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epa06434678 Novak Djokovic of Serbia (R) and his coaches Andre Agassi (L) of the USA and Radek Stepanek (C) of the Czech Republic during a training session at the Australian Open Grand Slam tennis tournament in Melbourne, Victoria, Australia, 13 January 2018. The Australian Open starts on 15 January.  EPA/MAST IRHAM

Da waren sie noch zu dritt. Mittlerweile hat sich Djokovic von Agassi (links) und Stepanek (Mitte) getrennt. Bild: EPA/EPA

Nächste Trennung: Novak Djokovics Welt zerbricht in ihre Einzelteile

Nach der Trennung von Andre Agassi beendet Novak Djokovic die Zusammenarbeit mit Radek Stepanek, seinem zweiten Trainer. Die Liste wird immer länger, die Verzweiflung immer greifbarer. Wer ihm keine Antworten liefert, verschwindet schnell wieder von der Bildfläche.

simon häring / aargauer zeitung



Sie hatte etwas Skurriles, die Inszenierung, mit der Novak Djokovic im letzten Winter die Verpflichtung von Radek Stepanek als Trainer bekannt gab. Er machte es via Livestream über Instagram. Darin erzählte der Serbe von seinen letzten Wochen, von der Vorbereitung auf die neue Saison, von seinen Zielen. Und davon, dass er eine wichtige Mitteilung zu überbringen habe. Dann stiess er die Tür zum Nebenraum auf, wo Radek Stepanek sass, der neue Trainer.

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So stellte Novak Djokovic im letzten Winter seinen neuen Trainer Radek Stepanek vor. Video: YouTube/pasanski

Nicht einmal ein halbes Jahr später ist diese Paarung bereits Geschichte. Nach dem Masters-Turnier in Miami, wo Djokovic nach Indian Wells zum zweiten Mal in Folge bereits seinen ersten Match verloren hatte, geht das Reinemachen weiter. Erst hatte sich Andre Agassi von ihm getrennt, mit salbungsvollen Worten, mit der sanften Stimme, die ihn ausmacht, aber auch mit subtiler Kritik: «Wir sind übereingekommen, dass wir zu oft nicht übereinkommen.»

Serbia's Novak Djokovic talks with coach Andre Agassi, left, during a practice session ahead of the Australian Open tennis championships in Melbourne, Australia, Saturday, Jan. 13, 2018. (AP Photo/Ng Han Guan)

Andre Agassi und Novak Djokovic waren sich zu oft uneinig. Bild: AP/AP

Und nun die Trennung vom Tschechen Radek Stepanek (39), der ehemaligen Nummer acht der Welt. Sie ist begleitet von den Worten, die solche Trennungen immer begleiten. Man sei gemeinsam zu diesem Schluss gekommen. Man sei dankbar für die gemeinsame Zeit. Und man bleibe Freunde fürs Leben. Die Wahrheit? Die kennen wohl nur Djokovic und Stepanek, der im Sommer erstmals Vater wird. Auch das dürfte eine Rolle gespielt haben.

Das alles ändert aber nichts an der sportlichen Misere. Djokovic wirkte zuletzt nur noch wie ein Schatten seiner selbst. «Ich versuche alles, aber nichts funktioniert. Ich fühle mich einfach nicht gut genug», sagte er in Miami. «Alles im Leben hat seinen Grund», ist zu seinem Mantra geworden. Doch der 30-Jährige macht noch immer den Eindruck, als falle es ihm schwer, mit letzter Konsequenz zu akzeptieren, dass es nicht auf jede Frage eine Antwort gibt.

Serbia's Novak Djokovic casts the shadow on the Rod Laver Arena as he plays France's Gael Monfils during their second round match at the Australian Open tennis championships in Melbourne, Australia, Thursday, Jan. 18, 2018. (AP Photo/Vincent Thian)

Novak Djokovic ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Bild: AP/AP

Trainer, Manager, Einflüsterer, Gurus

Also hört er auf andere: auf Trainer, auf Physiotherapeuten, auf Manager, auf Einflüsterer, sogar auf Gurus. Und wenn ihm diese nicht die Antwort liefern, so scheint es, verschwinden sie ebenso schnell wieder von der Bildfläche, wie sie aufgetaucht sind. Von seiner Lohnliste verschwunden sind in den letzten Jahren: Boris Becker, Fitnesstrainer Gebhard Phil Gritsch und Physiotherapeut Miljan Amanovic, sogar Marjan Vaida. Und nun Agassi und Stepanek.

epa05347617 Novak Djokovic of Serbia poses with the trophy after winning against Andy Murray of Britain their men's single final match at the French Open tennis tournament at Roland Garros in Paris, France, 05 June 2016.  EPA/Caroline Blumberg

Djokovic beim Sieg des French Open 2016. Bild: EPA/epa

«Mein ganzes Glück pflegte davon abzuhängen, Tennismatches zu gewinnen.»

Novak Djokovic

Seit seinem Erfolg bei den French Open 2016 hat Novak Djokovic begonnen, sich von seinem alten Selbst zu emanzipieren. Vom getriebenen Asketen, der fast ein Jahrzehnt im Schatten von Roger Federer und Rafael Nadal gestanden war. Der als Sinnbild eines Selbstoptimierers die beste Version seiner selbst werden wollte und geworden war. Ein zwölffacher Grand-Slam-Sieger, der während 223 Wochen die Weltrangliste anführte. Einer der Besten der Geschichte.

Operation am Handgelenk

Hin zum Familienvater, weg vom Dominator, raus aus dem Tennis-Nirwana. Denn Erfüllung hatte ihm das offenbar nicht gebracht. Also wandte er sich der Spiritualität zu. «Mein ganzes Glück pflegte davon abzuhängen, Tennismatches zu gewinnen. Vielen Athleten geht es heute so. Aber ich versuche, davon loszukommen», sagte er im letzten Sommer. Dann beendete er seine Saison. Eine hartnäckige Verletzung am Ellenbogen hatte ihn dazu gezwungen.

Als er im Januar zurückkehrte, schien er vom Geist beseelt, der ihn aus dem Schatten Federers und Nadals hat treten lassen, inspiriert, angestachelt. Er erreichte in Melbourne immerhin die Achtelfinals. Doch das Hoch – es war nur von kurzer Dauer. Es folgten neuerlich Probleme und eine Operation am Handgelenk in der Muttenzer Rennbahnklinik. Den Stab an Beratern blähte er weiter auf, holte mit Craig O'Shannessy gar einen Datenanalysten.

epa06464524 Novak Djokovic of Serbia reacts after being defeated by Hyeon Chung of of South Korea during round four on day eight of the Australian Open tennis tournament, in Melbourne, Victoria, Australia, 22 January 2018.  EPA/LUKAS COCH AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

In Melbourne war für Djokovic im Achtelfinale Schluss. Bild: EPA/AAP

Nur Guru Pepe Imaz ist geblieben

Lange geblieben ist aber nur einer: Guru Pepe Imaz. Welche Rolle er wirklich spielt, das lässt sich bis heute kaum abschätzen. Djokovic sagt: «Tennis hat nicht mehr oberste Priorität. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich versuche, der beste Ehemann, der beste Vater und der beste Tennisspieler zu sein», sagte er einmal in seinem Krisenjahr, beseelt vom Gedanken, die beste Version seiner selbst zu werden. Es ist ein unmöglicher Spagat.

Djokovic spaziert mit Frau und Kind:

Djokovic selber sagt, er habe während seiner Pause viel meditiert: «Ich kann nicht sagen, was ich dabei gewinne, aber ich kann sagen, was ich verliere: Angst und Stress.» Sein inneres Gleichgewicht mag Djokovic damit gefunden haben, doch scheint er dabei den Biss verloren zu haben, der ihn zum Besten gemacht hat. Kürzlich hat er gesagt, er wolle bis 40 spielen. Mit Blick auf sein inferiores Handeln fällt es schwer, diesen Worten Glauben zu schenken.

Tennisspieler mit mindestens zwei Grand-Slam-Titeln (seit 1968)

Roger Federer lädt sich die watson-App herunter

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Video: watson

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    Alle Leser-Kommentare
  • samael 04.04.2018 18:19
    Highlight Highlight Für mich neben Stan der Beste. Er ist Mensch geblieben, mit Schwächen und Unsicherheiten. Das macht ihn für mich authentischer und ich wünsche dem Joker, dass er seinen Weg bald findet und glücklich leben kann.
  • Jol Bear 04.04.2018 17:41
    Highlight Highlight Offensichtlich haben Verletzungen ihn zurückgeworfen. Daneben hat er sein Leben neu organisiert, zusätzliche Inhalte gefunden. Vielleicht ist die Kritik noch verfrüht, nicht alles Interne ist bekannt. Schließlich muss er niemandem etwas beweisen, hat 12 GS-Titel, war gleichzeitig Halter aller vier GS-Titel (hat sogar Federer nicht geschafft). Djokovic geht aus Überzeugung seinen Weg, das ist zumindest zu respektieren, ist schliesslich seine Karriere und ob der Erfolg sich wieder einstellt, weiss heute noch niemand.
  • Holzkopf 04.04.2018 16:24
    Highlight Highlight ...schade, dass er nicht die Journalisten und Kommentatoren anstellt, die wiederholt über ihn urteilen; die wüssten echt am besten, was er braucht... ;-)
  • Toerpe Zwerg 04.04.2018 16:22
    Highlight Highlight Djoker ist noch lange nicht fertig.
  • MacB 04.04.2018 16:10
    Highlight Highlight Bei den Worten Tennis und Guru muss ich immer an ORangen-Rainer von Patty Schnyder denken :D
    • dä dingsbums 04.04.2018 17:01
      Highlight Highlight Orangensaft ist so gut wie Muttermilch! 😂
    • Sophia 04.04.2018 17:24
      Highlight Highlight dä dings.. und was soll ich jetzt spritzen? Orangensaftextrakt oder Alpenmilchmolke?
    • Mia_san_mia 04.04.2018 17:38
      Highlight Highlight Haha ja stimmt 😄
  • FrancoL 04.04.2018 16:00
    Highlight Highlight Spitzensport auf höchster Ebene verträgt nur eine grosse Liebe und Leidenschaft.
    Djokovic braucht keinen Guru, keinen riesen Stab an Berater, sondern nur die Einsicht, dass er wieder alles dem Tennis unterordnen muss.
    Findet er diese Einsicht nicht, dann kann er wohl den Schläger an den Nagel hängen.
    • Sophia 04.04.2018 17:27
      Highlight Highlight Franco, "dass er wieder alles dem Tennis unterordnen muss." Tut es das denn nicht?
      Ich weiss zu wenig über seinen Lebensstil, aber alles nur dem Sport unterzuordnen, wäre mir zu langweilig.
  • Fulehung1950 04.04.2018 15:47
    Highlight Highlight Federer hat‘s vorgemacht (er ist eben in allen Belangen der Beste):

    wenn es zwickt, macht man eine Pause. Und tankt mit der Familie auf

    wichtiger als die Trainer ist Mirka, die ihm den Rücken frei hält

    Und so wird man eben wieder die #1. der Jocker und Nadal treiben seit Jahren Raubbau mit ihren Körpern. Das wird nichts mehr.

    Aber ich respektiere ganz ehrlich, wenn der Jocker sagt, er wolle der beste Ehemann und Papi sein. Aber dann leidet zwangsläufig das Tennis.
    • bokl 04.04.2018 16:14
      Highlight Highlight "wichtiger als die Trainer ist Mirka, die ihm den Rücken frei hält"
      Wichtiger als Mirka ist Paganini, der schaut, dass der Rücken hält.

    • rodman 04.04.2018 17:06
      Highlight Highlight Naja, Nadal zumindest ist einer der ältesten Grand Slam Sieger und Weltranglistenerste. Djokovic ist nicht viel jünger. So heftig der Raubbau bei beiden war, so leistungsfähig sind sie (überraschenderweise) auch im Alter immer noch - und das, obwohl der Sport massiv athletischer geworden ist.
  • Silent_Revolution 04.04.2018 15:35
    Highlight Highlight Ich habe das hier schon mal geschrieben, ein wichtiger Grund, weshalb er Imaz engagiert hat wird wohl sein, weil dieser seinem Bruder aus einer tiefen Depression geholfen hat.

    Es ist ja nicht zu verachten, wenn er Tennis nicht mehr für den Erfolg praktiziert, das kann er allerdings auch im Privaten tun. Will er aber auf der Tour wieder um Titel spielen, wird das mit dem Guru, der keinerlei Erfolge im Coachingbereich vorzuweisen hat bestimmt nichts.

    Und würde er nicht mehr gewinnen wollen, hätte er den Rücktritt doch längst bekannt gegeben. Es gilt also, Imaz endlich abzusägen.
  • Hayek1902 04.04.2018 15:32
    Highlight Highlight Wäre vielleicht Zeit ein Jahr komplett mit Tennis aufzuhören und nächstes Jahr entscheiden, wie es weiter geht.
  • Scaros_2 04.04.2018 15:14
    Highlight Highlight Ist das der Tennisspieler dessen Vater immer mal wieder gegen Federer schoss?

    • Fulehung1950 04.04.2018 15:48
      Highlight Highlight Das ist unerheblich. Die Wahrheit ist auch im Tennis auf dem Platz.
    • Therealmonti 04.04.2018 17:23
      Highlight Highlight Nein, er ist der Tennisspieler von dem seine Mutter sagt, er sei der Sohn Gottes.
  • Sloping 04.04.2018 15:13
    Highlight Highlight Er hat in den letzten Monaten vor allem sich selbst verloren. Ein Zeichen dafür ist die Zusammenarbeit mit diesem Guru, der vermeintliche Antworten liefert. Dazu kommen wohl chronische Schmerzen. Die einstige Tennismaschine ist mental zerbrechlich geworden. Was wohl auch auf Anpassungen in der Technik aufgrund der Schmerzen zurückzuführen ist. Ein teuflischer Mix. Solange er sich mit diesem Esoteriker umgibt, sehe ich kaum Chancen auf eine Besserung. Aus meiner Sicht müsste er sich erst von dem lösen und schmerzfrei sein bevor er wieder Spiele bestreitet.
  • Egolf 04.04.2018 14:53
    Highlight Highlight Meiner Meinung nach sollte er entweder fast alles dem Tennis unterordnen und somit auch seinen Guru entlassen, oder eben aufhören. Er wird mit diesem nämlich nicht mehr der alte.

Mehr Wut als Enttäuschung bei Federer: «Habe eine unglaubliche Chance verpasst»

Nach der Fünfsatzniederlage gegen Novak Djokovic im Wimbledon-Final zeigte sich Federer enttäuschter, als es dies auf dem Platz an der Siegerehrung den Anschein gemacht hatte. Der 37-jährige Baselbieter sprach von einer gewissen Wut und einer verpassten Chance.

Roger Federer, was hat heute zum Sieg gefehlt?Wohl einfach ein einziger Schlag.

Was ging Ihnen nach den beiden vergebenen Matchbällen durch den Kopf? Dachten Sie danach, die Partie sei verloren?Nein, ich versuchte das Positive zu sehen. Wenn mir vor der Partie jemand gesagt hätte, dass es 9:9 im fünften Satz stehen würde, hätte ich das nicht als schrecklich empfunden. Aber klar war es hart, diese Chancen vergeben zu haben.

Ist es schwieriger, wenn man so knapp verliert als klar in drei …

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