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Mit dem Vibrator am Tisch? Betrugsvorwürfe erschüttern die Poker-Szene

Im Mittelpunkt der Affäre: Pokerspielerin Robbi Lew.
Im Mittelpunkt der Affäre: Pokerspielerin Robbi Lew.bild: screenshot

Mit dem Vibrator am Tisch? Betrugsvorwürfe erschüttern die Poker-Szene

Ein guter Bluff war schon immer eine Möglichkeit, mit schlechten Karten etwas zu gewinnen. Aber möglicherweise gibt es auch zu gute Bluffs.
10.10.2022, 18:5711.10.2022, 15:11
Ralf Meile
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Seit Wochen sorgt ein möglicher Betrugsfall weit über die Schachwelt hinaus für Aufsehen. Weltmeister Magnus Carlsen beschuldigt den aufstrebenden Amerikaner Hans Niemann, gegen ihn und gegen andere betrogen zu haben. Nun sorgt ein ähnlicher Fall in einem anderen Denksport für Schlagzeilen.

Was ist passiert?

Die Amateur-Pokerspielerin Robbi Jade Lew hat mit vermeintlich heldenhaftem Mut einen Showdown gegen den Profi Garrett Adelstein für sich entschieden. Trotz einer schwachen Kartenkombination in ihrer Hand versuchte sie, ihren Gegner zu schlagen. Für dieses Wagnis ging sie All-In – legte also all ihre Chips in die Mitte des Tisches.

Adelstein hatte Kreuz-7 und Kreuz-8 und erhöhte den Einsatz, noch bevor weitere Karten auf den Tisch kamen. Lew hielt den Kreuz-Buben und das Herz-4 in der Hand – und bezahlte trotz dieser eher schlechten Ausgangslage dafür, den Flop zu sehen, die drei nächsten Karten.

Als diese drei Karten auf dem Tisch lagen, verschlechterte sich die Situation für Lew, doch erneut bezahlte sie, was Adelstein vorlegte. Bei der Turn-Card drehte sie den Spiess um und erhöhte ihrerseits. Nach einigen Momenten des Überlegens ging Adelstein All-In – und Lew konterte.

Die River-Card, die fünfte und letzte gemeinsame Karte, entschied damit. Aber Karo-9 nutzte beiden Spielern nichts. Und weil Adelstein weder den erhofften Flush (fünf Karten der gleichen Farbe) noch eine Strasse (fünf aufeinanderfolgende Karten) hatte, ging die Hand an Lew, mit dem Kreuz-Buben als höchster Karte.

Was wirft Adelstein seiner Gegnerin vor?

Profispieler Adelstein war am Tisch sichtlich geschockt. Zwar ist das Bluffen ein fixer Bestandteil jeder Poker-Partie. Doch mit so einer Hand All-In zu gehen, wie es seine Gegnerin tat, kam ihm doch gar unverfroren vor. Am Tag nach dem Vorfall veröffentlichte der 36-Jährige ein ausführliches Statement.

Darin hielt Adelstein fest, dass er betrogen worden sei. Er wisse nicht, wie Lew es gemacht habe, aber die Indizien würden für sich sprechen. Nach langem Videostudium habe er festgestellt, dass sie in dieser Hand völlig anders gespielt habe als sonst. Dass sie sein All-In gecallt habe, sei ein todsicheres Zeichen für Betrug, meinte er. Zudem hätten sie ihre Körpersprache und ihr unsicheres Gefasel nach dem Gewinn der Hand extrem verdächtig gemacht, schrieb Adelstein weiter.

Adelstein kann nicht glauben, dass es mit rechten Dingen zu und hergegangen sein soll.
Adelstein kann nicht glauben, dass es mit rechten Dingen zu und hergegangen sein soll.bild: screenshot

Hinter den Kulissen hätten er, Lew und der Organisator sich anschliessend unterhalten. Dabei sprachen die beiden Männer an, dass das Video von so einer aussergewöhnlichen Hand viral gehen würde. «‹Robbi, das wird wahrscheinlich von Millionen Menschen gesehen›, sagte ich», schilderte Adelstein. Ihr Gesicht habe Bände gesprochen, als ob sie in dem Moment realisiert habe, was sie getan habe. Er sagte zu ihr: «Ich denke, du weisst jetzt, dass du es vermasselt hast.»

Die Diskussion sei damit beendet gewesen, doch beim Weglaufen habe sich Robbi Lew noch einmal an ihn gewendet und gefragt: «Soll ich dir zurückzahlen, was du bei der Hand verloren hast?» Da sei für ihn endgültig klar gewesen, dass sie ihn betrogen habe. Das Angebot, die 135'000 Dollar zurückzuerhalten, habe er angenommen.

Wie konnte Lew betrügen?

Garrett Adelstein schreibt, der einfachste Weg sei mittels Vibrationen. Man trägt ein verstecktes Gerät auf sich, das ein Signal gibt, dass man über die beste Hand verfügt. Ein Komplize sendet dieses Signal an den Spieler.

«Letztlich gibt es derzeit keine Möglichkeit, herauszufinden, wie ich genau betrogen wurde. Und es wird enorm schwierig sein, dies herauszufinden», so Adelstein in seiner ersten Stelungnahme. «Internet-Sheriffs» nannten als mögliche Wege, um zu betrügen, den Ring an einem Finger Lews und sie entdeckten eine «verdächtige» Ausbeulung auf der Seite ihrer Leggings.

Wie wehrt sich Lew?

«Die Leute sagen: ‹Sie hat es für den Ruhm getan, sie hat es für Geld getan.› Ich brauche das Geld nicht, darüber kann ich nur lachen», sagte Lew in der «Los Angeles Times». Ihr Mann sei ein sehr erfolgreicher Anwalt und Geschäftsmann. Wenn sie berühmt werden wolle, gäbe es viel einfachere Wege als diesen, meinte die 37-Jährige.

Dass sie Adelstein das abgeknüpfte Geld zurückgab, erklärte sie damit, dass sie sich ein wenig in die Enge gedrängt gefühlt habe und dadurch die ganze Situation etwas beruhigen wollte. Sie bedauere diese Entscheidung.

«Ich habe nichts zu verbergen», betonte Lew. Den Zeitungs-Reporter nahm sie mit zu einem Juwelier in Beverly Hills, der den ominösen Ring unter die Lupe nahm und feststellte: Mit diesem ist alles in Ordnung.

Was ist danach passiert?

Die Veranstalter von High Stakes Poker Productions stellten ein Expertenteam zusammen, das den Vorfall untersuchen soll. Dieses machte einen erstaunlichen Fund: Auf den Aufnahmen war zu sehen, wie ein Angestellter Chips von Robbi Lew im Wert von 15'000 Dollar in den eigenen Sack wandern liess. War er ein Komplize, der sich seinen Lohn gleich selber auszahlte?

Adelstein veröffentlichte rund eine Woche danach ein weiteres langes Statement. In diesem beschuldigte er diesen Angestellten, Robbi Lew und einen weiteren Spieler, Jacob «Rip» Chavez, des Betrugs. Unter anderem will er festgestellt haben, dass Lew und Chavez als Team agiert hätten und sich mittels Körpersprache – ein leicht geneigter Kopf, ein Zeigefinger an der Schulter – Signale gegeben hätten.

Ausserdem habe der auf der Stelle entlassene Angestellte einen verdächtigen (und mittlerweile gelöschten) Tweet abgesetzt. «Wie betrügt man beim Schach? Ernste Frage», soll er nach dem berühmten Fall Niemann vs. Carlsen geschrieben haben. Da habe er sich wohl Inspirationen für einen eigenen Betrug holen wollen.

Wie geht es weiter?

Lew antwortete, sie habe sich «leider» die Zeit genommen, Adelsteins Text zu lesen. Er sei voller Ungenauigkeiten und Mutmassungen. Zum verhafteten Angestellten habe sie keinerlei Beziehung. «Es gibt null Beweise, dass ich betrogen habe und das schlicht deshalb, weil ich nicht betrogen habe.»

Es komme ihr seltsam vor, dass sie es sei, die die Unschuld beweisen müsse, zumal kein einziger konkreter Vorwurf an sie herangetragen worden sei. Sie habe dennoch einem Test mit dem Lügendetektor zugestimmt, denn sie werde alles machen, um ihre Unschuld zu beweisen. «Die Wahrheit wird befreiend sein und diesem anstrengenden Prozess ein Ende setzen.»

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78 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Schlaf
10.10.2022 20:00registriert Oktober 2019
Jeder der mit "Neulingen" am Tisch sitzt dürfte so etwas mindestens 1x auch schon erlebt haben.
War natürlich dumm gespielt von ihr, aber das ist halt Poker🤷🏼‍♂️
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no-Name
10.10.2022 19:40registriert Juli 2018
😂😂 sie wären gern wie schachspieler und sind nur schlechte verlierer…

beim pokern ist die beste strategie zum bluffen keine zu haben…. 🤷🏽‍♂️ da kann man auch mal ein all in riskieren…
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krassverschwurbelt
10.10.2022 20:05registriert September 2021
Habe mir die Hand mal in der Entstehung angeschaut. Wäre überrascht, wenn da beschissen worden wäre. Auf dem Turn liegt die Dame zwar vorne. Aber nur um ein paar wenige Prozente an Wahrscheinlichkeit. Ein klassischer Coin-Flip. Also 50:50 Situation. Warum sollte ein aussenstehender Informant ihr das ok für einen Call geben? 50 Prozent Chance, dass du aus dem Turnier fliegst! Oder anders gefragt: Wenn ihr das wissen hättet, würdet ihr das bezahlen? Not me. Not with that Hand. Ich denke, da hätte es bessere Momente gegeben, den Vibratos anzuwerfen. ;-)
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