«Die Schiris sind vollkommen neutral» – warum Kanadier Kanada-Spiele leiten
Nach der 1:5-Niederlage der Schweizer Eishockey-Nati gegen Kanada gab es viel zu erzählen. Etwa von der spielerischen Klasse der «Ahornblätter». Oder von der trotz des Resultats guten Schweizer Leistung. Oder natürlich vom verletzungsbedingten Ausfall von Nati-Schlüsselspieler Kevin Fiala.
Was manch einen Schweizer Fan stutzig machte, war ein anderer Fakt: Einer der beiden Headschiedsrichter kam aus Kanada. Ein Kanadier pfiff also Kanada gegen die Schweiz. Und im Duell mit Tschechien am Sonntagmittag kam einer der Linienrichter aus Tschechien.
«Das ist doch völlig normal»
Stéphane Rochette leitete viele Jahre Spiele in der höchsten Schweizer Liga und ist mittlerweile als TV-Experte beim Sender MySports tätig. Ihn hätten viele Leute gefragt, weshalb ein Kanadier bei Schweiz – Kanada pfiff, sagte Rochette gegenüber der welschen Ausgabe von watson. Die Frage habe ihn verwundert: «Das ist doch völlig normal.»
Für den Vater von Lausanne-Stürmer Théo Rochette ist klar: Wenn die besten Spieler der Welt am olympischen Turnier spielen, dann müssen auch die besten Schiedsrichter der Welt auf dem Eis stehen. «Und das sind diejenigen aus der NHL.» Es sei daher logisch, dass Kanadier und Amerikaner selbst bei Spielen ihres eigenen Landes als Schiedsrichter fungieren. «Sie sind vollkommen neutral. Es handelt sich um Profis mit ganz viel Erfahrung in der NHL.»
Die NHL diktiert die Bedingungen
Ein Quartett mit vier Europäern könne kaum gegen NHL-Spieler bestehen, glaubt Rochette. «Schiedsrichter, die sich das Tempo in der NHL nicht gewohnt sind, werden überrascht sein. Für grosse Spiele braucht man Schiedsrichter, die perfekt Englisch sprechen und mit den Stars, aber auch dem Staff der grossen Eishockeynationen umgehen können.»
Die beste Liga der Welt sitzt am längeren Hebel. Sie diktiert die Bedingungen und entscheidet, ob sie ihre Spieler an den Olympischen Spielen teilnehmen lässt. Zu diesen Bedingungen gehört, dass die Akteure wissen, dass die Unparteiischen mit ihnen auf Augenhöhe sind. «Wenn NHL-Spieler an Weltmeisterschaften teilnehmen, sind sie oft über das Niveau der Schiedsrichter entsetzt», berichtet der 57-jährige Rochette.
Im Übrigen sei die Debatte in der Schweiz, aus deren National League kein Unparteiischer für die Olympischen Spiele aufgeboten wurde, vor allem eine Frage der anderen Kultur. In Nordamerika sei so etwas nie Thema. «Wie bei den Olympischen Spielen wählt die NHL die besten Schiedsrichter aus und damit hat es sich.»
