Haitianer begeistert und fährt im Olympia-Slalom in die Top 30
8,17 Sekunden war Richardson Viano im ersten Lauf des Olympia-Slaloms länger unterwegs als Leader Atle Lie McGrath und trotzdem fuhr der 23-Jährige aus Haiti auf den überraschenden 29. Platz. Natürlich profitierte Viano auch von den vielen Ausfällen im ersten Lauf, aber trotzdem ist es ein grosser Erfolg für den Haitianer.
Als zweiter Fahrer durfte er im zweiten Durchgang starten, nach seiner Ankunft im Ziel jubelte er ausgiebig – obwohl die Zeit nicht grün aufleuchtete. Schlussendlich betrug der Rückstand auf Olympiasieger Loic Meillard über 14 Sekunden, es reichte trotzdem für den 29. Platz.
Der Haitianer ist kein Unbekannter bei Olympischen Spielen. Bereits vor vier Jahren fuhr Viano in Peking auf den 34. Platz im olympischen Slalom und vor zwei Tagen sicherte er sich im Riesenslalom den 44. Platz. In die Top 30 schaffte er es aber noch nie – und konnte sich dadurch auch noch nie zuvor einem so grossen Publikum präsentieren.
Viano wurde im Alter von drei Jahren von einer italienischen Familie adoptiert und wuchs in der französischen Gemeinde Briançon auf. «Meine Eltern haben mich eigentlich sofort auf die Ski gestellt und ich bin im Winter fast jeden Tag gefahren», sagte Viano vor den Olympischen Spielen gegenüber Eurosport.
Zu Beginn seiner Karriere fuhr Viano noch für den französischen Verband, bevor im November 2019 der Wechsel nach Haiti erfolgte. Als die Anfrage vom Präsidenten des haitianischen Verbands kam, dachte Viano zunächst, es sei ein Scherz.
Seither stand Viano auch bei drei Weltmeisterschaften am Start und fuhr in fünf FIS-Rennen in die Top Ten. Zwei sechste Plätze sind bisher seine besten Ergebnisse. Das Jahr startete bereits sehr erfolgreich für Viano. An den haitianischen Meisterschaften gewann er im Riesenslalom und Slalom. Damit sich Viano die Karriere als Skifahrer finanzieren lassen kann, arbeitet er als Skilehrer.
Viano war nicht der einzige Ski-Exot, der von den vielen Ausfällen profitierte. So klassierte sich der Brasilianer Giovanni Ongaro auf dem 27. Platz direkt vor Matthieu Osch aus Luxemburg. Noch weiter vorne war der Chilene Tomas Holscher mit Platz 24 klassiert. Auch der Japaner Shiro Aihara, welcher bereits in Adelboden zum Sieger der Herzen wurde, fuhr sogar in die Top 20.
