«Jetzt mache ich's wie Klaebo» – Nadja Kälin schreibt mit 50-km-Bronze ein Märchen
Damit hatten nur kühnste Optimisten gerechnet: Nadja Kälin schlägt über 50 Kilometer klassisch zu. Die Engadinerin gewinnt am Schlusstag von Mailand-Cortina 2026 als erste Schweizer Langläuferin eine Einzelmedaille an Olympischen Spielen.
Für die 24-jährige Kälin ist es bereits die zweite Medaille innert weniger Tage. An der Seite von Nadine Fähndrich gewann sie Silber im Team-Sprint. Ihre hervorragende Verfassung hatte sie schon zu Beginn der Wettkämpfe im Val di Fiemme mit dem 4. Platz im Skiathlon über 20 Kilometer unter Beweis gestellt.
«Unglaublich, wie es mir gelaufen ist», zog Kälin im SRF Bilanz. «Ich kam mit der Hoffnung hierhin, ein Diplom zu gewinnen. Jetzt gehe ich mit zwei Medaillen heim.»
Kräfte perfekt eingeteilt
Im «Fünfziger», der erstmals bei den Frauen anstelle eines Rennens über 30 Kilometer auf dem Programm stand, profitierte Kälin auch davon, dass Favoritinnen wie Frida Karlsson oder Jonna Sundling krank auf einen Start verzichteten. Doch das schmälert ihre Leistung kein bisschen. Kälin zeigte von Beginn weg ein hervorragendes Rennen.
Die Schweizerin hatte auch das nötige Glück. Die Amerikanerin Jessie Diggins war nach einem Skiwechsel ein wenig ins Hintertreffen geraten, in ihrem Windschatten konnte Kälin zur Verfolgergruppe um Bronze aufschliessen. Als diese zu fünft in Richtung Ziel lief, war sie es, die noch am meisten Kraft hatte und die entscheidende Attacke setzen konnte.
«Als Kind träumst du davon»
Sie habe das Tempo in den letzten Runden als nicht mehr sehr hoch empfunden, schilderte Kälin ihre Eindrücke. «Ich versuchte, mich so gut es geht zu schonen. Beim Zorzi-Anstieg dachte ich: Jetzt mache ich's wie Klaebo! Ich habe es versucht und es hat gereicht.»
Sie könne ihren Erfolg noch nicht fassen, sagte Kälin weiter. «Als Kind träumst du davon, aber dann wirst du älter und merkst: Boah, ich bin so weit davon entfernt. Nach dem letzten Winter habe ich einen Schritt nach vorne gemacht, war aber immer noch weit weg. Und heute laufe ich bei Olympia aufs Podest ….»
Schweizer Medaille Nr. 21
Gold ging an die hoch überlegene Ebba Andersson. Die Schwedin wurde erstmals Olympiasiegerin, zwei Minuten hinter ihr holte die Norwegerin Heidi Weng die Silbermedaille.
Sechs Minuten und 41,5 Sekunden später riss Nadja Kälin die Arme in die Höhe. Ihre Bronzemedaille war die 21. Schweizer Medaille von Mailand-Cortina.
