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Weltpremiere in Studen BE: Das erste Parkhaus fast ganz aus Holz



Autos stehen im weltweit ersten Parkhaus aus Holz, am Dienstag, 12. Dezember 2017, in Studen. Drei 51 mal 165 Meter grosse Parkebenen getragen von Holzstuetzen schichten sich uebereinander und bietet Platz fuer rund 2000 Fahrzeuge. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Tataaa: Das Parkhaus aus Holz. Bild: KEYSTONE

Projekte für ein Parkhaus aus Holz gab es zwar schon einige. Doch an die Umsetzung wagte sich bis vor kurzem niemand. In Studen nahe Biel entsteht jetzt jedoch das erste Holz-Parkhaus weltweit.

Das noch nicht ganz fertig gebaute Holzparkhaus in Studen BE ist zwar kein architektonisches, dafür ein konstruktives Wunderwerk, das seine Wunder zudem noch versteckt. Denn was der Baulaie sieht, scheint wenig spektakulär: Drei 51 mal 165 Meter grosse Parkebenen, getragen von Holzstützen und -trägern schichten sich übereinander. Der Bau strahlt bis ins Detail nüchterne Zweckmässigkeit aus. Doch eine, die es in sich hat.

Denn dieser konstruktive und kostenmässige Minimalismus ist in der Planung und im Bau anspruchsvoll. «Es ist eine brutal einfache Konstruktion», sagt Stephan Zaugg, der mit seiner Holzbaufirma Zaugg AG Rohrbach den Pionierbau konzipiert und erstellt hat. Und brutal einfach heisst in diesem Fall mit minimalem Aufwand auf maximale Leistung optimiert.

Autos stehen im weltweit ersten Parkhaus aus Holz, am Dienstag, 12. Dezember 2017, in Studen. Drei 51 mal 165 Meter grosse Parkebenen getragen von Holzstuetzen schichten sich uebereinander und bietet Platz fuer rund 2000 Fahrzeuge. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Bild: KEYSTONE

So bestehen zum Beispiel die Decken aus zehn Meter langen, sehr dicken Brettsperrholz-Platten, die direkt auf die alle fünf Meter folgenden Hauptträger montiert sind. Die sonst bei solchen Tragdistanzen übliche zusätzliche Balkenlage fehlt. Das reduziert mit der Zahl der Verbindungen den Montageaufwand und damit die Kosten markant.

Ausgefeilte Logistik

Auch die Montage selbst ist eines dieser unsichtbaren Wunder. Die grösste Herausforderung beim Bau des Parkhauses sei nämlich die Logistik gewesen, sagt Zaugg. Um den Bau effizient erstellen zu können, musste die Produktion der Bauteile und deren Transport zur Baustelle nach einem genau einzuhaltenden Fahrplan erfolgen.

Ein «Schönheitsfehler» am ersten Schweizer Holzparkhaus ist, dass sowohl die Bauteile wie ein Grossteil des Holzes aus Österreich stammen. «Wir haben in der Schweiz leider keine Halbfabrikatsindustrie mit der nötigen Kapazität», sagt Zaugg dazu. Für das Parkhaus wurden insgesamt 1100 m3 Brettschichtholz, 3400 m3 Brettsperrholzplatten und 30 m3 Buchenholz verbaut.

Autos stehen im weltweit ersten Parkhaus aus Holz, am Dienstag, 12. Dezember 2017, in Studen. Drei 51 mal 165 Meter grosse Parkebenen getragen von Holzstuetzen schichten sich uebereinander und bietet Platz fuer rund 2000 Fahrzeuge. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Bild: KEYSTONE

Bei einem Pionierbau brauchte es jedoch auch einen Bauherrn, der das Risiko eines Erstwerks eingeht. In diesem Fall war es Cotra Autotransport AG. Das Unternehmen hatte das bis anhin unlösbare Problem, auf einem Areal mit Grundwasser ein Parkhaus für 2000 Fahrzeuge bauen zu wollen.

Weil das Grundwasser nur eine geringe Bodenbelastung zuliess, kam die übliche Bauweise mit Beton nicht in Frage. Das Parkhaus musste leicht sein – also zum Beispiel aus Holz. Eine Holzkonstruktion hatte zudem den Vorteil, bei optimierter Bauweise günstiger und erst noch schneller erstellt zu sein.

Keine Sprinkleranlage

Doch wie steht es um den Brandschutz? Während beim Wohnbau die Brandgefahr noch einigermassen kontrollierbar scheint, passen Holz und Auto und damit Benzin auf den ersten Blick schlecht zueinander.

Der Brandschutz sei jedoch überhaupt kein Problem gewesen, sagt Zaugg. Dabei haben der Bauherr und die Planer von der 2015 erfolgten Lockerung der bis dahin holzbauhinderlichen Schweizer Brandschutzvorschriften profitiert.

Autos stehen im weltweit ersten Parkhaus aus Holz, am Dienstag, 12. Dezember 2017, in Studen. Drei 51 mal 165 Meter grosse Parkebenen getragen von Holzstuetzen schichten sich uebereinander und bietet Platz fuer rund 2000 Fahrzeuge. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Bild: KEYSTONE

Ebenfalls hilfreich waren auch einige planerische Kniffe. So wurde das Parkhaus in den Ausmassen und der Konstruktion exakt so geplant, dass es dafür keine erhöhten Brandschutzanforderungen erfüllen musste. Der Holzbau kommt darum ohne Brandmauern, Sprinkleranlage und Brandschleusen aus.

Weltweit einzigartig

Etwas Mehraufwand dagegen wurde betrieben, um den Bau witterungsbeständig zu machen. Um keine konstruktiven Teile Regen und Schnee auszusetzen, wurden die Fassadenstützen des Gebäudes aus feuerverzinktem Stahl gefertigt.

Auch die Zugangsrampen und die Zugangstreppen sind aus Stahl. Die Dachfläche, die ebenfalls als Parkfeld genutzt wird, ist durch eine Asphaltschicht geschützt.

Das Gebäude ist zwar noch nicht ganz fertiggestellt, es wird jedoch bereits genutzt. Die Abnahme des Gebäudes soll schliesslich Ende März 2018 erfolgen. Damit wird die Schweiz ganz offiziell ihr erstes Holzparkhaus haben.

«Das ist auch ein Weltpremiere», sagt Zaugg. Pläne und Ideen für den Bau eines Parkhauses aus Holz existierten zwar seit einigen Jahren. «Doch diese Projekte in den USA, in Deutschland und in Österreich sind bis jetzt Luftschlösser geblieben.» (sda)

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ziasper 15.12.2017 16:44
    Highlight Highlight Danke für diesen sehr interessanten Artikel. Und ein Hoch auf unsere Bauingenieure!
  • FrancoL 15.12.2017 12:34
    Highlight Highlight Die Frage ist doch: Ist das Parkhaus die richtige Baute um sich mit Holz zu versuchen?
    Ich baue viel in Holz, aber man sollte Holz dort einsetzen wo es schon, alleine ZB von den Spannweiten her, Sinn macht und nicht übermässig Bauhöhe verschwendet wird.
  • Hölzig 15.12.2017 12:23
    Highlight Highlight Holz ist auf dem Vormarsch, auch was Hochhausbauten angeht. Ein nachhaltiger Rohstoff aus der Schweiz (Wohl der einzige schweizer Rohstoff ausser Wasser)

    I like!

    ;-)
    • stadtzuercher 15.12.2017 15:34
      Highlight Highlight Nö, das Holz kommt aus Österreich. Weil billiger.
  • Karl33 15.12.2017 12:02
    Highlight Highlight In der Schweiz liegen die meisten Parkhäuser unterirdisch. Oder integriert in Gebäuden mit weiteren Nutzungen. Der Bedarf an freistehenden Parkhäusern in Holz wird also limitiert sein.
  • TheNormalGuy 15.12.2017 10:47
    Highlight Highlight Man erkennt das Problem auf den ersten Blick: die Höhe. Durch den Einsatz von Holz werden die Unterzüge einiges Höher als im Betonbau. Dies wiederum schlägt sich auf die Gesamthöhe und der dadurch maximal Anzahl Geschossen nieder.

    Trotzdem ist die Anwendung von Holz natürlich zu begrüssen. Ein interessantes Projekt.
    • dechloisu 15.12.2017 13:10
      Highlight Highlight In diesem Fall spielte dies aber keine Rolle.
      Da er das Gewicht einhalten musste und von der Höhe im Soll ist.

      Wenn man dann die Nötige Parkplatzanzahl erhält ist es eine absolute Alternative
    • Donald 15.12.2017 15:04
      Highlight Highlight Ich hätte auch eher Doppel-T-Träger für die Horizontale genommen und Holz für die Vertikale. Würde auch schönen aussehen. Aber ich kenne mich mit der Konstruktion von Gebäuden nicht aus :)

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