bedeckt, wenig Regen
DE | FR
24
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Sport
Tennis

Australian Open: Wird im Tennis bald «Rolex» statt «Out» gerufen?

epa05118202 (FILE) - A screen shows the hawk-eye review during the third round match between Nick Kyrgios of Australia and Tomas Berdych of Czech Republic at the Australian Open tennis tournament in M ...
Das «Electronic Line Calling»-System macht Linienrichter überflüssig, was wiederum zu neuen Möglichkeiten führt.Bild: EPA

«Rolex» statt «Out» – wird der Aus-Ruf wegen Hawk-Eye bald kommerzialisiert?

Beim Australian Open wird wegen der Corona-Pandemie erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier komplett auf Linienrichterinnen und Linienrichter verzichtet. Ihre Aufgabe übernimmt das Hawk-Eye-System, das dem Veranstalter völlig neue Möglichkeiten eröffnet – auch ziemlich abstruse.
10.02.2021, 13:2610.02.2021, 15:37
Philipp Reich
Folge mir

Beim Australian Open gibt es in diesem Jahr keine Linienrichterinnen und Linienrichter auf den Courts. Um das Personal im Melbourne Park auf ein Minimum zu reduzieren, wird aufgrund der Corona-Pandemie komplett auf die Unparteiischen an den Linien verzichtet. Dafür ist auf allen Plätzen das Hawk-Eye-Live-System installiert, das mithilfe von Kameras sämtliche Linienentscheidungen übernimmt.

epa08644300 Hawk-Eye cameras along the outer courts on the fourth day of the US Open Tennis Championships the USTA National Tennis Center in Flushing Meadows, New York, USA, 03 Septemeber 2020. Due to ...
Kameras haben die Linien in Melbourne ständig im Blick.Bild: keystone

Damit ist das Australian Open das erste Grand-Slam-Turnier, welches das «Electronic Line Calling»-System auf allen Plätzen einsetzt. Bei den US Open 2020 waren auf den grossen Courts noch Linienrichter im Einsatz. Anders als bei den kleineren Turnieren im Herbst, wo das System ebenfalls zum Einsatz kam, stammen die Rufe «Out», «Fault» oder «Foot Fault» in Melbourne nicht von einer Computer-Stimme, sondern wurden von Mitarbeitern der verschiedenen australischen Rettungsdienste eingesprochen.

Ist Hawk-Eye zu ungenau?

Einer, der ziemlich froh sein dürfte über die Neuerung, ist Novak Djokovic. «Das ist besonders gut für Novak, weil er dann niemanden treffen kann, wenn er sauer ist», erklärte Boris Becker mit einem Augenzwinkern bei «Eurosport» und spielte damit natürlich auf den Zwischenfall beim US Open 2020 an, als die Weltnummer 1 versehentlich eine Linienrichterin abschoss und disqualifiziert wurde.

Aber ernsthaft: Die meisten Spieler stören sich nicht am elektronischen Linienrichter, dennoch gibt es einige, die sich das alte System zurückwünschen. Einer von ihnen ist Gilles Simon: «Das Hauptproblem ist, dass das Hawk-Eye sehr ungenau ist», erklärt der Franzose, der bei seiner Erstrunden-Niederlage gegen Stefanos Tsitsipas zweimal hintereinander viel Pech hatte. «Der Abdruck des Balles auf dem Court ist manchmal überhaupt nicht da, wo es das System anzeigt.» Tatsächlich liegt die Fehlertoleranz zwischen drei und vier Millimetern.

Simon mag bei dieser knappen Entscheidung gar nicht mehr hinsehen.
Simon mag bei dieser knappen Entscheidung gar nicht mehr hinsehen.bild: screenshot

Doch nicht nur das stört Simon: «Mit dem elektronischen System fällt auch die Paranoia weg, dass der Schiedsrichter gegen dich entscheidet, weil es etwas Persönliches ist.» Oder anders: Früher konnte man dem Referee die Schuld in die Schuhe schieben, das geht jetzt nicht mehr. Etwas seltsam mutet an, dass die ehemalige Weltnummer 6 auch die Challenges vermisst: «Spieler und Zuschauer mochten sie. Es war eine schöne Möglichkeit, dreimal auf das Video zurückgreifen zu können. Die Maschine kann man nun ja nicht mehr challengen», so Simon.

«Eurosport»-Expertin Barbara Rittner stimmt Simon bei: «Es gibt jetzt keine Diskussionen und Challenges mehr, was ein bisschen schade ist. Gerade für die Zuschauer war das immer spannend», so die Ex-Spielerin, die ansonsten aber begeistert ist und das neue System als «spannende Technik» und in Corona-Zeiten «als eine super Sache» bezeichnet.

Sponsorenname statt Out-Call?

Gut möglich also, dass das «Electronic Line Calling» dem Tennis auch dann erhalten bleibt, wenn es irgendwann gelingen sollte, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Den Turnieren könnte die Technologie komplett neue Horizonte eröffnen. Hawk-Eye-Direkter Ben Figueiredo hat gegenüber dem «Sydney Morning Herald» einen Vorschlag auf den Tisch gebracht, der sich zunächst wie ein Scherz anhört.

Anstelle der Rufe «Out» oder «Fault» vom Band könne man in Zukunft die Namen von Sponsoren abspielen. Fliegt ein Ball neben die Linie, könnte es in Australien beispielsweise «Kia», «Rolex» oder «Ralph Lauren» heissen. «Die Möglichkeiten sind unbegrenzt, jedes Turnier kann sich die Ansagen massschneidern lassen. Damit bieten sich den Turnierveranstaltern ganz neue Optionen zum Generieren von Einnahmen», erklärte Figueiredo, der trotz des drohenden Widerstands an seine Idee glaubt. «Natürlich könnte das zunächst ein paar Leute auf die Palme bringen. Aber es ist etwas, dass die Turniere in Betracht ziehen sollten.»

War dieser Ball wirklich «Rolex»?
War dieser Ball wirklich «Rolex»?bild: imago images

Dass die Werbemöglichkeit dereinst von Grand-Slam-Turnieren genutzt wird, glaubt Figueiredo aufgrund ihrer bereits grossen Sponsoren-Abdeckung allerdings nicht. «Kleinere Turniere haben diesen Luxus aber nicht», gibt er aber zu Bedenken. Die ATP und die WTA haben unterdessen verlautbart, dass es momentan keine Pläne gebe, Sponsorennamen anstelle von Aus-Rufen einzuführen. Was noch nicht ist, kann aber freilich noch werden. Wer hätte es vor ein paar Jahren für möglich gehalten, dass das fünftgrösste Turnier des Jahres heute BNP Paribas Open heisst und nicht in Paris, sondern in Indian Wells stattfindet.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die besten Bilder des Australian Open 2021

1 / 42
Die besten Bilder des Australian Open 2021
quelle: keystone / dean lewins
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

So viel verdient Roger Federer mit Werbeverträgen

Video: srf

Das könnte dich auch noch interessieren:

24 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Jamaisgamay
10.02.2021 13:43registriert April 2016
Ob "Rolex = out" wirklich gutes Sponsoring ist :-))
1822
Melden
Zum Kommentar
avatar
Dubliner
10.02.2021 13:39registriert März 2014
Kommerzialisierung in Ehren, aber irgendwann geht's dann doch zu weit.
1242
Melden
Zum Kommentar
avatar
sapnu puas
10.02.2021 14:16registriert Juli 2019
Aufgrund der Pandemie wird auf Linienrichter verzichtet, aber Zuschauer sind erlaubt? Hääää, also wie jetzt?
960
Melden
Zum Kommentar
24
Mässi tuusig! Messi brilliert im 1000. Spiel seiner Karriere
Lionel Messi führt Argentinien in den Viertelfinal der WM 2022. Der 2:1-Sieg über Australien war für «La Pulga» eine ganz besondere Partie: seine 1000. als Profi.

Rio Ferdinand geriet nach dem Spiel ins Schwärmen. Der 44-jährige langjährige englische Nationalverteidiger weilt als Experte für die BBC in Katar und er rieb sich nach Lionel Messis Vorstellung im Achtelfinal gegen Australien verwundert die Augen:

Zur Story