Sport
Wintersport

Atle Lie McGrath nach Olympia-Drama: «Ich glaube, ich brauche Hilfe»

Norway's Atle Lie McGrath walks off the course after skiing out during an alpine ski, men's slalom race, at the 2026 Winter Olympics, in Bormio, Italy, Monday, Feb. 16, 2026. (AP Photo/John  ...
Auf und davon: McGrath will nach dem Ausscheiden erstmal alleine sein.Bild: keystone

«Ich glaube, ich brauche Hilfe» – Atle Lie McGrath erklärt seine Wanderung

Im Olympia-Slalom ist der Triumph des Schweizers Loïc Meillard nur die eine grosse Geschichte. Die andere schrieb Atle Lie McGrath, der als Halbzeit-Führender ausschied und sich danach auf und davon machte. Später erklärte sich der Norweger.
16.02.2026, 20:0016.02.2026, 20:00

Ein Olympiasieg ist der grosse Traum jedes Profisportlers. Atle Lie McGrath ist am Montagnachmittag kurz davor, ihn sich zu erfüllen. Im Slalom führt er bei Halbzeit nach einem sehr starken 1. Lauf. Noch einmal so fahren – und McGrath gewinnt die Goldmedaille.

Es kommt anders. Dem 25-Jährigen gelingt schon der Auftakt nicht wunschgemäss. Dann fädelt er ein und scheidet aus. Der grosse Traum: geplatzt.

Video: watson/watson

«Es ist schwer, das in Worte zu fassen», sagte McGrath mit einigen Stunden Abstand im Gespräch mit Reportern. «Man bekommt keine bessere Ausgangslage als die, die ich hatte, und dann schafft man es, alles zu vermasseln. Das tut weh. Ich kenne keine andere Sportart, bei der der Weg zwischen Himmel und Erde so kurz ist.»

«Die Gefühle überwältigen mich»

McGrath warf nach dem Ausfall seine Stöcke weg, liess seine Ski liegen und stapfte über eine Wiese. Am Waldrand liess er sich nieder, um mit der Enttäuschung fertig zu werden. «Ich wollte ein bisschen Zeit für mich allein haben. Die Gefühle überwältigen mich», schilderte er. «Ich dachte, ich könnte vielleicht etwas Zeit für mich allein haben, aber dann haben mich Fotografen dort gefunden.»

Norway's Atle Lie McGrath, center, meets the media outside his hotel following an alpine ski, men's slalom race, at the 2026 Winter Olympics, in Bormio, Italy, Monday, Feb. 16, 2026. (AP Pho ...
Geknickt gibt Atle Lie McGrath nach dem Wettkampf Auskunft.Bild: keystone

«Es wird lange dauern, das zu verarbeiten», glaubt der Gewinner von fünf Weltcup-Slaloms. «Ich glaube, ich brauche Hilfe dabei.» Die mentale Belastung sei «extrem» gewesen. «Es waren ja schon ohne Sport ziemlich harte Tage für mich und dann kam der härteste Sport-Tag meines Lebens.»

Durch den Tod des Grossvaters mitgenommen

Der Skirennfahrer erfuhr am Eröffnungstag der Olympischen Spiele, dass sein Grossvater, zu dem er eine sehr enge Bindung hatte, gestorben ist. Er sei einer, der sich, wenn es auf der Piste mal nicht laufe, damit aufbaue, dass es den Menschen um ihn herum gut gehe. «Wenn es dann zu Hause und auf der Piste so hart ist, wird alles sehr viel», sagte der gute Freund von Riesenslalom-Olympiasieger Lucas Pinheiro Braathen.

McGrath sprach von einer Leere, die er so noch nie zuvor empfunden habe. «Ich habe in letzter Zeit viel Leere und Traurigkeit empfunden, aber das ist eine etwas andere Art von Leere. Es ist schwer zu beschreiben. Ein sehr seltsames Gefühl.»

Just an der Stelle der Strecke, an der Atle Lie McGrath all seine Träume begraben musste, stand ein Trainer des Schweizer Teams. Dieser liess seinen Gefühlen freien Lauf und jubelte euphorisch über Meillards Gold. «Dazu muss ich nichts sagen», meinte McGrath, «aber meine Meinung dazu ist klar. Das ist nur ein kleiner Tropfen in einem viel grösseren Eimer.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die erfolgreichsten Schweizer an Olympischen Winterspielen
1 / 17
Die erfolgreichsten Schweizer an Olympischen Winterspielen

15. Loïc Meillard (Ski alpin): 1x Gold, 1x Silber, 1x Bronze.

quelle: keystone / michael buholzer
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Mcgrath Ausraster nach vergebener Medaille
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
50 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Donko89
16.02.2026 20:09registriert Mai 2021
Gopf ich wäre auch hässig. Und die Skistöcke hätte ich auch geschmissen. Weisch wie regt das uf?! Grausam.

Aber hey: Der Trainer hat auch nur emotional reagiert. Er freute sich nur auch ehrlich grausam für Loic. Das hat nichts mit Unsportlichkeit zu tun sondern man sieht lediglich wie nahe Freud und Leid sein können!
29510
Melden
Zum Kommentar
avatar
purpletrain
16.02.2026 20:35registriert April 2016
Bisher mein persönlicher Held an diesen Spielen. Keine einstudierten Platitüden, sondern ein Mensch mit all seinen Gefühlen und Geschichten.
18412
Melden
Zum Kommentar
avatar
battlerat_zh
16.02.2026 20:23registriert Juli 2018
Ein sympathischer Sportler der Gefühle zeigen kann, hätte ihm den Sieg gegönnt aber im Slalom kann halt alles passieren. Kopf hoch Atle und Glückwunsch Loic
1567
Melden
Zum Kommentar
50
«Ein schrecklicher Schweizer»: Norweger kritisieren Swiss-Ski-Trainer
Als Atle Lie McGrath im Olympia-Slalom einfädelte und Loïc Meillard somit die Goldmedaille gewann, gab es beim Schweizer Trainer Thierry Meynet kein Halten mehr. Weil er ausgerechnet neben McGrath jubelte, kam das bei den Skandinaviern nicht gut an.
Es war ein richtiges Drama im Olympia-Slalom. Der Schweizer Loïc Meillard, Zweiter nach dem 1. Lauf, setzte in der Entscheidung eine neue Bestzeit und hatte mindestens die Silbermedaille sicher. Nur noch der Norweger Atle Lie McGrath hätte den Olympiasieg von Meillard verhindern können.
Zur Story