«Ein bisschen Bauchweh» – auch Russen und Belarussen sind bei Olympia dabei
Wie die Sommerspiele 2024 in Paris findet auch Winterolympia in Italien ohne die kriegsführende Sportgrossmacht Russland und deren Verbündeten Belarus statt. Beide Nationen sind vom Internationalen Olympischen Komitee IOC aufgrund des seit vier Jahren dauernden Angriffskrieges gegen die Ukraine unverändert verbannt.
Bedenken von Loch
Unter neutraler Flagge (Athlètes Individuels Neutres – AIN) dürfen in Mailand/Cortina aber in einigen Sportarten vereinzelt Athleten aus den zwei Ländern antreten. Nach aktuellem Stand sind es 13 aus Russland respektive 7 aus Belarus. Unter ihnen ist die Ski-Freestyle-Olympiasiegerin Hanna Huskowa, die zwei zuletzt ins Weltcup-Spitzenfeld vorgerückten Langläufer Saweli Korosteljew und Daria Neprjajewa sowie der Rodler Pawel Repilow.
Dass russische Athleten wieder im Weltcup und nun auch bei den Winterspielen antreten können, gefällt nicht jedem. «Es ist für mich immer noch komisch, dass sie wieder dabei sind. Ich habe immer ein bisschen Bauchweh, wenn ukrainische und russische Sportler aufeinandertreffen oder Fans an der Bahn stehen. Da bin ich immer froh, wenn alles gut geht», sagte der deutsche Rodel-Doppelolympiasieger Felix Loch, der eine Hilfsorganisation für ukrainische Kriegsopfer mitbegründet hat.
IBU weiterhin strikt
Der Rodel-Weltverband FIL ist einer von mehreren Verbänden, die gemäss IOC-Richtlinien die Teilnahme von AIN-Athleten an ihren Bewerben unter gewissen Kriterien erlaubt haben. Die Sportler dürfen etwa in keiner Verbindung zur Armee oder den Sicherheitsorganen stehen und keine aktive Unterstützung für den Krieg gezeigt haben. Der Ski- und Snowboard-Weltverband FIS musste Anfang Dezember einlenken, nachdem der Internationale Sportgerichtshof CAS einer Klage gegen das bis dahin geltende Antrittsverbot stattgegeben hatte. Nun kommt es im Ski alpin, Langlauf und Ski Freestyle zu AIN-Olympiateilnahmen.
Auch in den Olympiadisziplinen des Eislauf-Verbandes ISU werden in Italien mehrere Athleten mit russischem und belarussischem Pass antreten. Ebenso in der neuen Olympiasportart Skibergsteigen. Andere wie der Biathlon-Verband IBU verfolgen hingegen weiter einen strikten «Anti-Russen-Kurs».
Ihre Hymnen werden die Athleten aus Russland und Belarus bei den Winterspielen nicht hören. Ausserdem dürfen sie nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen, nationale Symbole und Fahnen sind ihnen untersagt. Teams aus den beiden Nationen bleiben komplett ausgesperrt. Zudem wird AIN im Erfolgsfall nicht im Medaillenspiegel aufgeführt.
Schon 2018 und 2022 mit Sanktionen belegt
Russland war schon bei den Winterspielen 2018 und 2022 nur unter neutraler Flagge vertreten. Damals holten mehr als 150 antretende Sportler 19 beziehungsweise 32 Medaillen. Der Grund für die seinerzeitigen IOC-Sanktionen war der nach den Winterspielen 2014 in Sotschi aufgeflogene Staatsdopingskandal.
Der aktuelle IOC-Bann wurde verhängt, nachdem Russland den Angriff auf die Ukraine begonnen hatte. Für viele Beobachter geschah dies nicht zufällig wenige Tage nach Ende der Olympischen Spiele in Peking. (sda/apa)
