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25.10.2014; Zueich; Eishockey NLA - ZSC Lions - HC Genf Servette;
Trainer Chris McSorley (Genf) (Andy Mueller/freshfocus)

Chris McSorley will mit Servette beim Spengler Cup den Titel verteidigen. Bild: Andy Mueller/freshfocus

Interview mit Servette-General Chris McSorley

«Wenn es im Interesse von Servette ist, dann verkaufe ich sogar meinen Sohn»

Chris McSorley (52) spielt im Schweizer Eishockey eine einzigartige Rolle. Er führte Servette 2001 in die NLA zurück und ist inzwischen Besitzer, Manager und Trainer seines Klubs. Zum dritten Mal tritt er mit seinen Jungs beim Spengler Cup auf.



Wie kommt es, dass Sie in Genf nicht nur Trainer, sondern auch Manager und sogar Teambesitzer geworden sind? Sie könnten wahrscheinlich mit viel weniger Arbeit und Verantwortung anderswo mehr Geld verdienen.
Chris McSorley: Es war nie meine Absicht, Teambesitzer zu werden. Es ist alles aus Zufall so gekommen.

Erzählen Sie!
Die Anschutz-Gruppe ist in Genf eingestiegen, hat mich als Trainer verpflichtet und die Rückkehr in die NLA ermöglicht. Aber jedes Jahr gab es gut vier Millionen Verlust. Als sich abzeichnete, dass es nicht möglich ist, ein Stadion zu bauen, zog sich Anschutz zurück. Das Management war fair zu mir. Sie haben mir im September 2005 gesagt: Ende Saison geben wir Genf auf. Du kannst den Klub übernehmen.

Und dann?
Ich bin nach Hause gegangen und habe meiner Frau gesagt: Ich übernehme Servette. Entweder ist es der dümmste oder der smarteste Entscheid, den ich in meinem Leben gefällt habe.

War es smart oder dumm?
Der smarteste Entscheid. Jeden Morgen wenn ich aufstehe, denke ich daran, wie glücklich ich bin, in Genf zu sein.

Geneva's hread coach Chris McSorley gesturing during the game between Switzerland's Geneve Servette HC and Finland's Jokerit Helsinki at the 88th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Sunday, December 28, 2014. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Chris McSorley gibt immer 100 Prozent. Das erwartet er auch von seinen Spielern. Bild: KEYSTONE

Hatten Sie damals Offerten aus der NLA?
Ja.

Von wem?
Das bleibt geheim. Aber glauben Sie mir, ich habe mehrmals in einem Genfer Hotel lange Verhandlungen geführt und ich hätte viel mehr Geld verdient, wenn ich nicht Besitzer von Genf geworden wäre.

Sie mussten schmal durch?
Am Anfang, ja. Ich war bei Anschutz einer der bestbezahlten Coaches in Europa und musste nun in einigen Lebensbereichen ein Downgrade machen.

Aber jetzt geht es? Oder schreiben Sie immer noch rote Zahlen?
Seit drei Jahren verlieren wir kein Geld mehr.

Wie haben Sie es geschafft, keine Verluste mehr zu machen?
Scheitern war für uns nie ein Thema, einen Plan B hatten wir nie. Auf dem Weg über den Fluss habe ich immer auf einem Stein oder Krokodilsrücken Tritt gefunden und habe schliesslich das rettende Ufer erreicht. Wir haben die Kosten in Griff und heute ist Servette als Hockeyunternehmen in Europa, ja sogar in Nordamerika ein Begriff. Darauf sind wir sehr, sehr stolz.

Wer sind denn jetzt die Besitzer?
Präsident Hugues Quennec, Franz Szolanski und ich. Wir bilden auch den Verwaltungsrat.

Sind Sie je überstimmt worden?
Nein. Weil wir noch gar nie per Abstimmung einen Entscheid getroffen haben.

Logisch, Diktatoren stimmen nicht ab.
Falsch. Wir stimmen nie ab, weil wir nur Entscheidungen fällen von, deren Richtigkeit wir alle überzeugt sind. Ich kann sehr wohl zuhören und akzeptiere andere Meinungen.

Chris McSorley, entraineur en chef du GSHC, pose devant le nouveau tram aux couleurs du Geneve-Servette HC lors de la conference de presse d'avant saison du Geneve-Servette HC, GSHC, ce lundi 10 septembre 2012 a Geneve. (KEYSTONE/Yannick Bailly)

Klubbesitzer wurde Chris McSorley nur durch Zufall. Bild: KEYSTONE

Wie viele Trainings leisten Sie bei der Belastung noch persönlich?
Alle.

Alle?
Es ist so. Ich leite jedes Training. Ich habe bis heute auch erst ein Spiel verpasst. Wegen einer wichtigen Sitzung fuhr ich nicht mit dem Teambus nach Lugano. Ich wollte am Nachmittag mit dem Flugzeug die Reise machen. Ausgerechnet an diesem Tag tobte in Lugano ein Schneesturm. Mein Assistent Louis Matte musste coachen.

Und stimmt es, dass Sie sich auch noch um die Menus im Stadionrestaurant kümmern?
Ja, das ist so. Wir haben gut sechs Wochen probiert, bis ich mit den Steaks, der Sauce und den Pommes zufrieden war.

Sie geben den guten Menschen von Genf. Aber mit ihren Spielern gehen sie kaltschnäuzig um. Wer nicht in Ihr Konzept passt, wird von einem Tag auf den anderen ausgemustert. Soeben musste Juraj Simek gehen.
Das ist richtig. Wenn es im Interesse von Servette ist, dann verkaufe ich sogar meinen Sohn und jeden Spieler.

Nur nicht übertreiben. Ihren Sohn sicher nicht.
Nein, das natürlich nicht. Aber wie ich sagte: Jeder Spieler ist verkäuflich. Aber bevor es soweit ist, vergehen Wochen. Wir versuchen alles, um eine Lösung zu finden und ich stelle mich auch selbst in Frage: Ist es vielleicht mein Fehler? Wenn ich aber zur Erkenntnis komme, dass es nicht mehr geht, dann ist es für alle, auch für einen Spieler, besser, wenn wir uns trennen.

Genfs Juraj Simek sitzt auf der Strafbank im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und Genf Servette HC, am Samstag, 4. Oktober 2014, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Juraj Simek ist bei Chris McSorley in Ungnade gefallen. Bild: KEYSTONE

Sind Sie zu hart mit den Spielern?
Ja, ja, es gibt Leute, die denken, einer wie ich fresse zum Frühstück jeden Tag Nägel. Aber so ist es nicht. Ja, ich bin direkt. Aber es ist nie persönlich.

Haben Sie schon mal einen Spieler getroffen, der eine Kritik vom Trainer nicht persönlich nimmt?
Hm, nein.

Also doch zu hart mit den Spielern?
Früher ja. Aber nicht zu hart. Sondern zu direkt. Ich musste mich anpassen. Wäre ich noch immer so wie in meiner ersten Saison, dann wäre ich nicht mehr hier. Ich bin sanfter geworden. Ich bin nicht mehr so direkt.

Ein bisschen schweizerischer. Haben Sie schon daran gedacht, den Schweizer Pass zu beantragen.
Ja, ich habe vor, im nächsten Jahr die Einbürgerung für meine Familie und mich zu beantragen.

L'arbitre, Didier Massy, gauche, parle avec l'entraineur genevois Chris McSorley, droite, lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le Geneve-Servette HC, ce vendredi 26 septembre 2014 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Schiedsrichter werden wohl nie zu den besten Freunden von Chris McSorley zählen. Bild: KEYSTONE

Chris McSorley wird Schweizer?
Das ist der Plan. Genf ist die Heimat für meine Familie und mich geworden. Es gibt kein besseres Land als die Schweiz.

Als Schweizer werden Sie vielleicht nicht mehr so oft gebüsst, wenn Sie wieder mal mit den Schiedsrichtern Zoff haben.
Chris McSorley bleibt Chris McSorley, da wird mir auch ein Schweizer Pass nicht helfen.

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