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Roger Federer bringt sich als TV-Experte ins Spiel – SRF will Gespräche

epaselect epa10196578 Roger Federer of Switzerland stands up and waves to the attending media at the end of a press conference in London, Britain, 21 September 2022, ahead of the Laver Cup tennis tour ...
Will noch ein letztes Mal auf dem Feld stehen, danach könnte er dem Tennis als Kommentator erhalten bleiben: Roger Federer.Bild: keystone

Roger Federer bringt sich als TV-Experte ins Spiel – SRF kündigt Gespräche an

Weshalb Roger Federer mit dem Gedanken spielt, dem Tennis nach seinem Rücktritt als TV-Experte erhalten zu bleiben. Und wie das Schweizer Fernsehen auf dieses Gedankenspiel reagiert.
21.09.2022, 17:4221.09.2022, 17:45
Simon Häring, London / ch media
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Er will nicht untertauchen wie ein Geist, kein Fremder werden und dem Tennis verbunden bleiben, sagt Roger Federer nach seinem Rücktritt. In welcher Form? Das lässt er noch offen. Ausschliessen will er nichts. Als Coach wird er in den nächsten Jahren kaum im Tenniszirkus auftauchen, die Familie geniesst Priorität. Sicher eine Rolle spielen wird er beim Laver Cup. Wer darauf setzt, dass er dereinst Björn Borg als Captain des Teams Europa ablösen wird, geht damit keine besonders riskante Wette ein.

Doch Federer trägt noch einen anderen Gedanken mit sich herum, der in den kommenden Wochen für heiss laufende Drähte sorgen wird. Er kann sich vorstellen, als TV-Experte aufzutreten, wie er am Dienstag erklärte.

«Spinnst du jetzt komplett, dass du dir überlegst, Tennis zu kommentieren?»
Roger Federer

Eine Rolle, die er während seiner Spielerkarriere immer ausgeschlossen hatte. Nun sagte er gegenüber Schweizer Journalisten: «Hätten Sie mich vor ein paar Jahren gefragt, hätte ich gesagt: Vergessen Sie das. Ich hätte wirklich nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde. Vor etwa sechs Monaten sagte ich mir: Hey, weisst du was? Kommentieren ist etwas, das ich mir gut vorstellen könnte. Gleichzeitig dachte ich mir: Spinnst du jetzt komplett, dass du dir jetzt überlegst, Tennismatches zu kommentieren?»

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Federer möchte mit den Spielern (hier Stefanos Tsitsipas) und der Tour in Kontakt bleiben.Bild: keystone

Noch ist es nur ein Gedankenspiel, wie er dem Tennis und den Menschen nahe bleiben kann. Federer sagt: «Es würde mir erlauben, mit den Spielern und der Tour in Kontakt zu bleiben. Und es würde mir einen Grund geben, weiterhin viel Tennis zu schauen, was ich sowieso gerne mache. Vielleicht ist es auch etwas, das dem Tennis guttun würde, wenn ich das mache.»

Bei SRF stossen diese Aussagen auf offene Ohren. «Jeder TV-Sender der Welt würde sich über Roger Federer als Tennisexperten freuen, für uns als Service-public-Medium der Schweiz gilt das natürlich ganz besonders», schreibt SRF auf Anfrage dieser Zeitung. Neben dem ausgeprägten Fachwissen sei Sprachgewandtheit sowie eine schnelle Auffassungsgabe und Denkweise gefragt. Eigenschaften, die Roger Federer zweifellos mitbringt. «Derzeit steht seine Abschiedsvorstellung beim Laver Cup im Fokus. Selbstverständlich werden wir auch darüber hinaus mit ihm im Austausch bleiben», schreibt SRF. Heisst: Man wird das Gespräch suchen.

Günthardt: «Roger würde das wunderbar machen»

Dass Federer sich nur für ausgewählte Turniere oder Spiele zur Verfügung stellen würde, stelle kein Hindernis dar, schreibt SRF. Fixe Expertinnen und Experten gebe es nicht. Aber: «Bei Turnieren oder Spielen mit besonderer Relevanz laden wir Gäste ein, um unser Programm zu bereichern.» Gut möglich, dass Federer davor noch die Schulbank drücken müsste. Denn Experten werden laufend geschult und erhalten Trainings und Feedbacks.

Keine Zweifel an der Eignung Federers für die Rolle des TV-Experten hat Heinz Günthardt. Der 63-Jährige hat die Karriere des Baselbieters während zweier Jahrzehnte für das Schweizer Fernsehen begleitet. Günthardt sagt: «Roger hat selber Tausende Interviews gegeben, ist zudem mehrsprachig. Er würde das wunderbar machen.» Dass zu Beginn die Augen auf ihn und nicht auf den Interviewpartner gerichtet wären, liege zwar auf der Hand. «Andererseits ist das genau das, was die TV-Sender wollen: einen grossen Namen. Beispiele gibt es mit John McEnroe oder Jim Courier genügend.»

Switzerland's team captain Heinz Guenthardt reacts during Belinda Bencic's Billie Jean King Cup semi-final tennis match against Australia's Ajla Tomljanovic in Prague, Czech Republic, F ...
Könnte sich Federer sehr gut als Kommentator vorstellen: Der langjährige SRF-Experte Heinz Günthardt.Bild: keystone

Zwei Hindernisse auf dem Weg zur Traumehe

Allerdings gibt es zwei Hindernisse auf dem Weg zur Traumehe zwischen SRF und Federer. Erstens hält die SRG zwar langfristige Rechte für die Ausstrahlung der Australian Open und der French Open. Bei den US Open und für Federers Lieblingsturnier Wimbledon, wo er mit acht Erfolgen der Rekordsieger ist, laufen derzeit Gespräche über eine Vertragsverlängerung.

Zweitens ist der finanzielle Spielraum begrenzt. SRF schreibt dazu auf Anfrage: «Unsere Experten und Expertinnen werden pro Einsatz bezahlt, wobei unsere Möglichkeiten klar begrenzt sind.» Sender wie die britische BBC oder Eurosport könnten Federer deutlich mehr Honorar bieten.

«Ich habe nun den grossen Luxus, nur noch das tun zu müssen, worauf ich Lust habe.»

Federer wird seine Entscheidung allerdings nicht davon abhängig machen, sondern von seinen weiteren Engagements, zu denen seine Stiftung, oder der Laver Cup zählen. «Zudem bin ich Botschafter vieler Firmen. Und ich will weiterhin Exhibitions spielen können», sagt Federer. Oberste Priorität geniesst aber die Familie. Der 41-Jährige sagt: «Ich möchte ein guter Papi sein, habe Freunde, zu denen ich den Kontakt pflegen will. Ich habe nun den grossen Luxus, nur noch das tun zu müssen, worauf ich Lust habe.»

Roger Federer in action during a practice session ahead of the Laver Cup 2022 at the O2 Arena, London, Wednesday Sept. 21, 2022. The 20-time grand slam champion announced last week that he would bring ...
Roger Federer bereitet sich auf seinen letzten Einsatz vor.Bild: keystone

Sollte Roger Federer tatsächlich Lust darauf haben, dereinst als TV-Experte beim Schweizer Fernsehen in Erscheinung zu treten, wäre das nicht nur im Leutschenbach Anlass zur Freude. Sondern im ganzen Tenniszirkus. (aargauerzeitung.ch)

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Das ewige Duell – alle Partien zwischen Federer und Nadal
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Das ewige Duell – alle Partien zwischen Federer und Nadal
Wimbledon 2019, Halbfinal: FEDERER – Nadal 7:6, 1:6, 6:3, 6:4 – Stand: 16:24.
quelle: ap pool afp / adrian dennis
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30 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Lil-Lil
21.09.2022 19:39registriert Februar 2021
Schon bevor RF überhaupt entschieden hat geht die Stänkerei in den Kommentaren los… 🤦‍♂️
399
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Zum Kommentar
30
Weshalb trotz Ausschluss ihres Landes 15 Russen bei Olympia starten dürfen
Seit zehn Jahren kämpft die olympische Bewegung mit dem richtigen Umgang mit dem russischen Sport. Erst Doping, dann der Angriff auf die Ukraine. Gewinner gibt es dabei keine.

Mit 20 Olympiasiegen und insgesamt 71 Medaillen belegte das Russische Olympische Komitee (ROC) vor drei Jahren in Tokio den fünften Platz im Medaillenspiegels. Dass die Russen antreten durften, wenn auch ohne Flagge und Hymne, war schon damals umstritten. Das Internationale Olympische Komitee (IOC), das sich so gerne von der profanen Politik fernhalten möchte, tut sich beim Umgang mit Russland schon seit einem Jahrzehnt äusserst schwer.

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