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FIFA-Prozess: Freispruch für Sepp Blatter und Michel Platini

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Sepp Blatter am Freitag vor der Urteilsverkündung.Bild: keystone

Blatter und Platini im FIFA-Prozess freigesprochen: «Ich habe nichts Falsches getan»

Das Bundesstrafgericht in Bellinzona hat die früheren Präsidenten der FIFA und UEFA, Sepp Blatter und Michel Platini, vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen. Das Verfahren ist in Bezug auf die ungetreue Geschäftsführung eingestellt.
08.07.2022, 11:1008.07.2022, 13:45
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Der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter und der frühere UEFA-Chef Michel Platini wurden vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen. Das Verfahren ist in Bezug auf die ungetreue Geschäftsführung eingestellt.

Neben der Genugtuung für Blatter von 20'000 Franken sind noch weit höhere Beträge zu berappen. Der ehemalige FIFA-Boss erhält als Entschädigung für seine Verteidigung rund 80'000 Franken. Platini erhält für seine Aufwendungen in diesem Verfahren eine Entschädigung von 140'000 Franken. Beide Beträge muss die Eidgenossenschaft ausrichten.

Platini erhält zudem wieder Zugriff auf die rund zwei Millionen Franken, die von der Bundesanwaltschaft eingefroren wurden. Blatter und Platini erhalten ihre Auslagen ersetzt, die FIFA enthält keine Entschädigung. Die Bundesanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer bedingte Freiheitsstrafen von je 20 Monaten gefordert.

«Ich möchte heute weder über die FIFA noch über Korruption sprechen, sondern über mich sprechen», erklärte Blatter nach der Urteilsverkündung vor dem Bundesstrafgericht. «Ich habe nichts Falsches getan. Ich habe ein reines Gewissen und einen reinen Geist.»

Platini will nach seinem Freispruch gar zum Gegenschlag ausholen. «In diesem schrecklichen Fall gibt es Schuldige, die in diesem Prozess nicht aufgetreten sind. Ich garantiere ihnen: Wir werden uns wiedersehen», sagte er in einem Statement, das am Freitag von seinem Anwalt verbreitet wurde. Er «werde nicht lockerlassen und auf der Suche nach der Wahrheit bis zum Ende gehen», wurde der 67-Jährige zitiert.

Der Spruchkörper, der das Urteil fällte, bestand aus Bundesstrafrichterin Joséphine Contu Albrizio (FDP) als Präsidentin sowie den Bundesstrafrichtern David Bouverat (SVP) und Adrian Urwyler (Die Mitte). Die Hauptverhandlung hatte im Juni stattgefunden. Dabei wurden mehrere Zeugen befragt, die teils widersprüchliche Aussagen machten.

Die ominöse Zahlung

Vor knapp sieben Jahren wurde gegen Blatter ein Strafverfahren eröffnet seitens der Bundesanwaltschaft sowie der eng mit ihr zusammenarbeitenden FIFA. Der Vorwurf: Er soll 2011 die Auszahlungen von zwei Millionen Franken an Platini angeordnet haben, und zwar ohne Rechtfertigung. Die Anklage lautete auf Betrug, Urkundenfälschung und allenfalls Veruntreuung. Der ehemalige FIFA-Präsident wurde vom Bundesstrafgericht nun von diesen Vorwürfen freigesprochen.

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Michel Platini zieht am Freitag an den wartenden Medienschaffenden vorbei.Bild: keystone

2015 sagten Blatter und Platini unisono, dass es sich bei der Zahlung über zwei Millionen um eine verspätete Lohnzahlung aus den Jahren 1998 bis 2001 gehandelt habe. Damals war Platini Blatters Berater bei der FIFA. Basis für die Zahlung sei eine mündliche Abmachung aus dem Jahr 1998 gewesen. Denn die FIFA konnte zu diesem Zeitpunkt das Honorar, dass der ehemalige Fussballer Platini für seine Beraterdienste forderte, nicht zahlen. Es handelte sich um den Betrag von einer Million Franken.

Ab 1999 erhielt Platini einen Vertrag über 300'000 Franken. Erst 2010 soll er Blatter an sein Versprechen erinnert haben, dass die ausstehenden Lohnzahlungen nachgeliefert werden würden. Die FIFA verlangte von Platini dann, dass dieser Rechnung stellen solle, was er auch tat. «Das wurde ihm später von der Bundesanwaltschaft als Urkundenfälschung ausgelegt», wie die BZ schreibt. Dabei habe Platini die Zahlung von zwei Millionen ordentlich versteuert.

Im Lauf des Gerichtsverfahrens in Bellinzona blieb die Frage offen, wie der Anfangsverdacht zustande gekommen war. Das Bundesstrafgericht geht davon aus, dass das Verfahren gegen Blatter und später Platini zu Recht eröffnet wurde. Allerdings hat es nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten entschieden. (yam)

Mit Material der Nachrichtenagentur Keystone/sda und CH Media.

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101 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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TheBear97
08.07.2022 10:15registriert Oktober 2015
Na also damit konnte nun wirklich niemand rechnen. *IronieAus
Ich könnte ko***n…
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Mocking Bert
08.07.2022 10:30registriert Februar 2022
Man muss halt nur die richtigen Leute kennen...

...ah nein... wir sind ja in der Schweiz, da gibt's keine Korruption

¯\_(ツ)_/¯
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BG1984
08.07.2022 10:35registriert August 2021
Es ist vorallem eine Blamage für die Bundesanwaltschaft. Offenbar haben sie ohne Beweise und ohne stichhaltige Indizien einfach mal Klage erhoben.
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