«Ich glaube, ich brauche Hilfe» – Atle Lie McGrath erklärt seine Wanderung
Ein Olympiasieg ist der grosse Traum jedes Profisportlers. Atle Lie McGrath ist am Montagnachmittag kurz davor, ihn sich zu erfüllen. Im Slalom führt er bei Halbzeit nach einem sehr starken 1. Lauf. Noch einmal so fahren – und McGrath gewinnt die Goldmedaille.
Es kommt anders. Dem 25-Jährigen gelingt schon der Auftakt nicht wunschgemäss. Dann fädelt er ein und scheidet aus. Der grosse Traum: geplatzt.
«Es ist schwer, das in Worte zu fassen», sagte McGrath mit einigen Stunden Abstand im Gespräch mit Reportern. «Man bekommt keine bessere Ausgangslage als die, die ich hatte, und dann schafft man es, alles zu vermasseln. Das tut weh. Ich kenne keine andere Sportart, bei der der Weg zwischen Himmel und Erde so kurz ist.»
«Die Gefühle überwältigen mich»
McGrath warf nach dem Ausfall seine Stöcke weg, liess seine Ski liegen und stapfte über eine Wiese. Am Waldrand liess er sich nieder, um mit der Enttäuschung fertig zu werden. «Ich wollte ein bisschen Zeit für mich allein haben. Die Gefühle überwältigen mich», schilderte er. «Ich dachte, ich könnte vielleicht etwas Zeit für mich allein haben, aber dann haben mich Fotografen dort gefunden.»
«Es wird lange dauern, das zu verarbeiten», glaubt der Gewinner von fünf Weltcup-Slaloms. «Ich glaube, ich brauche Hilfe dabei.» Die mentale Belastung sei «extrem» gewesen. «Es waren ja schon ohne Sport ziemlich harte Tage für mich und dann kam der härteste Sport-Tag meines Lebens.»
Durch den Tod des Grossvaters mitgenommen
Der Skirennfahrer erfuhr am Eröffnungstag der Olympischen Spiele, dass sein Grossvater, zu dem er eine sehr enge Bindung hatte, gestorben ist. Er sei einer, der sich, wenn es auf der Piste mal nicht laufe, damit aufbaue, dass es den Menschen um ihn herum gut gehe. «Wenn es dann zu Hause und auf der Piste so hart ist, wird alles sehr viel», sagte der gute Freund von Riesenslalom-Olympiasieger Lucas Pinheiro Braathen.
McGrath sprach von einer Leere, die er so noch nie zuvor empfunden habe. «Ich habe in letzter Zeit viel Leere und Traurigkeit empfunden, aber das ist eine etwas andere Art von Leere. Es ist schwer zu beschreiben. Ein sehr seltsames Gefühl.»
Un silence qui vaut 1000 mots.
— Eurosport France (@Eurosport_FR) February 16, 2026
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Just an der Stelle der Strecke, an der Atle Lie McGrath all seine Träume begraben musste, stand ein Trainer des Schweizer Teams. Dieser liess seinen Gefühlen freien Lauf und jubelte euphorisch über Meillards Gold. «Dazu muss ich nichts sagen», meinte McGrath, «aber meine Meinung dazu ist klar. Das ist nur ein kleiner Tropfen in einem viel grösseren Eimer.»
