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Im vergangenen Jahr fuhr Sébastien Reichenbach im Trikot des Schweizer Meisters durch Frankreich, in diesem Jahr ist es Silvan Dillier.
Im vergangenen Jahr fuhr Sébastien Reichenbach im Trikot des Schweizer Meisters durch Frankreich, in diesem Jahr ist es Silvan Dillier.
Bild: keystone

Was wir von den sechs Schweizern an der Tour de France erwarten dürfen

In Brest beginnt heute die 108. Ausgabe der Tour de France. Sechs der 184 Teilnehmer sind Schweizer. Allzu hohe Erwartungen an sie darf man nicht haben, weil sie zumeist Helferrollen einnehmen. Exploits sind dennoch möglich – so wie beim Giro d'Italia, als Gino Mäder und Mauro Schmid mit Etappensiegen verblüfften.
26.06.2021, 06:54

Marc Hirschi

Im Vorjahr ging sein Stern an der Tour de France auf. Mit einer offensiven Fahrweise gewann der 22-Jährige eine Etappe und die Auszeichnung als kämpferischster Fahrer der Rundfahrt. Anschliessend triumphierte der Berner auch an der Flèche Wallone, er wurde Zweiter von Lüttich-Bastogne-Lüttich und gewann WM-Bronze.

Im Winter wechselte Hirschi mit einigem Getöse und aus immer noch ungeklärten Gründen den Arbeitgeber. Nach dem Wechsel zum UAE-Team Emirates läuft es ihm in dieser Saison noch nicht nach Wunsch. Auf einen Sieg wartet Hirschi 2021 noch, obwohl er einige Male nicht weit davon weg war. Er wurde Dritter einer Etappe der Tour de Romandie, Fünfter einer Tour-de-Suisse-Etappe und belegte Rang 6 bei Lüttich-Bastogne-Lüttich.

Die Frage wird sein, ob ihm die neue Equipe solche Freiheiten gewährt wie das alte Team. Schliesslich steht die Verteidigung des Gesamtsiegs durch Tadej Pogacar an oberster Stelle. «Unser Ziel ist klar: Wir werden versuchen, den Titel zu verteidigen, den Tadej im letzten Jahr geholt hat, deshalb haben wir ein Team um ihn herum aufgebaut», kündigte Team-Manager Joxean Matxin Fernandez an.

Stefan Bissegger

Für den Thurgauer wird es die erste dreiwöchige Rundfahrt sein. Bissegger, der an der Tour de Suisse mit einem Etappensieg aus einer Fluchtgruppe heraus für Aufsehen sorgte, dürfte sich die 5. Etappe dick angestrichen haben: Dann gehört der 23-Jährige im Zeitfahren zu den Anwärtern für einen Top-Platz. Daneben stehen bei EF Education-Nippo Helferaufgaben an. Captain des Teams ist der Kolumbianer Rigoberto Uran, zuletzt Zweiter der Tour de Suisse.

«Es ist eine grosse Ehre für mich und bedeutet mir viel, in meinem ersten vollen Profijahr zur Tour zu fahren», freut sich Stefan Bissegger. «Ich möchte bei den Zeitfahren wirklich gut abschneiden und dann sehen, was in den drei Wochen möglich ist. Wir haben ein wirklich starkes Team, also werde ich versuchen, die Kollegen so gut wie möglich zu unterstützen.» Ob er das Ziel in Paris um jeden Preis anstrebt, ist offen. Bisseggers Ziel ist gleich nach der Tour eine Olympia-Medaille mit dem Schweizer Bahn-Vierer.

Stefan Küng

Auch der ältere der zwei Thurgauer Stefans hat herausragende Zeitfahr-Qualitäten. 13 seiner 20 Profi-Siege gelangen ihm im Kampf gegen die Uhr. In die Tour geht Küng (27) bei Groupama-FDJ als wertvoller Helfer für die Franzosen David Gaudu (Gesamtklassement) und Arnaud Démare (Sprints).

Je nach Rennverlauf könnte ihm das Team Auslauf gewähren – und in einer Fluchtgruppe liegt für einen mit Küngs Fähigkeiten viel drin. Dass die Form nach einem Höhentraining auf dem Säntis stimmt, bewies der 1,93 m lange Ostschweizer mit seinem Sieg im Auftaktzeitfahren der Tour de Suisse. Im April gewann Küng zudem die Valencia-Rundfahrt.

Silvan Dillier

Nach einem etwas verpfuschten Frühling zeigte die Formkurve des 30-jährigen Aargauers zuletzt nach oben. Am Sonntag wurde Dillier in Knutwil zum zweiten Mal Schweizer Meister. Auf den Strassen Frankreichs wird er damit im roten Trikot mit dem weissen Kreuz gut zu erkennen sein.

Bei Alpecin-Fenix dreht sich zu Beginn alles um Superstar Mathieu van der Poel und die Sprinter Jasper Philipsen und Tim Merlier. Wenn «MvdP» ausgestiegen ist – wovon aufgrund seiner Olympia-Teilnahme mit dem Mountainbike auszugehen ist – könnten sich dem starken Ausreisser Dillier, Giro-Etappensieger und Zweiter bei Paris-Roubaix, Chancen eröffnen. Der «Aargauer Zeitung» sagte Dillier, er hoffe, er könne sich «ein paar Mal in einer Spitzengruppe zeigen».

Michael Schär

Zum elften Mal hintereinander nimmt der Luzerner an der Tour de France teil. Schär gilt als einer der besten Helfer im Profi-Zirkus. Entsprechend soll der 34-Jährige bei AG2R-Citroën vor allem für seine Teamkollegen fahren. Während Olympiasieger Greg van Avermaet (36) den Zenit wohl überschritten hat, ruhen die Hoffnungen auf dem 25-jährigen Franzosen Benoît Cosnefroy und dem gleichaltrigen Australier Ben O'Connor.

In den letzten Jahren zeigte sich Edelhelfer Schär aber auch des öfteren aktiv, wenn er dafür grünes Licht erhielt. Er könnte einer jener Fahrer sein, die sich auf der ersten Etappe um das Trikot des Bergpreisleaders balgen. Teamchef Vincent Lavenu ermuntert seinen Fahrer jedenfalls, das Heil in der Flucht zu suchen: «Michael im Team zu haben ist ein Luxus für seine Mannschaftskollegen. Er wird sie in den angespannten Momenten des Rennens unterstützen, kann aber auch selber versuchen, in eine Ausreissergruppe zu gelangen und eine Etappe zu gewinnen.»

Reto Hollenstein

Der Thurgauer wird zum fünften Mal an der Tour de France teilnehmen, dreimal beendete er sie. Hollenstein ragt mit seiner Länge von 1,97 m aus dem Fahrerfeld heraus – mehr als mit Resultaten. Ein Sieg gelang dem 35-Jährigen noch nie, sein Karriere-Highlight ist der zweite Platz an der Belgien-Rundfahrt 2016.

Hollenstein ist ein «ewiger» Helfer, der sein Geld damit verdient, dass Teamkollegen im Scheinwerferlicht glänzen können. Diese Rolle – vielleicht vergleichbar mit der eines defensiven Mittelfeldspielers im Fussball – hat er auch bei Israel Start-Up Nation. Hollenstein, der bereits seine 13. Profisaison bestreitet, war im Mai unter anderem mit Chris Froome im Höhentrainingslager auf Teneriffa. «Das war eines der besten Trainings-Camps meiner Karriere und mit Sicherheit eines, das sehr viel Spass gemacht hat. Es hat mir viel Moral gegeben, um noch härter zu trainieren.»

Froome jagt Hollenstein eine Mörder-Rampe hoch.
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Schweizer Etappensieger an der Tour de France (seit 1980)

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quelle: keystone / stuart franklin / pool
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