Sport
US-Sports

Helvetic Mercenaries wollen in ELF trotz schwerer Vorzeichen angreiffen

Alles bereit fürs erste Spiel: Die Helvetic Mercenaries – in den Trikots des Vorgängerteams – treffen heute auf Barcelona.
Alles bereit fürs erste Spiel: Die Helvetic Mercenaries – in den Trikots des Vorgängerteams – treffen heute auf Barcelona.Bild: Noa Monn Studios

Kurz vor Saisonstart gegründet – und trotzdem ist das Schweizer Football-Team euphorisch

In so kurzer Zeit ein Football-Team auf die Beine zu stellen, ist nicht einfach, sagt Chris Rummel. Das wird wohl kaum jemand besser wissen als der Managing Director der Helvetic Mercenaries, die am heutigen Samstag (18 Uhr) in die Saison starten. Trotz allem herrscht grosse Zuversicht und Euphorie.
25.05.2024, 08:0125.05.2024, 14:24
Mehr «Sport»

Es ist ein Husarenstück, das Chris Rummel und seine Kollegen geleistet haben.

Erst vor rund sechs Wochen kam die Nachricht, dass die Helvetic Guards nach nur einem Jahr wieder aufgelöst werden würden. Damit hätte die Schweiz keinen Vertreter mehr gehabt in der European League of Football (ELF) – dem europäischen Pendant zur US-amerikanischen NFL. Das wollten Rummel und Co. jedoch unbedingt verhindern.

Chris Rummel
Chris Rummel.Bild: safv.ch/

«Als klar war, dass die Guards den operativen Betrieb einstellen, haben wir uns mit der Liga sofort um eine Nachfolgemöglichkeit bemüht», erzählt Rummel im Gespräch mit watson. Schnell wurde klar, dass eine solche unter anderem wegen bereits abgeschlossener TV-Verträge auch im Interesse der ELF ist. Mit der Gründung der Helvetic Mercenaries konnte der Verbleib eines Schweizer Vertreters in der europäischen American-Football-Liga sichergestellt werden.

«Wir mussten in sechs Wochen von 0 ein konkurrenzfähiges Team aufbauen.»
Chris Rummel, Managing Director der Helvetic Mercenaries

Doch der Löwenanteil der Arbeit lag da noch vor den Verantwortlichen des gerade erst gegründeten Vereins. «Wir mussten in sechs Wochen von null ein konkurrenzfähiges Team aufbauen. Das hat es noch nicht gegeben und wird es hoffentlich auch nie mehr geben», sagt Rummel, der als Managing Director vor allem organisatorische und operative Aufgaben übernimmt. Wie er waren auch Sportdirektor Matt Hammer und viele weitere Mitarbeiter bereits bei den Guards involviert und brachten ihre Erfahrungen mit.

Zunächst ging es darum, ein konkurrenzfähiges Team aufs Feld zu bringen. Hierbei konnte von der Vorarbeit der Guards profitiert werden. Ein Grossteil der Spieler spielte bereits vergangene Saison in der ELF. Dennoch mussten neue Verträge unterschrieben, weitere Spieler und Staff-Mitglieder gesucht werden. «Dann brauchten wir auch noch Trainingsplätze, Stadien, Wohnungen für einige Spieler mussten gesucht und Flüge gebucht werden», berichtet Rummel.

«Es war ein ständiges Abwägen, was in der kurzen Zeit möglich ist und was nicht.» Nun sei aber alles bereit fürs erste Heimspiel, das heute Samstag (18.00 Uhr, Tickets sind noch erhältlich) in Grenchen stattfindet. Zu Gast sind die Barcelona Dragons.

Val Gunn ist der Cheftrainer.
Val Gunn ist der Cheftrainer.Bild: Noa Monn Studios

Nach den harten letzten Tagen und Wochen überwiegt bei den Mercenaries jetzt die Vorfreude auf den Event. Auch rund um das Spiel soll den Schweizer Football-Fans ein schönes Rahmenprogramm geboten werden. Es gibt eine Fanzone mit verschiedenen Aktivitäten, neben der sich die Spieler aufwärmen werden. Sogar eine Halbzeit-Show ist geplant.

Die weiteren Partien werden in Kriens stattfinden. Im Stadion Kleinfeld soll ebenfalls ein tolles Rahmenprogramm geboten werden. Dies war schon in der letzten Saison bei den Helvetic Guards, die in Wil gespielt haben, der Fall.

Alle Spiele bei TV24
Die Partien der Helvetic Mercenaries sowie einige der Playoff-Spiele inklusive Final am 22. September 2024 werden im Free-TV bei TV24 live übertragen.

Dass sich einige Ostschweizer ärgern, dass die Spielstätte nun weiter weg ist, versteht Rummel. «Es war aber schon immer das Ziel, möglichst zentral zu spielen, und in den Regionen Bern und Luzern ist das gegeben.» Ausserdem seien die Wege für die Westschweizer Spieler jetzt kürzer. «In Kriens haben wir eine super Option gefunden», findet Rummel.

Nach dem ersten Spiel der Saison haben die Mercenaries dann erst einmal ein Wochenende spielfrei. Sportlich sei das schade, da man natürlich gleich weitermachen und «noch einen solch schönen Event» haben wolle. Planerisch kommt es den Verantwortlichen aber entgegen. Zumal die Vorbereitung viel Kraft gebraucht hat, Rummel sagt: «Es war eine sehr harte Zeit, mit vielen Ups and Downs in der Gefühlslage. Jede Sekunde wurde dafür gebraucht, um Probleme zu lösen, die nicht da gewesen wären, hätten wir mehr Zeit gehabt.»

«Wenn wir Ende Saison eine gute Grundbasis für die Zukunft gelegt haben, hätten wir etwas geschafft, was uns wenige zugetraut haben.»
Chris Rummel

Abstriche mussten bei den essenziellen Sachen aber keine gemacht werden. Seit einigen Tagen ist auch die Website online. Obwohl noch nicht alles fertig oder perfekt ist, sind die Mercenaries zuversichtlich. «Die Euphorie ist gross. Zu Beginn haben wir nicht die ganz grossen Brocken, da ist ein guter Start sehr realistisch. Und im Football kann das Momentum entscheidend sein. Falls wir also einen Lauf entwickeln, steht uns vieles offen», glaubt Rummel.

Jedoch gehe es in dieser ersten Saison um mehr als nur das Sportliche. Die Helvetic Mercenaries haben nämlich etwas zu beweisen. «Wenn wir Ende Saison auf viele schöne Momente zurückblicken können und eine gute Grundbasis für ein langfristiges Bestehen gelegt haben, hätten wir etwas geschafft, was uns wenige zugetraut haben», sagt Rummel.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Diese NFL-Klubs haben den Super Bowl gewonnen
1 / 22
Diese NFL-Klubs haben den Super Bowl gewonnen
6 Titel: Pittsburgh Steelers – 1974, 1975, 1978, 1979, 2005 und 2008.
quelle: epa / tannen maury
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Ich bin der König» – Argentiniens Präsident gibt sich als Rockstar
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
14 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14
Die englischen Fans haben einen neuen Sündenbock: Phil «Frauden»
Phil Foden: Der Engländer brillierte in der vergangenen Premier-League-Saison. In der Nationalmannschaft hingegen prasselte nach dem Spiel gegen Serbien viel Kritik auf ihn ein. Taktische Entscheidungen und der lange Schatten von Jude Bellingham stehen ihm im Weg. Gegen Dänemark hat er heute Abend (18 Uhr) die Chance, seinen Kritikern das Maul zu stopfen.

Phil Foden ist der jüngste Neuzugang auf der «Sündenbock-Liste» der englischen Fussballwelt. Der 24-Jährige ist dabei in illustrer Gesellschaft. Auch Harry Maguire, Bukayo Saka, Marcus Rashford und Harry Kane stehen regelmässig am Pranger. Nach dem Spiel gegen Serbien am vergangenen Sonntag war Foden nicht nur die Zielscheibe der englischen Presse, sondern kam auch auf X schlecht weg.

Zur Story