Draufgänger Franjo von Allmen ist der perfekte Abfahrts-Olympiasieger
Als er nach der Siegerehrung auf die Interviewrunde ging, hatte Franjo von Allmen die Goldmedaille bereits abgegeben. «Ich kenne mich, die verliere ich sonst», sagte der frisch gebackene Abfahrts-Olympiasieger beim SRF, deshalb habe er sie in den Safe gebracht. «Sicher ist sicher», fügte von Allmen an.
Dass der 24-jährige Berner Oberländer so auf Sicherheit bedacht ist, kennt man von ihm auf der Strecke überhaupt nicht. Dort geht er eigentlich immer ans Limit – und auch mal drüber. Die Lauberhorn-Abfahrt vor wenigen Wochen, bei welcher er im Kernen-S eine Kamera abräumte und im Zielbereich dann stürzte, dürfte noch allen Skifans in Erinnerung bleiben. Auf der Stelvio in Bormio, einer der schwierigsten Pisten der Welt, fuhr er eine so aggressive Linie wie kein Konkurrent. Seine actionreiche Fahrweise macht ihn nicht nur zu einem der populärsten Skifahrer der Gegenwart, sondern auch zum perfekten Olympiasieger in der Königsdisziplin.
Aber auch seine lockere und bodenständige Art sowie seine stets gute Laune tragen dazu bei. Der gelernte Zimmermann aus dem Berner Oberland sorgt mit seinen Interviews stets für gute Unterhaltung. Nach dem Gewinn der WM-Abfahrt im letzten Februar kündigte er an: «Hüt gömmer z'Bode.» Darauf angesprochen, erklärte er nach dem Triumph in Bormio: «Es könnte in eine ähnliche Richtung gehen.» Immer wieder erwischt man sich, wie man denkt: «Was für en geile Siech!»
Selbst im Moment seines grössten Erfolgs bleibt von Allmen authentisch und cool. Beim Schauen seiner Fahrt nimmt er sich gar selbst auf die Schippe: «Wenn mir jeder sagt, dass ich fett bin, muss ich das Fett ja irgendwie nach unten schieben.» Fett sei er zwar nicht, schob er nach, aber: «Ich bringe sicher das eine oder andere Kilogramm mehr auf die Waage als andere.»
Mit seiner Statur ist von Allmen der geborene Abfahrer. Obwohl er mit 1,83 m gut zehn Zentimeter grösser ist als Beat Feuz, erinnert er damit auch ein wenig an den Kugelblitz aus Schangnau. Auch Feuz sieht im bodenständigen von Allmen, der nicht immer die grosse Aufmerksamkeit sucht, einen perfekten Nachfolger als Abfahrts-Olympiasieger.
Und das ist er allemal. Zwar ist von Allmen auch im Super-G erfolgreich, doch bleibt seine Paradedisziplin die Abfahrt. Ein Allrounder wie sein Landsmann Marco Odermatt ist er nicht – und obwohl man dem Nidwaldner die Goldmedaille ebenfalls sehr gegönnt hätte, passt von Allmen in dieser Disziplin irgendwie besser.
Der bodenständige und stets sympathische Draufgänger, der vor dem Lauberhorn-Wochenende auch mal einen Rückwärtssalto über eine selbst gebaute Schanze zeigt und das mit einem Schnupf feiert, ist ein Abfahrts-Olympiasieger, wie er im Buche steht.
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