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WM 2022

Argentinien Fan: «Menschen verkaufen ihr Auto für WM-Tickets»

Rosales
Begeisterte WM-Fans: Die Argentinier.bild: imago/instagram

Argentinien-Fan: «Ich kenne Menschen, die ihr Auto verkaufen für WM-Tickets»

Die laut singenden Argentinier werden auch beim morgigen WM-Final wieder für Stimmung sorgen. Doch woher kommen die Fans und wie können sie sich die Reise nach Katar leisten? watson sprach mit einem Vollblut-Fan vor Ort.
17.12.2022, 09:2517.12.2022, 12:04
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Eine Sache fiel an der WM in Katar auf: Die Stimmung in den Stadien scheint wie elektrifiziert zu sein, wenn Argentinien spielt. Die laut singenden Fans sind zurzeit omnipräsent, vor allem auf Social Media. 40'000 davon sollen sich in den Stadien Katars herumtreiben. watson hat das Gespräch mit einem dieser Fans gesucht.

Andy Rosales’ Passion ist der Fussball. Deshalb hat er sich in diesem Jahr entschieden, einen YouTube-Channel zu eröffnen. In seinen Videos analyisiert er Spiele und vlogt live aus den Stadien. Deshalb war für ihn klar: Dieses Jahr wird er nach Katar reisen, um die WM live mitzuverfolgen. Die Vorbereitungen für die Reise dauerten fast ein Jahr.

Mit Gesang und Tanz – Argentinienfans feiern den Einzug ins Finale

Video: watson/Lucas Zollinger

Die langen Vorbereitungen haben sich gelohnt. Der 27-Jährige sagt: «Ich bin überwältigt. Die Stimmung in den Stadien ist super und die Infrastruktur funktioniert einwandfrei.» Er sei schon an vielen Fussballmatches gewesen und eine solch friedliche Atmosphäre habe er selten erlebt.

Argentinien-Fans aus aller Welt

Die Budgetplanung sei eine grosse Herausforderung gewesen. Rosales sagt: «Ich habe nur die Argentinien-Spiele besucht. Die Tickets haben mindestens 600 Franken gekostet. Viele davon um einiges mehr. Für die Hotels habe ich mindestens 85 Franken pro Nacht bezahlt. Die Reise war insgesamt schon kostspielig.» Am Schluss kam also doch ein rechter Batzen zusammen.

Wenn man sich vor Augen führt, dass der Durchschnittslohn in Argentinien umgerechnet etwas über 1100 Franken ist, sind mindestens 600 Franken für ein Ticket sehr viel Geld. Wie viele der 40'000 Fans sind also direkt aus Argentinien angereist? Die Annahme, dass viele der Stadionbesucher in Katar sogenannte «fake Fans» sein könnten, liegt nahe.

«Wir Argentinier kennen da keine Grenze. Wir würden alles für ein Ticket bezahlen.»
Andy Rosales, Argentinien-Fan

Rosales hat sich während seinem fast einmonatigen Aufenthalt intensiv mit anderen Argentinien-Fans unterhalten. «Während meines Aufenthalts hier habe hauptsächlich Fans kennengelernt, die direkt aus Argentinien gekommen sind», so Rosales. Er betont noch einmal: «Die Tickets sind teuer. Wir Argentinier bekommen keine Gratistickets, wie die Marokkaner. Ich bin aktuell auf der Suche nach einem für das Finale. Ich muss mit mindestens 600 Franken rechnen, wahrscheinlich wird es schlussendlich noch viel mehr kosten.»

Doch Rosales erklärt: «Wir Argentinier kennen da keine Grenze. Wir würden alles für ein Ticket bezahlen. Für unsere Mannschaft nehmen wir Kredite auf und fragen unsere Familie nach Geld. Ich kenne Menschen, die ihr Auto verkauft haben, um sich Tickets zu kaufen.»

Einige Fans seien Argentinierinnen und Argentinier, die in Spanien, Italien oder den USA leben würden. Der Fussballfan präzisiert: «In diesen Ländern gibt es eine grosse argentinische Diaspora.» Rosales selbst ist in Deutschland aufgewachsen und lebt aktuell in Barcelona. Er betont: «Wir Argentinier sind verrückt nach Fussball und nach unserer Nationalmannschaft.»

Auf die Frage hin, ob sich in Katar auch «fake Fans» tummelten, sagt Rosales, dass er diese Gerüchte nur aus den Medien kenne. Er habe sich dazu kein abschliessendes Bild gemacht. «Ich habe während meines Aufenthaltes niemand getroffen, der ein ‹fake Fan› sein könnte», so Rosales.

«Es gibt viele Argentinien-Fans aus Indien, Saudi-Arabien, Katar und Bangladesch», schildert Rosales. Vor allem die Leute aus Bangladesch hätten eine spezielle Beziehung zur argentinischen Mannschaft, denn viele von ihnen seien grosse Verehrer von Maradona und von Messi. Der YouTuber ist enthusiastisch: «Diese internationale Unterstützung macht mich überglücklich.»

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