UBS überrascht mit hohem Gewinn – jetzt stellen sich diese 4 Fragen
Die UBS verdiente in den ersten drei Monaten dieses Jahres 3.04 Milliarden US-Dollar, wie sie am Mittwochmorgen bekannt gab. Das sind 80 Prozent mehr als im Vorjahr. Erwartet wurden im Vorfeld «lediglich» 2.43 Milliarden.
Dabei fällt auf: Ein weiteres Mal übertrifft die Nummer eins auf dem Schweizer Bankenplatz die Erwartungen deutlich.
Zur Veranschaulichung:
Im vierten Quartal 2025 erzielte die UBS einen Reingewinn von 1.2 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit knapp 970 Millionen gerechnet. Ein Quartal davor resultierte ein Gewinn von 2.8 Milliarden. Dem steht ein vom Markt erwarteter Konzerngewinn von 1.13 Milliarden gegenüber. Im 2. Quartal waren es 2.4 Milliarden statt 2 Milliarden. Und vor einem Jahr, im 1. Quartal 2025, erzielte die UBS einen Reingewinn von 1.69 Milliarden – statt der erwarteten 1.3 Milliarden.
Das bedeutet Reingewinn
Der Reingewinn (oder Nettoergebnis oder Jahresüberschuss) ist der Gewinn, der einem Unternehmen nach einer gewissen Periode unter dem Strich bleibt. Er wird ausgewiesen, nachdem sämtliche Kosten und Aufwände abgezogen wurden, dazu gehören zum Beispiel Zinszahlungen, Abschreibungen oder Steuern. Sind letztere unter dem Strich höher als die Erträge, resultiert hingegen ein Reinverlust.
Den Reingewinn kann das Unternehmen an seine Aktionäre in Form einer Dividende auszahlen. Es kann ihn aber auch nutzen, um in das Unternehmen zu investieren (Reinvestition), Aktien zurückzukaufen, um Schulden zu bezahlen oder um Rücklagen (Reserven) zu bilden.
Warum weist die UBS erneut einen überraschend hohen Gewinn aus? Und was bedeutet dieser für die grosse Regulierungsdebatte?
Schauen wir uns dazu zunächst einmal an, wo und wie die Grossbank den hohen Gewinn erwirtschaftet hat.
Wie ist der Gewinn zu erklären?
Der Blick in die UBS-Bilanz des ersten Quartals zeigt: Für die Grossbank läuft es auf allen Kanälen.
Zulegen konnte sie zunächst insbesondere im Investment Banking. Dort stieg der Gewinn (vor Steuern) von 722 Millionen auf 1.2 Milliarden US-Dollar. Diese Gewinne sind auch auf die volatilen Umstände an den Märkten zurückzuführen.
Warum Investmentbanken von Volatilität profitieren
Die starken Schwankungen, die der Iran-Krieg hervorrief, kommen Investmentbanken entgegen. Das rührt daher, dass Investorinnen und Anleger mehr Käufe und Verkäufe tätigen, wenn sich die Märkte stark bewegen. Die Investmentbanken profitieren anhand von Gebühren oder kleinen Beteiligungen pro Transaktion davon. Gleichzeitig bieten turbulente Zeiten mehr Möglichkeiten zu grossem Risiko – und mehr Gewinnen.
Dass solche Zeiten für Investmentbanken profitabel sind, zeigt sich übrigens auch in den USA: Die US-Riesen JPMorgan Chase, Citigroup und Wells Fargo haben für das erste Quartal 2026 allesamt Rekordgewinne ausgewiesen – zum Teil mit einer Steigerung von über 40 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Ein grosser Teil des Gewinns der UBS entfiel auf ihr Kerngeschäft, die globale Vermögensverwaltung für Privatkunden. Dieses konnte sie von 1.36 Milliarden auf 1.79 Milliarden US-Dollar steigern. Im ersten Quartal zog die Bank unter dem Strich 37 Milliarden Dollar an neuen Geldern an.
Aber auch der Schweizer Heimmarkt läuft sehr gut: In der entsprechenden Sparte, dem sogenannten «Personal and Corporate Banking», erfolgte ein Gewinn-Plus von 80 Prozent (von 454 auf 809 Millionen Franken).
Nicht zuletzt konnte die grösste Bank der Schweiz ihre Kosten massiv senken, was vor allem auf die fortgeschrittene Integration der Credit Suisse zurückzuführen ist: Laut Quartalsbericht konnte die UBS rund 800 Millionen US-Dollar einsparen. Die Migration der Kundinnen und Kunden der CS auf ihre eigene Plattform hat die Bank vor Kurzem abgeschlossen. Diese Einsparungen gehen nicht zuletzt auf die Reduzierung der Anzahl – oder die Entlassung von – Mitarbeitenden zurück: Insgesamt sank die Beschäftigtenzahl interner und externer UBS-Mitarbeitenden auf 116'814. Das sind 2’775 weniger als drei Monate zuvor.
Ermotti zufrieden
UBS-Chef Sergio Ermotti zeigte sich sehr zufrieden mit dem vergangenen Quartal: «Wir erzielten ein ausgezeichnetes Finanzergebnis und sind nach wie vor auf dem Weg, unsere finanziellen Ziele für 2026 zu erreichen.»
Auch im Ausblick auf den weiteren Geschäftsverlauf gibt sich die UBS einigermassen zuversichtlich. Die Märkten würden sich im zweiten Quartal weiterhin «weitgehend widerstandsfähig» zeigen, heisst es dort. Darin widerspiegelten sich die Erwartungen, dass eine dauerhafte diplomatische Lösung des Konflikts im Nahen Osten erreicht werden könne.
Auch wenn die Kundenaktivität «unverändert robust» sei, blieben die Risiken aber erhöht, und die Umstände könnten sich rasch ändern, was die Kundenstimmung und -aktivität beeinträchtigen könnte. (awp/sda)
Warum wurde der Gewinn schon wieder so unterschätzt?
Während Fragen zu den nackten Zahlen einfach zu beantworten sind, ist es diese weniger. Dass die Gewinne mehrmals hintereinander und nicht um wenige Millionen unterschätzt wurden, fällt auf.
So kommen «Erwartungen» zustande
Erwartungen werden im Vorfeld von sogenannten Analysten herausgegeben. Analysten, das sind in diesem Fall Menschen, die von anderen Banken oder unabhängigen Analysehäusern beschäftigt werden. Sie beobachten die entsprechenden Unternehmen und erstellen Prognosen für Kennzahlen wie den Gewinn, den Umsatz oder den Gewinn pro Aktie. Der Durchschnitt dieser Schätzungen wird als «Konsens» bezeichnet und ist im Wesentlichen das, was man unter «Markterwartung» versteht.
Aber wie ist das zu erklären?
Thorsten Hens, Finanzprofessor von der Universität Zürich, hält zunächst fest: «Generell verschätzen sich Analysten lieber nach unten als nach oben.» Gäbe es positive Überraschungen, seien die Anleger weniger enttäuscht von den Analysten als im Falle negativer Überraschungen. Der Grund: Banken und andere Institute geben Analysen nicht nur für die Medien oder die breite Öffentlichkeit heraus, sondern in erster Linie für Anlegerinnen und Investoren, und damit für ihre Kundschaft.
In diesem Zusammenhang dürfte auch der zweite Punkt stärker ins Gewicht fallen: die Unsicherheit. Im Falle der UBS sind es gleich zwei Faktoren, die schwer einzuschätzen sind: die volatilen Märkte sowie die Auswirkungen der CS-Integration.
Norman Schürhoff, Swiss-Finance-Institute-Professor an der Uni Lausanne, sagt dazu: «Wegen der Marktverwerfungen [also der massiven Störung des normalen Marktgeschehens, Anm. d. Red.] erzielte die UBS im Investment Banking und im Wealth Management Rekorderträge, so gesehen ist das ein doppelter Hebel.» Allerdings seien Erträge wie diese schwankungsanfällig und sollten nicht strukturell interpretiert werden, so Schürhoff.
Thorsten Hens von der Uni Zürich sagt weiter: «Dieses Mal lagen die Analysten auch deshalb daneben, weil sie die gleichzeitige Stärke mehrerer Geschäftsbereiche nicht voll einpreisten.» Was heisst das konkret? Hens sagt: «Korrelationen sind schwer einzuschätzen – in der Behavioral Finance spricht man da von der ‹Conjunction Fallacy› [auf Deutsch etwa: Verknüpfungs-Fehlschluss].» Diese besage, einfach gesagt, dass man «zu sehr von einem Aspekt auf den andern schliesst». Diese Eigenschaften könnten positiv oder negativ sein. «Bei der UBS haben die Analysten tendenziell in mehreren Aspekten zu negativ geschätzt.»
Ausserbilanzielle Aktivitäten machen Prognosen schwierig
Marc Chesney, ehemaliger Finanzprofessor an der Universität Zürich, vermutet derweil als primären Grund für den überraschend hohen UBS-Gewinn den Iran-Krieg, und dabei insbesondere Dubai: «Wir wissen es zwar noch nicht, aber es wird vermutet, dass viele, die zuvor in Dubai investierten, nach dem Krieg einen sichereren Ort für ihr Geld suchten.» Er kann sich gut vorstellen, dass die UBS davon profiert hat.
Chesney spricht noch etwas anderes an: Möglicherweise schauen Analysten zu wenig auf die ausserbilanziellen Posten – also Verpflichtungen oder Geschäfte einer Bank, die nicht in der Bilanz auftauchen. Darunter fallen insbesondere Derivate. Chesney sagt: Im Falle der UBS betragen die Derivate ein Vielfaches der Bilanzsumme. «Das macht es generell schwierig, den zukünftigen Gewinn einzuschätzen – vor allem, wenn sich Analysten bei ihren Prognosen auf die ausgewiesene Bilanz beschränken.»
CS-Integration als Unsicherheitsfaktor
Bezüglich der CS-Integration glaubt Thorsten Hens, dass die Synergien, die durch die Integration der CS in die UBS entstehen, von den Analysten im Vorfeld konservativ geschätzt wurden.
Auch Schürhoff glaubt: «Die CS-Integrationskosten scheinen weniger belastend auszufallen als von Analysten vorhergesagt, während die Kostensenkungen bereits greifen. Das macht die Gewinnentwicklung kurzfristig schwieriger berechenbar, aber ändert die langfristigen Erwartungen.»
Schürhoff spricht damit an, was auch die Nachrichtenagentur AWP sagt: Die Gewinnschätzungen dürften mit den guten Quartalszahlen jetzt «in der Tendenz ansteigen».
Was macht das mit der UBS-Aktie?
Die Aktien der UBS haben am Mittwoch zugelegt. Sie notierten kurz nach Eröffnung in einem sonst wenig veränderten Gesamtmarkt 4,4 Prozent höher auf 34.73 Franken. Ganz an das aktuelle Jahreshoch kommen sie allerdings nicht heran. Dieses stammt vom 13. Januar und liegt bei 38.39 Franken.
Am Mittag legte die UBS-Aktie weiter zu und überstieg den Preis von 35 Franken pro Aktie, was einem Plus von über 5 Prozent gleichkommt. Damit macht sie einen Teil der Verluste wieder wett, die zu Beginn des Jahres hauptsächlich aufgrund der Unsicherheiten über die Regulierungsverschärfungen entstanden waren.
Was bedeutet der hohe Gewinn im Hinblick auf die Regulierungsdebatte?
Das UBS-Management befindet sich in einem Dilemma: Die Bank will gegenüber dem Bundesrat und dem Parlament hart bleiben – starkes Lobbying und implizite Drohungen inklusive. Für sie ist klar: Die neuen Vorschriften würden ihr gegenüber globalen Wettbewerbern einen Wettbewerbsnachteil verschaffen und ihr Geschäftsmodell gefährden.
Doch ein solches Narrativ ist ein zweischneidiges Schwert, denn es könnte auch die Aktionärinnen und Aktionäre verunsichern, sollte der Bundesrat bei seinen Plänen bleiben und diese, falls nötig, auch durchsetzen wollen.
Für CEO Sergio Ermotti war es am Mittwoch deshalb auch ein Drahtseilakt. So sagte er, man wolle sich in der Debatte um die Verschärfung der Eigenmittelvorschriften «weiterhin konstruktiv einbringen und zu einer faktenbasierten Debatte beitragen». Ermotti bekräftigte aber auch: «Diese Entwicklungen ändern nichts daran, wer wir als Unternehmen sind, und werden dies auch in Zukunft nicht tun.» Und: Man setze sich «voll und ganz dafür ein, unsere Aktionäre zu schützen und gleichzeitig die Auswirkungen dieser verschärften Anforderungen – soweit möglich – auf unsere Kunden, Mitarbeiter und die Gemeinschaften, in denen wir leben und arbeiten, abzufedern.»
Die UBS tut dies unter anderem, indem sie mit den Gewinnen ihre Aktienrückkäufe fortsetzt. Kauft ein Unternehmen eigene Aktien zurück, so verknappt es das Angebot. Die Folge: Deren Preis, also der Aktienkurs, dürfte weiter steigen.
Bereits im ersten Quartal hat die UBS laut eigener Aussage bereits Aktienrückkäufe von 0.9 Milliarden Dollar getätigt, und bis zum Ende des zweiten Quartals will die UBS Aktien im Wert von 3 Milliarden US-Dollar zurückkaufen. Weitere sollen noch folgen, doch in welcher Höhe diese ausfallen – und wie sich der Aktienkurs weiter entwickelt –, dürfte massgeblich davon abhängen, wie sich die Debatte um die UBS-Regulierung fortsetzt.
Klare Präferenzen der UBS
Letzte Woche legte der Bundesrat seinen Vorschlag auf den Tisch: Er hält an einem umstrittenen Punkt an seinem ursprünglichen Vorschlag fest, dass die UBS ihre Auslandstöchter mit 100 Prozent hartem Eigenkapital unterlegen soll. Jetzt liegt es am Parlament, darüber zu entscheiden, ob es dem Bundesrat folgen oder allenfalls den Vorschlag lockern will.
Klar ist: Die UBS kann sich über einen überraschend hohen Gewinn und damit eine Stärkung ihrer Aktie freuen. Den Aktionärinnen und Aktionären verspricht die UBS ansteigende Dividenden und eine zusätzliche Aktienstärkung durch Rückkäufe. Mit anderen Worten: Es ist Geld vorhanden. Dass seine Präferenzen klar beim Aktionariat und nicht beim Staat, respektive den Steuerzahlenden liegt, ist nachvollziehbar. Trotzdem dürfte sich Ermotti den hohen Gewinn und seine Verwendung als Argument im öffentlichen Schlagabtausch mit dem Bundesrat gefallen lassen müssen.
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