Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Nichts hat die Karriere Roger Federers so definiert wie Rasen und Wimbledon

Auf Sandplätzen ist Roger Federer aufgewachsen. Weil es in der Schweiz kaum Rasenplätze gibt. Dennoch definiert sich Federers Karriere durch ein Rasenturnier. Nichts hat Roger Federer so sehr geprägt wie Wimbledon.

01.07.18, 05:40

Simon Häring / Nordwestschweiz



Erst ist es nur ein Gefühl, eine leise Sehnsucht, die Neugierde, vielleicht eine Vorahnung – und doch so weit entfernt, als er im Fernsehen seinen Heroen zuschaut: Boris Becker, Stefan Edberg und Pete Sampras. Zuhause in der Wasserhaus-Siedlung im Quartier Neue Welt von Münchenstein im Kanton Baselland.

Dort, wo Roger Federer aufwächst. Er spielt Fussball, Tischtennis, fährt Ski und spielt Tennis. Meist fährt er mit dem Velo an den St. Galler Ring 225 ins Basler Bachletten-Quartier, wo der TC Old Boys domiziliert ist. Für ihn ist es eine zweite Heimat. Neun Plätze, gespielt wird dort auf Sand – ausschliesslich.

epa06088018 Roger Federer of Switzerland celebrates winning against Tomas Berdych of the Czech Republic during their semi final match for the Wimbledon Championships at the All England Lawn Tennis Club, in London, Britain, 14 July 2017.  EPA/TIM IRELAND / POOL EDITORIAL USE ONLY/NO COMMERCIAL SALES

Bild: EPA/AP POOL

Doch sein Traum ist ein anderer. Er stellt sich vor, wie das sein mag, das Spiel auf Rasen. «Wie fühlt sich das wohl an? Wie springt der Ball ab? Rasen kannte ich ja nur aus dem eigenen Garten und vom Fussball. Ich hatte immer das Gefühl, das muss etwas Gediegenes sein – weil ja nur die Besten je auf Rasen spielen», versucht er im Vorjahr, seine Faszination zu beschreiben.

Der Reiz liegt im Verborgenen

Zunächst ist es nicht mehr als das – eine leise Sehnsucht, so etwas wie eine heimliche und verbotene Liebe. Und im Verbotenen liegt bekanntlich der Reiz. Für Schweizer, sagt Federer, scheine dieser Belag unerreichbar.

Gänsehaut-Momente: Alle 8 Wimbledon-Siege von Roger Federer im Video

Video: © Youtube/Wimbledon

Sand, Teppich, Granulat – das sind die Beläge, auf denen in der Schweiz gespielt wird. Wir sind ein Land der grünen Hügel und saftigen Wiesen, aber es gibt nur zwei Rasenplätze, die noch dazu in privater Hand sind. Einen am oberen Zürichsee, wo sich Federer zuletzt vorbereitete, der andere in der Region um den Genfersee.

Federer sagt, er bereite sich jeweils auch auf Hartplätzen auf die Rasensaison vor. «Denn auf Rasen fehlt dir der Rhythmus und du verlierst an Fitness.» Weil es in der Schweiz auch einen Mangel an Hartplätzen im Freien gibt, hat er seine Trainingsbasis einst nach Dubai verlegt.

Schwieriger Start auf Rasen

Längst gehört er zu den besten Junioren der Welt, doch er muss 16 werden, um erstmals auf Rasen zu spielen. Im Sommer 1998 an einem Junioren-Einladungsturnier in Queen’s. Er gewinnt ein Spiel, verliert das nächste. Sein Fazit: Es war okay, mehr nicht.

«Als ich das erste Mal hier spielte, war ich ein Nervenbündel. Ich war so nervös, dass ich Gespenster sah und das Gefühl hatte, das Netz sei zu hoch», erinnert er sich an die ersten Gehversuche. Kurz darauf gewinnt er das Turnier der Junioren, erst da habe er sich so richtig ins Rasentennis verliebt. Aus der Vorahnung wurde Gewissheit.

1999 und 2000 verliert er seine ersten beiden Spiele im Haupttableau, seine Liebe bleibt vorerst unerwidert. Doch Federer spricht schon damals vom Turniersieg. Seinen Glauben daran schöpft er aus den Stunden vor dem Fernseher, zuhause in Münchenstein.

Becker, Edberg und Sampras, den er im Jahr 2001 in den Achtelfinals besiegt, spielen ähnlich: «Mit der einhändigen Rückhand, mit dem Slice und dem starken Aufschlag.» Roger Federer muss schon damals gespürt haben, dass er Fähigkeiten mitbringt, die ihn auf dieser Unterlage zu grossen Erfolgen führen können.

Alle Turniersiege von Roger Federer als Profi

Der Mut macht es aus

Seine Bewegungen sind geschmeidig, der Rückhandslice bleibt tief und nirgendwo entfaltet seine Varianz im Aufschlag mehr Wirkung. «Und weil ich mich leichtfüssig bewege, ist es für mich kein grosser Unterschied zwischen Rasen und Hartplatz. Ich komme auf Rasen an ein paar Bälle nicht mehr heran, aber bei anderen ist die Differenz grösser», sagt er selber.

Das alles hilft, aber es ist eine andere Komponente, die ihn zum erfolgreichsten Rasenspieler der Geschichte gemacht hat: der Mut. Federer umschreibt das so: «Alles, was man tut, muss man mit einem absoluten Willen tun.»

Willen, Mut – Attribute, die sich auch in seiner Persönlichkeit widerspiegeln. Vor einem Jahr erzählte er wieder einmal aus seiner Kindheit. «Ich war ein normaler Junge aus Basel. Aber ich war ein Kind mit grossen Träumen. Vielleicht glaubte ich, dass Dinge möglich sind, die andere nicht für möglich gehalten hätten», sagte er, nachdem er zum achten Mal in Wimbledon gewonnen hatte.

Es war schon immer sein Lieblingsturnier, «und es wird es immer bleiben. Meine Helden spielten auf diesen Plätzen und ihretwegen wurde ich ein besserer Spieler.» Heute ist er das Vorbild der Jüngeren.

Roger Federer vs. Micky Maus: Das Dance-Off

Video: srf

Anfang und Ende in Wimbledon

«Ich freue mich riesig auf Wimbledon. Titelverteidiger zu sein, ist ein wunderbares Gefühl», sagt Federer. «Wimbledon ist für mich der Ort, wo alles angefangen hat und alles enden wird.» Acht Mal hat er im Südwesten Londons inzwischen gewonnen.

Er, aufgewachsen auf Sandplätzen, der sich erlaubt hat, davon zu träumen, wie es wohl sein mag, auf Gras zu spielen. Seit seinem Sieg 2003, dem ersten von 20 Grand-Slam-Titeln, ist er im All England Club Mitglied auf Lebenszeit und kann damit das tun, was für andere verboten ist: Auf den exklusivsten Rasenplätzen der Welt Tennis spielen.

Wimbledon 2018

Startspiele der Schweizer:> Federer (Setznummer 1/ATP 2) - Lajovic (SRB/ATP 57), am Montag, 14.00 Uhr> Wawrinka (ATP 225) - Dimitrov (BUL/6/ATP 6), am Montag> Bencic (WTA 61) - Garcia (FRA/6/WTA 6), am Dienstag> Vögele (WTA 95) - Barty (AUS/17/WTA 17), am Dienstag> Golubic (WTA 100) - Jabeur (TUN/WTA 130/WC), am Montag> Bacsinszky (WTA 312) - Riske (USA/WTA 58), am Dienstag

Weitere Erstrunden-Matches:Männer: Nadal (ESP/2) - Sela (ISR). Cilic (CRO/3) - Nishioka (JPN). Zverev (GER/4) - Duckworth (AUS). Del Potro (ARG/5) - Gojowczyk (GER). Thiem (AUT/7) - Baghdatis (CYP). Anderson (RSA/8) - Gombis (SVK/Q). Isner (USA/9) - Maden (GER/Q). Goffin (BEL/10) - Ebden (AUS). Djokovic (SRB/12) - Sandgren (USA). Murray (GBR) - Paire (FRA).Frauen: Halep (ROU/1) - Nara (JPN). Wozniacki (DEN/2) - Lepchenko (USA). Muguruza (ESP/3/TV) - Broady (GBR/WC). Stephens (USA/4) - Vekic (CRO). Switolina (UKR/5) - Maria (GER). Pliskova (CZE/7) - Dart (GBR/WC). Kvitova (CZE/8) - Sasnowitsch (BLR). Venus Williams (USA/9) - Larsson (SWE). Keys (USA/10) - Tomljanovic (AUS). (aargauerzeitung.ch)

Federers Sponsoren-Deals

Unvergessene Tennis-Geschichten

06.01.1996: Wegen Rossets Dummheit des Jahres bricht Hingis beim Hopman Cup in Tränen aus

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

20.01.2013: Djokovic fügt Wawrinka die Mutter aller heroischen und bitteren Niederlagen zu

21.01.1999: «Yips» beschert Anna Kurnikowa trotz Sieg einen unglaublichen Negativrekord 

24.01.2001: Hingis macht Kleinholz aus Serena und Venus und stürmt in den Australian-Open-Final

26.01.2002: Martina Hingis' Traum schmilzt bei 50 Grad im Glutofen von Melbourne weg

01.02.2009: Federer verpasst Sampras' Rekord und weint nach Pleite gegen Nadal bittere Tränen

13.02.2000: Roger Federer verliert seinen ersten Final, weint bittere Tränen und jammert, er werde nie mehr in ein Endspiel kommen

30.03.2002: Roger Federer bodigt zum ersten Mal die Weltnummer 1 – und diese ist sich sicher: «Er kann den Durchbruch schaffen»

30.04.1993: Wie ein Messerstich die Tenniswelt veränderte

31.05.2009: Robin Söderling fügt Rafael Nadal die einzige Niederlage an den French Open zu und ebnet Roger Federer den Weg zum Karriere-Grand-Slam

01.06.2009: Gedanklich ist Federer wohl schon ausgeschieden. Dann rettet ihn eine unglaubliche Vorhand auf dem Weg zum Karriere-Slam 

05.06.1989: Mondbälle, Krämpfe und ein «Uneufe»-Aufschlag – der 17-jährige Michael Chang treibt Ivan Lendl mit seinem Psychokrieg in den Wahnsinn

05.06.1999: Hingis' schwärzeste Stunde – zwei «Uneufe»-Aufschläge, gellende Pfiffe und bittere Tränen

06.06.2005: Nadals erster erster Streich am French Open – ganz Paris verliebt sich in das «Kind mit der donnernden Linken»

05.07.1997: Martina Hingis ist mit 16 Jahren die jüngste Wimbledon-Siegerin des 20. Jahrhunderts

07.07.1985: Als jüngster Spieler aller Zeiten gewinnt Boris Becker Wimbledon und löst so einen Tennis-Boom in Deutschland aus

08.07.2001: Die Weltnummer 125 triumphiert in Wimbledon: Goran Ivanisevics grosser Traum wird doch noch wahr

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

10.08.2003: Andy Roddick ist einen Sommer lang der beste Tennisspieler des Planeten – dann vergeht ihm das Lachen für lange, lange Zeit

04.09.1977: Bei McEnroes drittem US-Open-Auftritt wird ein Zuschauer mitten im Stadion durch eine Pistolenkugel verletzt

05.09.1996: Sampras kotzt gegen Corretja auf den Court – denkwürdigstes US-Open-Tiebreak aller Zeiten 

20.09.2009: «Who ist the beeest? Better than the reeest?» Federer outet sich nach dem Davis-Cup-Sieg gegen Italien als Party-Tiger

25.10.2002: Nach Roger Federers Gegensmash wirft ihm Andy Roddick frustriert das Racket vor die Füsse

24.11.2009: Das kommt uns Spanisch vor – im Interview mit CNN hat Roger Federer seinen legendären Lachflash

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Lieber Roger Federer – Was wir dir zum 37. Geburtstag wünschen

Zahlreiche unvergessene Augenblicke hat Roger Federer uns beschert. Heute feiert er Geburtstag. Zeit, den Spiess umzudrehen und den Baselbieter mit Wünschen zu überhäufen.

Als Teenager hattest du ein Bäuchlein, «weil ich zu viel Schokolade ass», wie du mal erzählt hast. Wir finden: sympathisch. Den Genuss hast du dir verdient.

Der «Basler Zeitung» hast du mal verraten, dass du noch nie im Rhein schwimmen warst. Das solltest du nachholen: Kauf dir einen Wickelfisch und lass dich einfach mal treiben.

Nach Siegen, nach Niederlagen, aber einmal auch im Musical «Finding Neverland», das du mit deinen Kids besucht hast: Für deine Emotionen hast du dich nie geschämt. …

Artikel lesen