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Im Schatten von Odermatt: Loïc Meillard ist unser Ski-Wawrinka

First place finisher Switzerland's Loic Meillard celebrates with champagne after a men's World Cup slalom skiing race Sunday, March 3, 2024, in Aspen, Colo. (AP Photo/John Locher)
Loïc Meillard feiert seinen Slalomsieg in Aspen mit Champagner.Bild: keystone

Im Schatten des Überfliegers: Loïc Meillard ist unser Ski-Wawrinka

Loïc Meillard ist einer der besten Skifahrer der Gegenwart. Trotzdem steht er oft im Schatten von Marco Odermatt – wie sich das ändern könnte.
05.03.2024, 06:3205.03.2024, 21:43
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Wenn die breite Masse an einen Schweizer Tennisspieler denkt, kommt der Mehrheit zuerst Roger Federer in den Sinn. Dabei hat auch Stan Wawrinka drei Grand-Slam-Titel und insgesamt 16 Turniere gewonnen, eine Bilanz, von der viele Tennisspieler nur träumen können.

Auch im Wintersport haben wir derzeit einen Ski-Federer und einen Ski-Wawrinka. Klar: Marco Odermatt ist der Ski-Federer. Er gewinnt die Weltcuprennen scheinbar nach Belieben, dominiert im Gesamtweltcup und die ganze (Ski-)Welt spricht und schreibt über den Nidwaldner. Derweil fährt der Ski-Wawrinka, Loïc Meillard, ebenfalls seit Jahren sehr gut und erhält nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit. Wie Wawrinka, der stets in Federers Schatten stand, muss auch Meillard oft Odermatt den Vortritt lassen, obwohl er schon 19 Weltcup-Podeste und drei WM-Medaillen errungen hat.

First place finisher Switzerland's Marco Odermatt, center, embraces second place finisher Switzerland's Loic Meillard after a men's World Cup giant slalom skiing race Saturday, March 2, ...
Meillard und Odermatt feiern in Aspen gemeinsam.Bild: keystone

So auch am vergangenen Wochenende, als der Walliser in den beiden Riesenslaloms von Aspen zwei Mal hervorragend fuhr und doch beide Male von Überflieger Odermatt knapp geschlagen wurde. Erst am Sonntag im Slalom, wo Odermatt nicht startet, konnte Meillard sein starkes Wochenende mit einem Sieg krönen – seinem ersten Weltcupsieg in dieser Disziplin.

Dank der drei Podestplätze in Serie in Aspen hat sich Meillard mittlerweile auch auf den dritten Platz im Gesamtweltcup geschoben – nur noch drei Punkte hinter Manuel Feller. Dass der Romand den Österreicher im Schlussspurt noch überholt und so gemeinsam mit Odermatt für den ersten Schweizer Doppelsieg im Gesamtweltcup der Männer sorgt, ist durchaus realistisch.

Dabei hat die Saison für Meillard überhaupt nicht gut begonnen. Der 27-Jährige fährt in diesem Winter eine Prototyp-Bindung und diese öffnete sich zu Beginn der Saison mehrfach ohne ersichtlichen Grund. Die Verzweiflung war dem Westschweizer anzumerken, das Selbstvertrauen erschüttert.

«Ich habe in diesem Winter mein Selbstvertrauen innerhalb von zwei Rennen verloren und habe ungefähr zehn gebraucht, um es zurückzugewinnen», sagte Meillard über den Prozess in dieser Saison. Dass er eigentlich alles mitbringt, um ähnlich erfolgreich zu sein wie Odermatt, ist längst bekannt. Technisch fährt kaum jemand besser als Meillard und im Team gilt er als Arbeitstier und «Maschine» (O-Ton Marc Rochat). Da überrascht es nicht, dass der Walliser auch in dieser Saison schon in drei verschiedenen Disziplinen (Slalom, Riesenslalom, Super-G) auf dem Podest stand.

Was ihm manchmal noch fehlt, sind die Risikobereitschaft und Angriffslust, die Odermatt derart auszeichnen. Meillard gilt als einer der besten Weltcupfahrer, wenn die Verhältnisse schwierig sind. Dann ist er ein Meister darin, den Ski trotzdem voll auf Zug zu bringen. Doch sind Piste und Verhältnisse einfach, dann gelingt es dem 27-Jährigen nicht immer, sein volles Potenzial zu entfalten.

Wie gut ein angriffig fahrender Loïc Meillard ist, hat er in Aspen eindrücklich gezeigt. Gelingt es ihm, in den kommenden Wochen und Jahren sein Talent vermehrt so auszupacken, könnte er auch seinen überlegenen Teamkollegen vermehrt fordern. Oder zumindest aus dessen riesigen Schatten treten.

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28 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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mstuedel
05.03.2024 07:39registriert Februar 2019
Nach dem Riesenslalom vom Samstag konnte einen Maillard echt ein wenig leid tun: Da sieht er, wie Odermatt schon bereits weit oben einen gravierenden Fehler begeht, den ihn zeitlich weit zurückwirft. Trotzdem schafft Maillard es gleich anschliessend nicht, mit einem fast fehlerlosen Lauf Odermatt in die Schranken zu weisen, und so blieb -wie bereits am Vortag- bloss Rang 2.
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code-e
05.03.2024 08:25registriert November 2018
Ich gönne Loïc jeden Erfolg von Herzen. Es macht Spass sowohl ihm wie auch Odi zuzuschauen. Den Slalom Sieg vom Sonntag war mehr als verdient
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