«Kann ich diesem Thema gerecht werden?»: Schweizer ESC-Song handelt von Gewalt an Frauen
Die Thunerin fühlt sich im Alternative-Pop mit Gitarre in der Hand zu Hause und nach einer Dekade in der Schweizer Musikszene verschlägt es sie 2026 auf die Eurovision-Bühne.
Aber wie klingt denn jetzt der Song?
Darum geht's
«Alice» handelt von einseitiger Liebe und einer Frau, die geschlechterspezifischer Gewalt ausgesetzt ist. Sie sei eine Frau, die versucht Grenzen zu setzen, aber diese werden nie respektiert. Im ganzen Song spricht «Alice» nicht für sich selbst – nur andere schauen von aussen auf sie.
Auch wenn das Thema schwierig ist, soll der Song Selbstbewusstsein auslösen. Er wurde nicht spezifisch für den ESC geschrieben, sondern kam schon im Oktober auf ihrem Album «Looking for Connection» heraus, diese erste Version sei aber viel fragiler und zerbrechlicher. Im Rahmen des Aufbereitungsprozesses für den Song Contest habe er viel mehr an Selbstbewusstsein gewonnen und sei so auch passender für eine so grosse Bühne.
Mit ihren Songs möchte sie wichtige Themen ansprechen, als Vorbild nennt sie während der Pressekonferenz Michael Jackson. Er wollte die Welt auch durch seine Musik verändern – Musik soll zum Denken anregen.
Wer ist Veronica Fusaro?
Fusaro wurde schon mehrfach ausgezeichnet: 2016 reichte sie das «Demo of the Year» bei der Demotape Clinic des m4music-Festivals ein. Einen Monat später kürte sie SRF 3 zum «SRF 3 Best Talent» und trat so auf das nationale Parkett.
Seither hat sie ihr Talent auf über 500 Shows bewiesen, mit viel Energie und kratziger Stimme, sowohl in der Schweiz als auch international. Sie stand schon auf den Bühnen am Gurtenfestival, Montreux Jazz Festival oder am ikonischen Glastonbury Festival in England.
Beeindruckend ist ihre Sprachgewandtheit: Auf dem Medienevent zum Song-Release brilliert sie in den Landessprachen. In Bern aufgewachsen, mit einem italienischen Papi und Französisch habe sie dank «guten Lehrpersonen» auch auf dem Kasten. Nur beim Rätoromanisch hakt es noch ein wenig. Trotzdem spüren wir am Event bei ihr Swissness pur.
Was ihr besonders am Herzen liegt, ist Authentizität in ihrer Musik. «Ich bin gerne präsent auf der Bühne. Ich muss ich selbst sein, sonst macht es keinen Sinn, auf die Bühne zu gehen.» Diese Ehrlichkeit durften wir sogar schon in einer Rüümli-Session bei uns in der Redaktion spüren.
Was kann man von der Inszenierung erwarten?
Fusaro arbeitet mit Fredrik «Benke» Rydman zusammen. Der Kreativdirektor zählt zu den erfolgreichsten Köpfen in der Geschichte des ESC und inszenierte auch Nemos Drehscheiben-Auftritt. Sie bleibt im Gespräch noch vage, aber eines ist sicher: Die Gitarre darf bei ihrer Performance nicht fehlen.
Fusaro wird sich im 2. Halbfinal am 14. Mai mit «Alice» zuerst beweisen müssen, um am 16. Mai in der Stadthalle in Wien auf die Bestplatzierung zu hoffen.
