Lichtsteiners Horrorstart bestätigt eine Vorahnung: Trainerwechsel bringen meistens nichts
Daniel Stucki, der Sportchef des FC Basel, verteidigt den vor knapp zwei Wochen vollzogenen Trainerwechsel durch alle Böden. Daran ändert auch die dritte Niederlage im dritten Spiel unter Ludovic Magnins Nachfolger Stephan Lichtsteiner nichts. Drei folgenschwere Niederlagen, weil Basel innert wenigen Tagen aus dem Schweizer Cup und der Europa League ausgeschieden ist. Und in der Super League angesichts von 13 Punkten Rückstand auf Leader Thun die angestrebte Titelverteidigung nur noch vom Prinzip Hoffnung lebt.
Stucki sagt also nach der jüngsten Pleite in St. Gallen: «Es ist hypothetisch, ob wir mit Magnin gewonnen oder verloren hätten. Hätten wir es nicht gemacht und ebenfalls drei Mal verloren, hätte man uns gefragt, weshalb wir den Trainer nicht vorher gewechselt haben. Wir stehen hinter dem Entscheid.» Und weiter: «Wir hatten mit Stephan Lichtsteiner von Anfang an grössere Pläne als nur diese drei Spiele.»
Bei Trainerwechseln ist der Allerweltsbegriff «Projekt» gerade schwer in Mode. Das war im Sommer auch bei der Einstellung von Ludovic Magnin so. Und jetzt also hat der FC Basel das nächste Projekt gestartet. Unmittelbar vor den wichtigsten Spielen der Saison. Die Logik dahinter ist nur schwer erkennbar, so dass man unweigerlich zum Schluss kommt: Die Führung des FC Basel hat einen Ausflug ins Casino unternommen – und im Roulette auf die falsche Farbe gesetzt.
Nichts anderes haben die Resultate unter Lichtsteiner zutage gebracht. Und Resultate sind im Fussball immer noch die bestimmende Währung. Stimmen sie nicht, verliert das anfängliche Gerede von «Projekten» und «Fokus auf die Spielweise» schneller an Wert als gerade der Bitcoin. Die Folge ist der nächste Trainerwechsel.
FCB, YB und FCZ nach Trainerwechsel noch mehr im Elend
Doch was bringt die Massnahme überhaupt? In der laufenden Spielzeit haben in der Super League fünf Klubs den Trainer gewechselt. Mit überschaubarem Erfolg. Neben Stephan Lichtsteiner haben auch Gerardo Seoane (YB) und Dennis Hediger (FC Zürich) nicht geliefert, was von ihnen erhofft wurde: die Verbesserung der Punkteausbeute und der Tabellensituation. *
Bei der Entlassung von Seoane-Vorgänger Giorgio Contini hatten die Berner 7 Punkte Rückstand auf den anvisierten Rang 1, nach 16 Spielen unter Seoane sind es 17. Contini holte in dieser Saison im Schnitt 1,83 Punkte pro Pflichtspiel, Seoane 1,06.
Hediger kommt in den 13 Spielen nach der Ablösung von Mitchell van der Gaag auf durchschnittlich 0,92 Punkte. Sein Vorgänger brachte es auf 1,45 Punkte pro Partie. Als van der Gaag gehen musste, hatte der FCZ null Punkte Rückstand auf den Strich, mittlerweile sind es 7.
Und Lichtsteiner? Der muss den FC Basel schnell zum Punkten bringen, um in die Punkteschnitt-Sphären seines Vorgängers zu dringen und seinen Startkredit nicht weiter schmelzen zu lassen. 1,58 Zähler pro Pflichtspiel holte Magnin, was den FCB-Bossen zu wenig war.
In Winterthur (Patrick Rahmen für Uli Forte) und Servette (Jocelyn Gourvennec für Thomas Häberli) hat sich die Punkteausbeute durch den Trainerwechsel zwar leicht verbessert, die Tabellensituation indes nicht: Schlusslicht Winterthur hat immer noch gleich viele Punkte aufs rettende Ufer wie bei der Entlassung von Forte, Servette hinkt auf Rang 8 den Meisterträumen zu Saisonbeginn immer noch weit hinterher.
Wissenschaft spricht gegen Trainerwechsel
Für mehr Aussagekraft auch noch der Blick auf die fünf Wechsel in der Saison 2024/25. Fazit: Damals hatten die Sportchefs ein besseres Gespür. Statistisch haben sich vier von fünf Trainerwechseln gelohnt. Und Joël Magnin, Giorgio Contini (YB), Uli Forte (Winterthur), sowie Tomas Oral (GC) haben ihre Aufgaben «obere Tabellenhälfte» (YB) und «Klassenerhalt» (Winti, GC) erfüllt. Nichts gebracht hat der Trainerwechsel in Yverdon, unter Alessandro Mangiaratti's Nachfolger Paolo Tramezzani stürzten die Romands von Rang 10 ans Tabellenende und in die Challenge League.
Übrigens: Gemäss Studien in mehreren Ländern und über mehrere Jahrzehnte hinweg hat ein Trainerwechsel mittel- bis langfristig keinen positiven Einfluss auf die Resultate. Und trotzdem wird er auch in Zukunft die beliebteste Massnahme von Fussballklubs in der Krise sein.
*analysiert nur Trainerwechsel während einer Saison aufgrund von Misserfolg (riz/aargauerzeitung.ch)
