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FA-Cup 1872 

Als der «Prinz des Dribblings» den allerersten Cupwettbewerb entschied 

16. März 1872: Ein Sieg in vier Partien und der Wanderers FC steht im ersten FA-Cup-Final aller Zeiten. Auch dort gibt es heute unvorstellbare Szenen, bevor im bis dahin «schnellsten und härtestem Match» der weltweit erste Sieger eines Cup-Wettbewerbs feststeht. 
16.03.2014, 00:0017.04.2014, 19:35
Reto Fehr
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Fussball war gegen Ende des 19. Jahrhunderts viel mehr ein Freizeitvergnügen als ein professioneller Sport. In England entstanden in den späten 1850er-Jahren die ersten Fussballklubs. So auch der Wanderers FC. 1859 wurde dieser gegründet, das erste offizielle Spiel fand 1862 statt. Die Wanderers gehörten 1863 zu den Gründungsmitgliedern des englischen Verbands, der Football Association (FA). 

Das Team aus dem Londoner Stadtteil Battersea war in der Startphase ziemlich erfolgreich. Zwischen 1862 und 1863 blieb die Mannschaft drei Jahre unbesiegt, bis die Serie mit einem 0:4 gegen Harrow School riss. Allerdings mussten die Wanderers dabei – warum auch immer – mit nur neun Spielern antreten. Die erfolgreichste Zeit begann aber 1872 mit der ersten Saison des FA-Cup, des ersten Cupwettbewerbs der Welt.

Das Kennington Oval von London im Jahr 1938.
Das Kennington Oval von London im Jahr 1938.Bild: partleton.co.uk

Acht Stürmer und ein Schlüsselbein nach zehn Minuten

Am 16. März 1872 findet der Final vor 2000 Fans im Kennington Oval in London statt. Gegner sind die favorisierten Royal Engineers. Freistösse, Elfmeter oder Auswechslungen gibt es noch nicht, die Spielfeldmarkierungen sind rudimentär, aber es treten schon elf gegen elf Spieler an. Bei den Wanderers gehen acht nominielle Stürmer auf den Platz, bei den Engineers deren sieben. Die Sonne scheint und ein ziemlich starker Wind geht. Die Wanderers gewinnen die Platzwahl und entscheiden sich für die Seite mit der Sonne und dem Wind im Rücken.  

Wie erwähnt gelten die Engineers als Favoriten. Sie pflegen ein Kurzpassspiel, während die Wanderers – wie zu dieser Zeit üblich – auf weite Bälle und Dribbling-Künste setzen. Doch nach zehn Minuten bricht sich Edmund Creswell das Schlüsselbein. Es ist die erste für die Nachwelt notierte Verletzung in einem Fussballspiel. Creswell kann sich aber nicht auswechseln lassen und muss den Rest des Spiels durchbeissen.  

Ein Mannschaftsbild der Royal Engineers von 1872.
Ein Mannschaftsbild der Royal Engineers von 1872.Bild: Wikipedia

Die Vorarbeit des «Prinzen des Dribblings»

Nach 15 Minuten fällt das 1:0 für die Wanderers. Robert Walpole Sealy Vidal, der «Prinz des Dribblings» legt ein hervorragendes Solo hin, spielt den Ball zur Mitte, wo Pedro Morton Betts nur noch einschieben muss. 

Vidal erhielt seinen Übernamen logischerweise aufgrund seiner brillanten Dribblings. Als früher nach einem Treffer die «Tor-erzielende Mannschaft» noch Anspiel hatte, habe er der Legende nach einmal drei Treffer erzielt, ohne dass ein Gegner dazwischen den Ball berührt hatte. Betts seinerseits war eigentlich Verteidiger. Bei seinem einzigen Länderspiel für England 1877 agierte er allerdings als Goalie. Im Finalspiel trat er unter seinem Pseudonym A. H. Chequer an. Den Übernamen erhielt er, weil er meist für die Harrow Chequers dem Leder nachjagte. 

Der erste FA-Cupfinal-Torschütze: Pedro Morton Betts.
Der erste FA-Cupfinal-Torschütze: Pedro Morton Betts.Bild: Wikipedia

70'500 Pfund für die Goldmedaille von 1872

Vom weiteren Spielverlauf ist nicht mehr viel bekannt. Die Wanderers aber wehren sich erfolgreich gegen die eigentlich besseren Engineers und gewinnen den Titel. Die Zeitung «The Field» berichtet vom «schnellsten und härtesten Match, der je in diesem Stadion stattfand» und die Wanderers hätten «individuell und im Kollektiv eines der besten Spiele seit Bestehen der FA abgeliefert». 

Der Pokal sowie ein seidener Anstecker und eine Goldmedaille erhalten die Spieler erst einen Monat später. 2010 wird die einzig noch bekannte Goldmedaille versteigert. Sie wird für 70’500 Pfund von der «Professional Footballers’ Association» gekauft. 

Dem Halbfinal-Gegner ging das Geld aus

Bemerkenswert am Cup-Triumph ist auch der Weg ins Endspiel der Wanderers. 15 Teams starten in den Wettbewerb, der von Anfang an ein K.o.-Format ausweist. Die Harrow Chequers, der erste Gegner, gibt Forfait. Im zweiten Spiel besiegen die Wanderers die Clapham Rovers mit 3:1. 

Im Viertelfinal gibt es ein 0:0 gegen Crystal Palace. Das Wettkampfformat schreibt vor, dass entweder das Spiel wiederholt wird oder die Organisatoren bestimmen können, dass beide Teams weiterkommen. Zweiteres trifft ein und die Wanderers treffen im Halbfinal auf die Queens Park of Scotland. Das erste Spiel endet 0:0. Zum Wiederholungsspiel treten die Schotten nicht mehr an, weil das Geld für eine zweite Reise von Glasgow nach London fehlt – die Wanderers stehen im Endspiel. 

Bild: Wikipedia

1887 das Ende – 2009 die Wiedergeburt

1873 verteidigen die Wanderers den Titel. Als Titelverteidiger sind sie damals direkt für das Endspiel qualifiziert und besiegen dort Oxford 2:0. Auch 1876, 1877 und 1878 gewinnen die Wanderers den FA-Cup. Beim fünften Triumph findet die Partie schon vor 5000 Zuschauern statt. Gegner sind wieder die Royal Engineers. Danach geht es mit dem Verein bergab. 1881 nimmt er letztmals an einer offiziellen Meisterschaft teil, 1887 wird das Team aufgelöst. 

Doch 2009 – anscheinend mit dem Segen der Nachkommen der damaligen Spieler – wird der Klub wieder zum Leben erweckt. Er soll lediglich Benefiz-Spiele austragen. Doch schon 2011 meldet sich der Verein in der «Surrey South Eastern Combination»-Liga an. Zu einem historischen Spiel kommt es am 7. November 2012. 140 Jahre nach dem ersten FA-Cup-Final treffen die Wanderers im Kennington Oval zur Revanche auf die Royal Engineers. Sie verlieren 1:7. 

Das Rückspiel 140 Jahre später: Die Wanderers verlieren 1:7 im Kennington Oval.
Das Rückspiel 140 Jahre später: Die Wanderers verlieren 1:7 im Kennington Oval.Bild: Getty Images
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In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei. 
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