Fähndrich weint bittere Tränen: «Es wollte nicht sein» – auch alle Männer out
Alles ist angerichtet für ein Schweizer Langlauf-Fest im Val di Fiemme: Der Fanklub von Nadine Fähndrich macht Stimmung, die Nachfrage bei drei schwedischen Journalisten, wer denn ihre Hauptkonkurrentin sein werde, kennt nur eine Antwort: Fähndrich. Sie kann den Ansprüchen aber nicht gerecht werden und scheitert bereits frühestmöglich in den Viertelfinals.
Eine halbe Stunde nach dem Desaster erscheint Fähndrich gefasst. Ratlos, enttäuscht, aber gefasst. Bis die Sprache auf ihre Familie und die vielen Fans kommt. Da laufen doch noch ein paar Tränen über das Gesicht der 30-jährigen Luzernerin. «Für mich ist es einfach, mit einem solchen Resultat umzugehen, wenn es nur um mich geht», erklärt sie mit stockender Stimme. «Aber zu wissen, wie viele Leute so viel investiert haben und ihre Enttäuschung zu sehen, das ist das Schwierigste.»
Dabei hatte Fähndrich ein gutes Gefühl. «Sicher, ich hatte heute viel Druck. Aber ich hatte das Gefühl, ich kann damit umgehen.» Sie sei nervös gewesen, aber zuversichtlicher als vor einem Jahr bei der WM in Trondheim, als sie am Ende souverän zu Bronze gelaufen war. «Ich war heute etwas überzeugter, dass es klappen würde.» Eine Erklärung, warum sie auf der Zielgeraden ihres Viertelfinals auf den 5. Platz - noch hinter Anja Weber - zurückfiel, hat sie nicht.
Der Ski schien nicht optimal zu gehen, die Spur, die Fähndrich und Weber wählten, war wohl die langsamere. «Ich weiss nicht genau, was los war», sucht die Siegerin von sieben Sprints im Weltcup vergeblich nach Antworten. «Ich bin ratlos, aber ich weiss gar nicht, ob ich nach einer Antwort suchen soll oder es heute einfach nicht sein sollte.»
Dann wird Fähndrich grundsätzlich. Sie fände es schade, wenn alles auf eine Medaille oder nicht fokussiert werde. Es müsste mehr die Arbeit, die man geleistet habe, zählen. «Und auf diese Arbeit bin ich stolz.»
Unterstützung von Deschwanden nützte nichts
Selbst die lautstarke Unterstützung der Skisprung-Fraktion um Gregor Deschwanden nützte nichts. So nahe liegen Freude und Frust beieinander. Der Luzerner aus Horw gewann am Montagabend eine völlig überraschende Bronzemedaille, ungefähr sechzehn Stunden später verpasste die Luzernerin aus Eigenthal die eigentlich erwartete.
Doch aufgeschoben ist vielleicht nur aufgehoben. Fähndrich setzt noch auf den Teamsprint und die Staffel. «Ich habe meinen Teamkolleginnen schon gesagt, dass die Staffel ein cooler Wettkampf ist, nach den starken Resultaten am Samstag sowieso.» Sie hat auch schon bewiesen, dass sie auf Enttäuschungen positiv reagieren kann. Bei der WM 2021 in Oberstdorf blieb sie im Sprint ebenfalls deutlich unter den Erwartungen und gewann wenige Tage später mit Laurien van der Graaff im Teamsprint mit Silber die erste von mittlerweile drei WM-Medaillen. «Damals hatte ich nach dem Sprint einen Kloss im Hals», erinnert sich Fähndrich. «Das ist diesmal nicht so. Vielleicht, weil ich älter bin.» Wenn da nur nicht dieser bittere Gedanke an die Fans und Unterstützer wäre...
Zum Schluss kommt Fähndrich aber wieder ein positiver Gedanke. «Der 14. Februar ist mein Glückstag», meint sie mit einem Lächeln. Dann haben nämlich ihr Freund und ihr Vater Geburtstag. Am 14. Februar, am nächsten Samstag, ist dann genau diese Staffel. Und wie Deschwanden gezeigt hat, sind im Val di Fiemme auch positive Überraschungen möglich.
Auch Lea Fischer schied in den Viertelfinals aus. Alina Meier hatte die K.o.-Runden verpasst.
Schwedischer Dreifachsieg
Die Phalanx der Schwedinnen konnte keine Nation durchbrechen. Linn Svahn setzte sich vor Jonna Sundling, die 2021, 2022, 2023 und 2025 am Grossanlass gewonnen hatte, durch. Platz 3 ging an Maja Dahlqvist.
Der Sieg von Linn Svahn ist verdient. Sie war einst die stärkste Sprinterin gewesen, verletzte sich aber vor den Olympischen Spielen 2022 in Peking an der Schulter. Sie brauchte lange, um wieder zu alter Stärke zu finden.
Auch Männer scheitern alle früh
Die Schweizer Männer können ebenfalls nicht im Kampf um die Medaillen eingreifen. Das Trio scheitert in den Viertelfinals.
Auch Valerio Grond ging wie Nadine Fähndrich als Erster seines Heats in die Abfahrt – und reüssierte nicht. Auf der Zielgeraden, wo bei der Charakteristik dieser Strecke das Rennen nochmals neu lanciert wird, entwickelten die Konkurrenten mit den Doppelstock-Stössen mehr Schub.
Den jungen Noe Näff, der als Sechster der Qualifikation bei seiner Olympia-Premiere hatte aufhorchen lassen, ereilte das gleiche Schicksal. Der Bündner kam im Anstieg nicht entscheidend weg und wurde noch von drei Konkurrenten abgefangen. Janik Riebli, der lieber in der Skating-Technik läuft, war ebenfalls chancenlos.
Von den Schweizer Männern durfte kein Angriff auf die Medaillenränge erwartet werden. Aber nach der Qualifikation mit den Klassierungen 6, 8 und 12 wäre doch mehr möglich gewesen.
Klaebo in eigener Liga
Wer soll Johannes Hösflot Klaebo an den Olympischen Spielen 2026 bezwingen? Der Ausnahme-Athlet lief in einer eigenen Liga und ist drauf und dran, wie an der WM 2025 in Trondheim alle Goldmedaillen zu gewinnen. Silber holte sich der Amerikaner Ben Ogden, Bronze ging an den Norweger Oskar Vike. (abu/sda)
