Nach einem Jahr Geiselhaft – emotionale Videobotschaft von entführtem Buschpiloten
Vor ziemlich genau einem Jahr wurde in West-Neuguinea der Buschpilot Phillip Mehrtens von aufständischen Separatisten entführt, welche für die Unabhängigkeit ihrer Insel kämpfen.
Nun haben die Kämpfer der «West Papua National Liberation Army» ein neues Lebenszeichen ihrer neuseeländischen Geisel verbreitet: eine emotionale Videobotschaft an seine Frau. Mehrtens sagt darin, es gehe ihm gut. Mehr dazu im Video:
Am 7. Februar – auf den Tag genau ein Jahr nach der Entführung – gaben die Separatisten ausserdem bekannt, sie würden Mehrtens freilassen – «zur Wahrung der Menschlichkeit und Einhaltung der Menschenrechte», zitiert die britische Newsplattform Guardian. Ob und wann es zu dieser Freilassung kommt, ist indes nicht bekannt. Laut eigenen Angaben wurde nämlich den Forderungen der «West Papua National Liberation Army» nicht nachgekommen. So hätten sich die indonesische und die neuseeländische Regierung nicht an die Bedingungen für eine Freilassung Mehrtens gehalten. Gefordert hatten die Separatisten die Aufnahme von Friedensgesprächen mit Indonesien.
Was vor einem Jahr geschah
Phillip Mehrtens ist Buschpilot aus Neuseeland und wurde am 7. Februar 2023 entführt. Er sollte 15 Bauarbeiter in einer entlegenen Region West-Neuguineas abholen. Direkt nach der Landung auf dem Paro-Flughafen in dem abgelegenen Nduga-Bezirk – mitten im Rebellengebiet – wurde sein Flugzeug vom bewaffneten Flügel der «Free Papua Movement»-Separatisten gestürmt. Das Flugzeug zündeten sie an, die fünf Passagiere der Maschine liessen sie frei, weil es sich um Indigene handelte.
Lange brodelnder Konflikt
Das Ziel der Entführung: Neue Aufmerksamkeit für den bereits lang anhaltenden und tödlichen Konflikt, der in West-Neuguinea, der westlichen Hälfte der Insel Papua-Neuguinea, tobt, seit Indonesien 1969 die Kontrolle über die ehemalige niederländische Kolonie übernommen hat.
Das «Free West Papua Movement», dessen bewaffneter Flügel die «West Papua National Liberation Army» ist und das sich regelmässig Scharmützel mit indonesischen Sicherheitskräften liefert, fordert weiterhin eine faire Abstimmung über die Selbstbestimmung.
Friedliche Aktionen des zivilen Ungehorsams durch Indigene, wie das Hissen der verbotenen «Morning Star»-Flagge, werden mit Polizei- und Militärbrutalität und langen Gefängnisstrafen beantwortet.
Im Jahr 2022 forderten UN-Menschenrechtsexperten dringenden und uneingeschränkten Zugang für humanitäre Hilfe in die Region, da sie ernsthafte Bedenken über «schockierende Missbräuche gegen die indigenen Papuas, einschliesslich der Tötung von Kindern, des Verschwindenlassens von Personen, Folter und der Massenvertreibung von Menschen», haben.
Am selben Tag, an dem die Armee die Freilassung von Mehrtens ankündigte, veröffentlichte der neuseeländische Aussenminister Winston Peters eine Erklärung. Er appellierte an die sofortige Freilassung von Mehrtens und fügte hinzu, dass die Regierung mit den indonesischen Behörden zusammenarbeite, um seine Freilassung sicherzustellen. «Lassen Sie es mich ganz klar sagen. Es kann niemals eine Rechtfertigung für eine Geiselnahme geben», sagte Peters. (lzo)
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