel gegeben, weil der Puerto Ricaner nur auf Spanisch rappt und singt, wie ein Team-Verantwortlicher gegenüber ESPN berichtet. «Aber dann dachten wohl alle: Okay, wir machen mit, denn das Ziel ist eine globale Reichweite. Und dieser Mann hat eine enorme globale Reichweite.»
Die NFL arbeitet seit Jahren daran, weltweite Aufmerksamkeit zu erreichen. Seit 2007 finden einzelne Spiele in Grossbritannien statt, mittlerweile wurden bereits Partien in Mexiko, Deutschland, Brasilien, Spanien und Irland ausgetragen. In der nächsten Saison kommen Australien und Frankreich hinzu. Auch deshalb ist die NFL mit ihren 32 Teams mit einem Umsatz von rund 20 Milliarden Euro pro Saison die mit Abstand reichste Sportliga der Welt. Zum Vergleich: Die Premier League, der 20 Klubs angehören, kommt auf knapp acht Milliarden Euro Umsatz.
Mit Bad Bunny soll nun vor allem die Latino-Community angesprochen werden. Die NFL habe die lateinamerikanische Bevölkerung in den USA schon vor einigen Jahren als «wichtigen Wachstumsbereich» identifiziert, wie eine hohe Marketing-Verantwortliche der Liga sagte: «Es ist eine Community von über 70 Millionen Menschen, also war es für uns sehr wichtig, sicherzustellen, dass wir für diese relevant sind.»
Bad Bunny soll vereinen, nicht spalten
Beim Auswahlprozess für die Halftime-Show beim Super Bowl vertraut die NFL voll auf Jay-Z und sein Unternehmen Roc Nation, mit dem die Liga seit 2019 zusammenarbeitet. Liga-Präsident Roger Goodell sagte dazu: «Jay-Z versteht die Plattform, es gibt jeweils keine grosse Diskussionen.» In Bezug auf Bad Bunny erklärte er später: «Er ist einer der beliebtesten Entertainer der Welt. Es ist sorgfältig durchdacht.»
Was es hingegen wohl nicht geben wird, sind Äusserungen wie bei der Grammy-Verleihung. Zumindest, wenn es nach dem NFL-Commissioner geht. Bei einer Pressekonferenz am Montag erklärte Goodell danach gefragt, ob er politische Statements erwarte: «Wir haben Bad Bunny nicht nur gewählt, weil er einer der grössten Künstler der Welt ist, sondern weil er auch verstanden hat, was es für eine Plattform ist.»
Diese solle dafür genutzt werden, «die Menschen mit ihrer Kreativität und ihrem Talent zu vereinen und zusammenzubringen». So wie es Künstlerinnen und Künstler in der Vergangenheit getan hätten. «Ich glaube, Bad Bunny versteht das», so Goodell, der überzeugt ist: «Es wird eine grossartige Show.»
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